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Nur das Geld fehlt : Vor dem Verblassen retten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Auf der Glasplatte ist das alte Potsdam zu erkennen. Das Stadtschloss, die Nikolaikirche, die Bahnlagen. Doch allmählich verblasst das Foto, das um 1905 vom Brauhausberg, dem späteren Sitz des Landtages aus aufgenommen wurde.

Auf der Glasplatte ist das alte Potsdam zu erkennen. Das Stadtschloss, die Nikolaikirche, die Bahnlagen. Doch allmählich verblasst das Foto, das um 1905 vom Brauhausberg, dem späteren Sitz des Landtages aus aufgenommen wurde. Eine Ecke der Platte ist zudem schon abgebrochen. „Glasplatten waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts der wichtigste Bildträger für Fotografien“, sagt Caroline Gramzow vom Potsdam Museum. „Überall in Brandenburgs Museen gibt es sie.“

So wie die Amateurfilme, die zu DDR-Zeiten von Arbeitsgemeinschaften in Betrieben oder Filmclubs produziert wurden, und Einblicke in das Alltagsleben des sozialistischen Staates bieten. „Es gab dort Satiren auf offenkundige Mängel genau so wie politische Lehr- und Industriefilme“, sagt Dorett Mollitor vom Potsdamer Filmmuseum. Mehr als 1 000 solcher Filme seien zu DDR-Zeiten allein in Brandenburg entstanden. Doch auch am Zelluloid nagt der Zahn der Zeit.

Die Lösung für Glasplatten und Amteurfilme ist die Digitalisierung. In Computerdateien umgewandelt, sollen die historischen Aufnahmen gespeichert und zugleich einem größeren Personenkreis zugänglich gemacht werden. „Digitalisierung ist wichtig für Wissenschaft und Forschung und für die öffentliche Zugänglichkeit der Kulturschätze in Museen, Archiven und Bibliotheken“, sagt Brandenburgs Kultusministerin Sabine Kunst (parteilos). Bereits seit 2007 erstellte der „Arbeitskreis Brandenburg Digital“ deswegen ein Konzept zur Digitalisierung von Kulturgütern, das er gestern der Ministerin überreichte.

„Archive, Museen, Gedenkstätten und die Denkmalpflege haben eine gemeinsame Strategie zum Bewahren von Kunstgütern erstellt“, sagt der Sprecher des Arbeitskreises, Mario Glauert. „Das ist in Deutschland einzigartig.“

Doch deutlich wurde auch, dass es bei der Digitalisierung noch zahlreiche Probleme gibt. „Es fehlt an der nötigen technischen Infrastruktur, es fehlt an Personal und Know-How“, sagte Ulf Preuß von der Koordinierungsstelle des Arbeitskreises. So wurden für die Digitalisierung von Glasplatten im vergangenen Jahr lediglich 8 000 Euro vom Land bereitgestellt. Und für die Digitalisierung von Filmen hatte das Land Brandenburg gerade einmal 34 000 Euro zur Verfügung. „Das Land wird die Digitalisierung durch Förderprogramme und zentrale Speichermöglichkeiten weiter unterstützen müssen“, sagt Preuß.

„Das ist das große Dilemma, das wir überall in Brandenburg haben“, sagt der Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Potsdamer Landtag, Jens Lipsdorf (FDP). So gebe es etwa im Cottbuser Museum Dieselkraftwerk eine große Sammlung historischer Fotos, die weder katalogisiert noch digitalisiert seien. „Wir haben das Thema im Laufe der Legislaturperiode verschiedentlich im Ausschuss angesprochen“, sagt Lipsdorf. „Es braucht dafür schlicht und einfach mehr Geld.“ Die historischen Fotos würden im Laufe der Jahre nicht besser.

Und durch eine Digitalisierung könnten sie über das Internet auch einem größeren Benutzerkreis zur Verfügung gestellt werden, auch internationalen Nutzern. „Es wird Sache des nächsten Landtags sein, dieses Thema ernsthaft anzugehen.“


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