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Denkmalpreis : Vor dem sicheren Verfall gerettet

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Eigentlich wollten sie nur einen schönen Garten. Jetzt haben sie ein komplettes Schloss. Joachim Schmidt und Karoline Jüttner erhielten für die stilgerechte Sanierung eines maroden Gutsensembles in der Uckermark den diesjährigen brandenburgischen Denkmalpreis.

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erstellt am 13.Sep.2014 | 08:24 Uhr

Eigentlich wollten sie nur einen schönen Garten. Jetzt haben sie ein komplettes Schloss. Joachim Schmidt und Karoline Jüttner erhielten für die stilgerechte Sanierung eines maroden Gutsensembles in der Uckermark den diesjährigen brandenburgischen Denkmalpreis.

Im Q3A ist er aufgewachsen. Ein Neubaublock mit typischer DDR-Bezeichnung, bis heute überall in Berlin anzutreffen. „Diese Enge und Einheitlichkeit haben mir gereicht“, sagt Joachim Schmidt. Als er auf eigenen Füßen stand, suchte er sich eine große und damals noch bezahlbare Altbauwohnung. Mit historischen Möbeln und Öfen und Gemälden an den Wänden.

Die Liebe zum bürgerlichen Wohnambiente hat ihn nicht verlassen. Und so stecken viele seiner privaten Sammlerstücke in der Hotel-Ausstattung von Gut Suckow, einem malerisch gelegenen Flecken gleich hinter der A11-Abfahrt Pfingstberg. Der Gast findet mindestens ein altes Möbelstück in jedem der behaglich eingerichteten Zimmer.

Auf das Originalinterieur konnten die Hotelbetreiber bei ihrer Sanierung nicht zurückgreifen. Das war schon 1945 verschwunden. Die spätere DDR-Nutzung des von Arnimschen Gutes, von dessen einst prächtiger Schlossanlage nur noch der Nordflügel steht, tat dem Ensemble ebenfalls nicht gerade gut. Auf dem Areal befanden sich ein Jugendwerkhof und eine Traktorenstation.

Als der Industrieapotheker Joachim Schmidt und die Musikpädagogin Karoline Jüttner bei einer Radtour das verwilderte und dem Verfall preisgegebene Anwesen entdeckten, verliebten sie sich darin, ohne zu ahnen, was einige Jahre später daraus werden sollte. Die neuen Eigentümer konnten die im Jahr 2005 erworbenen Flächen des zerstückelten Geländes zusammenfügen und landwirtschaftliche Anbauten aus dem parkähnlichen Anwesen entfernen. Von den ursprünglich 19 Gebäuden samt Tankstelle, Heizhaus und Küche des Technikhofes blieben noch 11 stehen. Heute sind sie komplett in den Schlossbetrieb eingebunden.

Joachim Schmidt sitzt in einem bescheidenen Büro in einer früheren Technikhalle des Gutes und blickt auf die sanierte Fassade des Inspektorenhauses. Er kümmert sich um die Finanzen und den Hotelbetrieb. Seit 2009 gibt es Veranstaltungen in den wiederhergestellten Räumen. 2013 wurde das gesamte Landhotel eröffnet. Inzwischen geht die zweite volle Saison zu Ende. „Wir verzeichnen ein schönes Wachstum“, so der Eigentümer.

Schmidt kann rechnen. Der frühere Pharmamanager hat bewiesen, dass die Sanierung der alten Bausubstanz preiswerter war als ein Neubau. Der Aufenthalt mit gehobenem Anspruch wird jetzt veredelt mit einem japanischen Badehaus, fast unsichtbar in die Landschaft eingefügt. Fernseher fehlen in den historischen Mauern. Der Gast kann für einige Tage aus dem Berufsstress vollkommen aussteigen und die Ausgeglichenheit der Natur genießen, so die Philosophie. Umsorgt werden sie von Leuten aus dem Dorf. Einige haben schon immer auf dem Gelände gearbeitet, als Traktoristen oder Raumpfleger.

Mit zwei weiteren Preisen des Landes wurden die alte Ölmühle in Wittenberge sowie der Blumberger Park in Ahrensfelde im Barnim ausgezeichnet.

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