Viele Millionen Euro Nötig : Teurer Weg zum Weltkulturerbe

Friedemann Seeger ist der Vorsitzende des Fördervereins „Baudenkmal Bundesschule Bernau“.
Friedemann Seeger ist der Vorsitzende des Fördervereins „Baudenkmal Bundesschule Bernau“.

Das Gebäude-Ensemble der Bernauer Bundesschule soll Weltkulturerbe werden – doch noch fehlt viel Geld.

svz.de von
15. Juli 2014, 15:53 Uhr

Das Baudenkmal liegt gut versteckt im Wald von Bernau (Barnim), kein Hinweisschild lässt erahnen, dass aus diesem Kleinod einmal Großes werden könnte: Die von den Bauhaus-Architekten Hannes Meyer und Hans Wittwer im Jahr 1930 erbaute Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) soll spätestens 2019 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen werden, wenn es nach dem Förderverein für das Bauensemble geht. Die Gebäude sind zwar schon denkmalgerecht saniert. Die Handwerkskammer Berlin bringt dort seit 2001 Gerüstbauer-Lehrlinge unter. Doch in die Außenanlagen und in die übrige Ausstattung für die erhofften Besucher müssen noch gut 4,5 Millionen Euro investiert werden.

Noch verhandeln die Beteiligten, darunter das Land Brandenburg und die Stadt Bernau, darüber, wer das bezahlen soll. Aber die Zeit drängt, der Termin 2019 ist mit Bedacht gewählt: Das Gebäude-Ensemble gilt als eines der Vorzeigeobjekte des Staatlichen Bauhauses Dessau, das im Jahr 2019 seinen 100. Geburtstag feiert.

Der Weg zum Weltkulturerbe ist noch steinig, aber: „Wir machen uns berechtigte Hoffnungen“, sagt Friedemann Seeger, Vorsitzender des Fördervereins „Baudenkmal Bundesschule Bernau“. Die Bauhaus-Stätten in Weimar und Dessau sind bereits als Weltkulturerbe anerkannt, die Bernauer Bundesschule würde diesen nur hinzugefügt. Das mache es einfacher, sagt Seeger.

Die Antragsunterlagen sollen bis Herbst 2015 fertiggestellt sein. Dann wählt die Kultusminister-Konferenz diejenigen Vorschläge aus Deutschland aus, über die das Welterbe-Komitee der Unesco voraussichtlich im Sommer 2017 entscheidet. Seeger ist zuversichtlich, dass Bernau dabei sein wird. „Es hängt davon ab, wie geschickt wir das präsentieren.“ Prominente Fürsprecher haben Seeger und seine Mitstreiter bereits.

„Ich drücke die Daumen“, hatte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Anfang Mai nach einer Kabinettssitzung in Eberswalde zu den Welterbe-Plänen der Bernauer gesagt. Auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) soll mit ins Boot geholt werden. „Sie weiß um die Bedeutung der Bundesschule“, sagt Seeger.

In dem für den ADGB errichteten Ensemble verwirklichten Meyer und Wittwer das sozialpädagogische Programm des Bauhauses. Im Seminargebäude und in den Wohnheimen lebten und lernten die meist jungen Menschen gemeinsam, studierten in der Bibliothek, trieben Sport in der Halle oder in einem Naturbad. Das alles im für die damalige Zeit revolutionären Bauhausstil. „Für 1930 war das supermodern“, sagt Seeger. Diese Moderne hat die Zeit und Systemwechsel überdauert. Trotz vieler Umbauten und umfassender Sanierung zu Beginn dieses Jahrtausends ist der Bauhaus-Stil immer noch unverkennbar.

Doch das gilt nur für die Gebäude. Die Außenanlagen seien noch weit davon entfernt, einem Weltkulturerbe gerecht zu werden, sagt der Vorsitzende des Fördervereins. Doch die benötigten 4,5 Millionen Euro kann die Stiftung Baudenkmal Bundesschule Bernau nicht stemmen.

Tourismus, Gastronomie, der Nahverkehr – vom Status als Weltkulturerbe könnte die ganze Region profitieren, glaubt Seeger. Das sieht auch Fanny Behr, Pressesprecherin der Stadt Bernau, so. „Wir wollen die Bundesschule über die städtische Tourist-Info stärker bewerben“, sagt sie. Doch bei der Frage nach weiterer finanzieller Unterstützung hält sie sich bedeckt. Sie verweist auf die Stiftung, in die die Stadt bereits den Löwenanteil von einer Million Euro eingezahlt habe.

Ähnlich sieht das Gregor Schöning, Leiter des Bildungs- und Innovationszentrums Bernau. Er zeigt sich sehr skeptisch, ob die Handwerkskammer in die Außenanlagen Geld investieren kann: „Das sehe ich nicht.“ Schließlich hätten die Berliner acht Millionen Euro in die Sanierung der Gebäude gesteckt.

Schöning setzt nun darauf, dass sich im Zuge des Bauhaus-Jubiläums Land und Bund an den Ausbauarbeiten beteiligen. „Wenn wir öffentliche Mittel bekommen, werden wir investieren.“ Und das ist nicht ausgeschlossen. Hans-Georg Moek, der Sprecher des Potsdamer Kulturministeriums, kündigt an, dass „in Kürze Gespräche mit der Stadt Bernau, dem Landkreis und weiteren Partnern“ hinsichtlich weiterer Investitionen anlaufen werden.

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