Spektakulärer Fund : Steinzeit-Leiche unter der Lupe

 Der Kopf  ist schon gut freigelegt.
Der Kopf ist schon gut freigelegt.

Ein Skelett, dass bereits vor sechs Jahren gefunden wurde, ist über 7000 Jahre alt und könnte Aufschluss über das Leben in Brandenburg in längst vergangener Zeit geben.

svz.de von
06. März 2014, 11:30 Uhr

Das Skelett eines mehr als 7000 Jahre alten Menschen wird derzeit im Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf untersucht. Die Wissenschaftler erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse darüber, wie die Menschen in der Mittelsteinzeit im heutigen Brandenburg zusammengelebt haben. Das Skelett war 2008 in Rathsdorf entdeckt worden.

Jahrtausendelang lag der unbekannte Tote unbemerkt unter märkischem Sand. Nun hockt er halbsitzend mit ausgestreckten Beinen in einer Kiste im Landesdenkmalpflegeamt in Wünsdorf (Teltow-Fläming) und wird von einem Dutzend Wissenschaftlern beäugt. Der Laie erkennt freilich kaum, dass es sich bei dem Skelett um eine Sensation handelt. Die Experten aber sind sich einig: Diese Knochen sind von überragender Bedeutung. „Das ist ein Glücksfall“, betont Landesamt-Direktor Franz Schopper.

Sensationell ist zunächst einmal das Alter des Skeletts. Der Mensch, den es einst getragen hat, hat vor mehr als 7000 Jahren gelebt. Eine spezielle Untersuchung – Experten sprechen von der sogenannten 14C-Analyse – ergab, dass der mittelsteinzeitliche Brandenburger etwa 5200 Jahre vor unserer Zeitrechnung bestattet wurde. Die Altersbestimmung hatte ein Stück Holz ermöglicht – nicht viel größer als eine Kirsche. Es lag mit im Grab. Auch Tierzähne wurden dem Toten dorthin mitgegeben. „Das könnte darauf hindeuten, dass er Jäger war“, erläutert Mahi Ismael-Weber vom Landesdenkmalamt. Allerdings hätten die Forscher auch eine sorgfältig bearbeitete Pfeilspitze im Grab entdeckt. Und diese Fertigkeit besaßen erst die sesshaften Brandenburger.

Die Archäologen hatten die Grabstätte im Jahr 2008 vor dem Bau der neuen Erdgasleitung Opal bei Grabungen in Rathsdorf (Märkisch-Oderland) entdeckt. Eine Freilegung vor Ort wäre nicht möglich gewesen. Erst im Labor des Landesdenkmalpflegeamt legten die Restauratoren Hand an – sehr vorsichtig.

„Gräber aus der Mittelsteinzeit beherbergen die ältesten bisher entdeckten menschlichen Überreste aus Brandenburg“, berichtet Landesamt-Mitarbeiter Christof Krauskopf. Wie selten derartige Funde seien, zeige die Tatsache, dass aus jener Zeit in Brandenburg bislang nur knapp ein Dutzend andere Grabstätten bekannt sind – alle kaum so gut erhalten wie das Rathsdorfer.

Die Forscher sind nun vor allem darauf gespannt, was ihnen die noch anstehenden Untersuchungen über das Leben vor mehr als 7000 Jahren in Brandenburg verraten.

Bis der Tote einmal der Öffentlichkeit präsentiert wird, werden noch Jahre vergehen, kündigt Direktor Schopper an. Forschung brauche eben Zeit. „Schnellschüsse sind nicht zu erwarten.“

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