Medienboard: : Programmkinos sind kulturelle Grundversorgung

Das Medienboard hat zwischen 2010 und 2014 insgesamt 57 Leinwände im Land mit zusammen rund 1,1 Millionen Euro gefördert.
Das Medienboard hat zwischen 2010 und 2014 insgesamt 57 Leinwände im Land mit zusammen rund 1,1 Millionen Euro gefördert.

Viel Geld müssen die Betreiber in die voranschreitende Digitalisierung stecken. Ohne Fördermittel ist das für die meisten nicht machbar.

svz.de von
01. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Die Digitalisierung und die Konkurrenz großer Kinoketten stellen einige der kleinen Programmkinos in Brandenburg vor echte Herausforderungen. „Kinos stehen in Brandenburg für eine kulturelle Grundversorgung, oft die einzige und letzte am Ort, und müssen deshalb unbedingt erhalten bleiben“, sagte eine Sprecherin des Medienboards Berlin-Brandenburg. Darum habe man von 2010 bis 2014 insgesamt 57 Leinwände im Land mit zusammen rund 1,1 Millionen Euro gefördert, vornehmlich bei der Digitalisierung. Denn seit Beginn dieses Jahres können aktuelle Streifen nur noch über digitale Abspielanlagen gezeigt werden.

Die Anzahl der kleineren Programmkinos in Brandenburg stagniert seit einigen Jahren. Einer Studie der Deutschen Filmförderungsanstalt (FFA) zufolge gab es im vergangenen Jahr 13 Kinosäle mit „Programmkinocharakter“. Gegenüber dem Jahr 2004 entspricht das jedoch einer Verdreifachung. Wie in den Vorjahren war Brandenburg zusammen mit Bremen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Thüringen mit einem Anteil von jeweils nur einem bis zwei Prozent der bundesweit 777 Programmkinos, am schwächsten aufgestellt.

„Es gibt Mischformen, die die kommerziellen Top 10 spielen und daneben Filmkunst und Arthouse, die werden allerdings nicht separat erfasst“, erläuterte die Medienboard-Sprecherin. „Wir haben kein Geld für die Digitalisierung“, sagte die Vorsitzende des Vereins „kleines Kino“ in Frankfurt/Oder, Brigitte Kabel. Derzeit müsse man warten, bis die Filme auf DVD oder Blu-ray erscheinen, und diese analog vorführen.

Da der Verein nur zweimal im Quartal Filme und zumeist weniger bekannte Streifen zeige, sei das nicht so tragisch. Charakteristisch für das Programmkino sind Kabel zufolge die Auswahl der Filme, beispielsweise polnische oder DEFA-Klassiker, sowie anschließende Gesprächsrunden zu dem Gezeigten. Mit Mitgliedsbeiträgen und dem Eintrittsgeld von fünf Euro pro Zuschauer muss der Verein die Saalmiete, zumeist in Räumen der Universität, sowie Vorführlizenzen und Werbekosten finanzieren. „Die Stadt fördert uns zusätzlich“, sagte Kabel. Der Verein bemühe sich, mehr junges Publikum für das Programmkino zu begeistern, was in Kooperation mit der Viadrina auch gelinge. „Ansonsten sind wir eine verschworene Gemeinschaft von Kinoliebhabern.“

Digitale Filme kann das Kino im „Fontane-Klub“ seit Januar 2014 zeigen. Die 52 000 Euro teure digitale Abspielanlage bekam der Verein „event-theater“, der als Betreiber des Kinos fungiert, je zur Hälfte vom Medienboard und von privaten Spendern finanziert. „Das Crowdfunding hat sich gelohnt, der Zuspruch der Brandenburger für unser Kino war enorm“, sagte der Vereinsvorsitzende Hank Teufer. Die Konkurrenz großer Kinoketten fürchtet er nicht. „Wir zeigen aktuelle Filme mit gewissem Anspruch“, sagte er. Das sei nicht massentauglich, von daher tue man sich gegenseitig nicht weh. Zudem biete der Verein seinem Publikum neben dem Kino noch Theater, Comedy und kulinarische Besonderheiten.

Weniger Glück bei der Förderung durch das Medienboard und lokale Kinoliebhaber hatte das Scala-Kino in Werder/Havel. Das einzige Lichtspielhaus in der Baumblütenstadt musste seinen Betrieb kürzlich einstellen. „Ich bin mit dem Projekt kläglich gescheitert“, sagte Betreiber Knut Steenwerth. Die historische Atmosphäre des 1940 erbauten Kinos sowie das spezielle Filmangebot habe nur wenige Werderaner angelockt, nur Zugezogene schätzten das Scala.

Von Stadt und Medienboard fühlt sich Steenwerth alleingelassen. Ohne finanzielle Förderung könne er den Betrieb nicht am Laufen halten. Den mit 77 000 Euro dotierten Kinoprogrammpreis, den das Medienboard allein im vergangenen Jahr 13 Mal an märkische Kinobetreiber für anspruchsvolle Programme verlieh, hat Knut Steenwerth in den elf Jahren als Scala-Chef nicht einmal erhalten. Das Medienboard begründet das damit, dass der Betreiber an den Einwohnern von Werder und ihren Ansprüchen an Kino „vorbei programmiert“ habe.

„Wir haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich versucht, den Werderaner Standort nachhaltig zu stabilisieren“, heißt es vom Medienboard. Das gehe aber nur, wenn der Kinobetreiber konstruktiv mitwirke. Falls Steenwerth eine zweite Chance erhalten sollte, will er sich mehr Mitstreiter suchen und eine digitale Abspielanlage besorgen.

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