minderjährige Flüchtlinge : Ohne Mutter und Vater

In der Einrichtung unterhält sich der Sozialarbeiter Detlef  Schlingelhof (l.) mit einem Heimbewohner.  Fotos: Patrick Pleul
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In der Einrichtung unterhält sich der Sozialarbeiter Detlef Schlingelhof (l.) mit einem Heimbewohner. Fotos: Patrick Pleul

Dort steht das landesweit einzige Haus für minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung. Über die Lage dieser Kinder und Jugendlichen informierten sich gestern vor Ort Abgeordnete der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

svz.de von
04. März 2014, 12:00 Uhr

Sie haben ihre Eltern auf der Flucht verloren oder sind Waisen aus einem Krisenland: Wer ohne Mutter und Vater als minderjähriger Flüchtling in Brandenburg strandet, kommt in der Regel in ein Heim in Fürstenwalde. Dort steht das landesweit einzige Haus für minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung. Über die Lage dieser Kinder und Jugendlichen informierten sich gestern vor Ort Abgeordnete der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Ein 16-Jähriger Flüchtling ohne Eltern sollte nach dem Willen der Fraktion in Brandenburg nicht wie ein Erwachsener behandelt werden: „Im Moment gibt es in der Erstaufnahmeeinrichtung ein Gespräch von 90 Minuten.

Danach wird entschieden, ob 16- und 17-Jährige in eine Wohngruppe dürfen oder allein im Asylbewerberheim leben müssen. In dieser Zeit kann aber gar nicht beurteilt werden, ob ein junger Flüchtling eine Unterbringung in einem Massenquartier verkraftet“, sagte die Abgeordnete Ursula Nonnemacher.

Die Fraktion fordert ein Clearing-Verfahren wie im Bundesland Hessen. Dabei wird über mehrere Wochen geprüft, wie reif ein junger Mensch ist und ob und welche Hilfe er braucht. Für unter 16-Jährige ist das auch in Brandenburg Standard. Ältere Jugendliche gelten aber als „asylmündig“.

Die Einrichtung des Diakonischen Werkes Oderland-Spree ist landesweit das einzige derartige Haus. Im Moment leben dort 57 Menschen, wie Leiterin Mathilde Killisch sagte. Die Kinder und Jugendlichen haben ihre Eltern auf der Flucht verloren oder sind Waisen aus einem Krisenland. Der jüngste sei ein elf Jahre alter Junge aus Afghanistan, der vor gut zwei Wochen angekommen sei. Die Kinder und Jugendlichen leben teilweise jahrelang in der Einrichtung. Wer Verwandte habe, komme zu ihnen. „Wo die Eltern sind, kann ich Ihnen nicht sagen“, erklärte Killisch. Nicht alle Kinder und Jugendlichen wollten darüber reden. „Es gibt Jugendliche, die schwer traumatisiert sind.“ Manche seien gefoltert worden oder hätten andere Formen von Gewalt erlebt. Viele wüssten nicht, wo ihre Mütter und Väter steckten und ob sie noch lebten.

Nach Angaben des Bundesfachverbandes unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in München leben schätzungsweise rund 9000 solcher Kinder und Jugendliche in Deutschland – die meisten von ihnen in den großen Städten. In Brandenburg gebe es vergleichsweise nur wenige, hieß es.

„Die Kinder und Jugendlichen bekommen die Hilfe, die sie brauchen“, betonte Killisch. In dem Heim mit 63 Plätzen arbeiten nach ihren Angaben 29 Mitarbeiter. Angefangen habe die Einrichtung 1993 als Modellprojekt des Landes mit 40 Bewohnern. Mittlerweile kämen viele von ihnen aus Afghanistan, außerdem aus Somalia und auch aus Syrien. Sie gehen in Fürstenwalde zur Schule.

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