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Porträt : Neuruppin setzt auf Kultur

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Dank Behörden und Touristen hat die Stadt nach der Wende einen Aufschwung erlebt.

Folgt man Daniela Krüger auf den Turm der Pfarrkirche, bekommt man einen eindrucksvollen Blick über die Stadt am See. Schon auf dem Weg nach oben, lernt man in einer Ausstellung, warum die Stadt heute so aussieht, wie sie aussieht – geprägt von sehr breiten Straßen und überdimensionierten Plätzen. Im August 1787 zerstörte ein Brand fast die gesamte Innenstadt. Der Wiederaufbau dauerte bis 1803. Fachwerkhäuser wurden durch Steingebäude ersetzt. Die Plätze brachten Licht und Grün in die Stadt.

Turmführerin Daniela Krüger kann all das mit vielen Geschichten ausschmücken. Nach den gegenwärtigen Problemen der Stadt befragt, zeigt sie vom Kirchturm Richtung See auf den Platz vor dem Gebäude: aufgerissene Straßen. Auch im Restaurant Up Hus, einem Kleinod an der alten Siechenkapelle, schimpft man über die langwierigen Bauarbeiten.

Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) beunruhigen die genannten Probleme nicht. Er hat zwei Erklärungen: Erstens läuft die Förderperiode aus und die Stadt finanziert jede Maßnahme mit, die sich noch bietet. Der Geldstrom wird bald versiegen, ist der Bürgermeister sicher. Zweitens gehört Meckern für Golde zu den Neuruppinern. Die Stadt ist von jeher durch Militär und Beamte geprägt. Die begegnen der Stadtverwaltung mit viel Selbstbewusstsein. Den Bürgermeister scheint das nicht zu beunruhigen. Denn die schnelle Kritik ist mit Lokalpatriotismus verbunden. Nach außen lassen die Neuruppiner nichts auf ihre Stadt kommen und der Stolz mündet oft in Engagement.

Es gibt eine Reihe von Vereinen, die sich engagieren. Der Verschönerungsverein sorgt beispielsweise für Blumenampeln an den Laternen. Der Tempelgarten, den Kronprinz Friedrich in der Stadt gründete, hat einen Förderverein. Und mit Spenden wurde das Denkmal für Friedrich-Wilhelm II. neu gegossen, der die Stadt nach dem großen Brand unterstützte. Das Glockenspiel in der Stadtpfarrkirche finanzierten die Bürger und auch die große Edelstahlskulptur „Parzival“ am See wurde ohne städtische Mittel errichtet.


Die Behörden bieten Sicherheit


Golde führt all das auch auf den relativen Wohlstand seiner Bürger zurück. Neuruppin lebt nicht von der Industrie, sondern vor allem von den hier angesiedelten Behörden. 6000 gut bezahlte Arbeitsplätze sichern die Verwaltungen sowie das größte Klinikum im Nordwesten des Landes. Die Landesregierung hat es in jüngster Zeit auch gut gemeint mit der Stadt. Mit der Schaffung der Polizeidirektion Nord erhöhte sich die Zahl der Beamten, die Staatsanwaltschaft wurde verstärkt und das Schulamt soll aus Perleberg nach Neuruppin verlegt werden.

Wer gut verdient hat auch Ansprüche. Das trifft sich mit dem nächsten Wirtschaftszweig: Tourismus. „Wir stecken so viel in die Kultur, wie es nur geht“, sagt Golde. Man sieht es der Innenstadt an. Im Zentrum und am Seeufer ziehen überdimensionierte Fontanebildnisse in knalligen Farben die Aufmerksamkeit auf sich und werben für eine Ausstellung in der Pfarrkirche mit dem Popartkünstler Moritz Goetze. Im vergangenen Jahr zogen Werke von Armin Mueller-Stahl 6000 Besucher in das Kirchenschiff.

Es ist einer von zwei Veranstaltungssälen der Stadt. Die Pfarr- oder Kulturkirche für Ausstellungen, Bälle und Konzerte und das ehemalige Kreiskulturhaus für Feste, Bands und leichte Muse. Sieben Millionen Euro flossen in die Restaurierung der Ende der 1980er völlig maroden Kirche. Das Alte Gymnasium auf dem Schulplatz wurde ebenfalls zu einem Schmuckstück herausgeputzt. Hier sind die Kreismusikschule, die Jugendkunstschule, die Bibliothek und die Fontanegesellschaft untergebracht.

Daneben geht der Anbau für das Museum seiner Vollendung entgegen. Die Stadt will ihren riesigen Fundus zu den großen Stadtsöhnen Fontane und Schinkel, sowie die berühmten Bilderbogen präsentieren, die im 19. Jahrhundert weit über Brandenburg hinaus beliebt waren. So soll den Besuchern auch bei schlechtem Wetter etwas geboten werden, begründet Golde die Investition von 6,3 Millionen Euro. Mit den Nachbarkommunen Rheinsberg, Lindow, Netzeband und Wustrau wird an einem Ruppiner Festspielland gearbeitet. Der Tourist soll das ganze Jahr über in die Region reisen können und wissen, dass in einem der Orte am Wochenende ein kulturelles Highlight auf ihn wartet.

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