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Schinkelschüler : Mutter aller Villen kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Relativ unbemerkt wächst auch das Wohnhaus eines großen Sohnes der Stadt aus dem Nichts. Persius war wohl der bedeutendste Schinkelschüler. Es entwarf die Friedenkirche im Park Sanssouci oder die Heilandkirche in Sacrow.

Potsdam befindet sich mitten in einer Rekonstruktionsphase. Nicht nur das alte Stadtschloss entstand als historische Kulisse neu, die Palais am Alten Markt werden gerade gebaut und eventuell auch die Garnisonkirche. Relativ unbemerkt wächst auch das Wohnhaus eines großen Sohnes der Stadt aus dem Nichts.

Hegelallee – Ecke Schopenhauerstraße in Potsdam. Es ist eine der meist befahrenen Kreuzungen der Landeshauptstadt. Hier, dicht am Fahrbahnrand, würde heute wohl niemand ein neues Wohnhaus bauen. Aber genau das passiert gerade. Eine Villa entsteht. Stadtverwaltung und Abgeordnete haben jahrelang dafür gekämpft: Die Wiedergeburt der Villa Persius.

Als Ludwig Persius 1835 das Grundstück für den Bau seines Wohnhauses erhielt, lag die Ecke noch außerhalb der eigentlichen Stadt. Rund hundert Meter vom Beginn der Hauptallee des Parkes Sanssouci entfernt war es damals schon ein prominenter Platz und zeugt von der Wertschätzung für den gebürtigen Potsdamer.

Persius war wohl der bedeutendste Schinkelschüler. Es entwarf die Friedenkirche im Park Sanssouci, die Heilandkirche in Sacrow und war maßgeblich in Wannsee-Glienicke an der Gestaltung des Schlossensembles beteiligt. Vor allem aber gilt er als Vater der Vorstadtvillen, die heute weite Teile Potsdams prägen. Sein Wohnhaus galt als Musterbeispiel dafür.

Im April 1945 wurde das Gebäude zerstört und die Ruine später beseitigt. Nur ein kleiner Eingangspavillion, der zugemauert an ein Trafohäuschen erinnerte, überdauerte die Zeit. In den 1980er-Jahren stand hier ein Kiosk, in dem Pferdebouletten und -würste angeboten wurden. Dahinter, genau gegenüber dem Obelisk am Parkeingang, wurde zu DDR-Zeiten ein großer einstöckiger Plattenbau gesetzt – der Intershop, in dem die Touristen aus dem Westen ihre harten Währungen lassen sollten. Inzwischen ist die Betonbaracke abgerissen und eine Grünfläche entstanden.

Da die Stadtväter unbedingt die Villa Persius als Eingang zum Parkviertel wieder zurückgewinnen wollten, haben sie Investoren gesucht und sind für ihr Vorhaben Kompromisse eingegangen. Auf dem Nachbargrundstück befand sich eine alte Konzerthalle, die später von den hier stationierten sowjetischen Truppen als Haus der Offiziere genutzt wurde. Nach der Wende verfiel das Gebäude und nur die Leninstatue davor – ein eingetragenes Einzeldenkmal – schaute stoisch noch eine Weile lang auf die Hegelalle.

Der Investor durfte das Haus der Offiziere abreißen, Lenin abmontieren und abtransportieren lassen, um dort Wohnungen zu bauen. Saskia Hüneke, Stadtverordnete der Grünen und Mitarbeiterin der Schlösserstiftung, erinnert sich, wie bei Begehungen um die Gebäudeumrisse und die Sichtachsen vom Park aus gerungen wurde. 48 hochwertige – also auch teure – Wohnungen entstehen am Rande des Geländes.

Davor soll die Villa Persius die Blicke auf sich ziehen. Eine genaue Kopie des Originals ist es nicht. Hüneke spricht von einer modernen Interpretation. Die Kubatur des Vorbildes wurde übernommen. Der frühere Figurenschmuck aus Zinkguss wird dabei nicht rekonstruiert und die Fenster sind keine Nachbildungen der ursprünglichen Sprossenfenster, sondern modern. Innen entstehen vier Wohnungen und Büros.

Das Originalgebäude des Baumeisters wurde bereits wenige Jahre nach seinem Tod verändert. Persius hatte ein schlichtes würfelförmiges, zweistöckiges Haus mit einer großen Loggia entworfen. König Friedrich Wilhelm IV. ließ 1853 noch einen Turm anbauen. Der hatte zwar keine Funktion, erschien dem Monarchen aber viel italienischer. Später entstanden dann überall am Stadtrand die inzwischen berühmten Potsdamer Turmvillen. Unklar ist noch, was mit der Lenin-Statue wird. Noch ist sie eingelagert, ihr ehemaliger Standort aber überbaut. Zur Zeit laufen Gespräche der Stadtverwaltung mit dem Investor über eine Rückführung der Skulptur. Sie könnte ein Ausstellungsstück im Stadtmuseum werden, heißt es.

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