Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ : Marode Engel warten auf Rettung

foto_zu_marode_engel_43499763
1 von 2

Die aus dem Jahr 1573 stammende Orgel war 1864 zu Gunsten eines Neubaus abgerissen worden. Die bis heute erhaltenen 14 Engelsfiguren befanden sich damals am Gehäuse der Orgel.

svz.de von
04. Dezember 2014, 13:00 Uhr

Es sind die letzten Teile einer längst verlorenen Orgel: Kleine Engelsfiguren der ehemaligen Scherer-Orgel in der Bernauer St. Marienkirche stehen im Zentrum der sechsten Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“, zu der der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, das Landesamt für Denkmalpflege, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EBKO) und die Stiftung Kirchliches Kulturerbe gestern in Potsdam aufgerufen haben.

Die aus dem Jahr 1573 stammende Orgel war 1864 zu Gunsten eines Neubaus abgerissen worden. Die bis heute erhaltenen 14 Engelsfiguren befanden sich damals am Gehäuse der Orgel, und konnten sich, während Choräle und Fugen gespielt wurden, dazu bewegen. „Während das Orgelwerk erklang, bewegte sich die ganze Orgel“, sagt Landeskonservator Thomas Drachenberg. „Die Engel vereinten die irdische Musik mit dem Gotteslob.“ Die Generalsuperintendentin des Sprengels Potsdam der EBKO, Heilgard Asmus, sprach davon, dass Kunstwerke in Kirchen gelebter Glaube seien. Seien sie zerstört, werde „der Gedanke an die Vergänglichkeit alles Irdischen sichtbarer – aber wir betreiben ja keine Ruinen-Melancholie.“


Mit wenig Geld sehr viel erreichen


Wie der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen, Bernd Janowski, erklärte, habe sich die zunächst als Kampagne zur Rettung bedrohter Taufengel gestartete Aktion gut entwickelt. In den ersten drei Jahren seien rund 70 000 Euro für die Flügelwesen eingegangen. Noch heute gebe es Spenden für einzelne der Engel, ohne dass dafür gezielt Werbung gemacht werde. 2012 habe man dann rund 7 000 Euro für die Restaurierung des Altars in Laubst (Spree-Neiße) eingeworben. 2013 seien ebenfalls rund 7 000 Euro Spenden für die Ausstattung der Dorfkirche in Dedelow (Uckermark) eingegangen. „Die Resonanz auf diese Aktion war in den letzten Jahren sehr positiv“, sagte Brandenburgs Kultusministerin Sabine Kunst (parteilos). „Mit relativ wenig Geld kann man bei den Kunstwerken in den Kirchen sehr viel erreichen.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen