Carl Philipp Emanuel Bach : Klänge eines Originalgenies

Neue trifft auf alte Technik: Wolfgang Jost mit einem Tablet-Computer in der neuen Bach-Ausstellung – vor einer originalen Flötenuhr aus dem 18. Jahrhundert.
Neue trifft auf alte Technik: Wolfgang Jost mit einem Tablet-Computer in der neuen Bach-Ausstellung – vor einer originalen Flötenuhr aus dem 18. Jahrhundert.

Die einzige Ausstellung, die sich mit dem zweitältesten Sohn von Johann Sebastian Bach befasst, kann man – nun wieder – in der Konzerthalle in Frankfurt (Oder) besuchen.

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09. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Je nachdem, aus welcher Richtung man auf Carl Philipp Emanuel Bach schaut, wird er mal der „Berliner“, mal der „Hamburger Bach“ genannt. In Berlin und Potsdam verbrachte er die längste Zeit seines Berufslebens – als Cembalist Friedrichs II. In Hamburg wurde aus dem Hofmusiker einer der erfolgreichsten Musik-Unternehmer seiner Zeit. Aber weder an der Elbe noch an der Spree findet man zu ihm eine Dauerausstellung.

Die einzige, die sich mit dem zweitältesten Sohn von Johann Sebastian Bach befasst, kann man – nun wieder – in der nach Carl Philipp Emanuel Bach benannten Konzerthalle in Frankfurt (Oder) besuchen. Zu seinem 300. Geburtstag wurde die Schau aufgefrischt und technisch aufgerüstet. Nach einem längeren Umbau wurde sie gestern eröffnet. Nun sieht man wieder: Es gab auch den Frankfurter Bach.

Ihn entdeckt man nun so: Bei Eintritt einen Tablet-Computer und Kopfhörer ausleihen, ein 50 Cent Stück einstecken und zunächst vor dem Kammermusiksaal verharren. Da wird erzählt, dass dieser Bach 1734 nach Frankfurt kam, um dort Jura zu studieren, und dass er in der Stadt das Musikleben aufmischte. Während man diesen Prolog studiert, wirft man die Münze in einen Automaten, an den ein elektronisches Cembalo angeschlossen ist, und lässt sich berieseln. „Klangdusche“ nennen es die Ausstellungsmacher.

Zu denen gehört Wolfgang Jost. Er ist der Geschäftsführer der „Musikgesellschaft C.P.E. Bach“, die das geistige Erbe dieses Künstlers pflegt. Jost hatte schon die erste Schau mit konzipiert. Zeigen will er nun, warum dieser Bach zu seiner Zeit als „Originalgenie“ gerühmt wurde. „Er war Komponist, Interpret, Musikerzieher und Musikverleger“, sagt Jost. Und auf jedem dieser Gebiete gehörte Carl Philipp Emanuel Bach zu den größten Talenten des 18. Jahrhunderts.


Mechanik
als Experiment


Als Cembalist machte er einen ungeheuren Eindruck. Der mit ihm befreundete Komponist Johann Friedrich Reichhardt hinterließ zum Beispiel diesen jubelnden Seufzer: „Hätten Sie nur einmal gehört, wie Bach sein Klavier beseelt...“ An Bach den Virtuosen erinnern die verschiedenen historischen Tasteninstrumente im unteren Bereich der Sakristei der ehemaligen Klosterkirche.

Eigentlich müsste dort immer ein Experte sitzen, der spielt und erklärt, wie man bei diesen Instrumenten mit einem Kniehebel mal auf Harfen-, mal auf Hackbrettklang umschalten kann und dass Wildschweinborsten in die ausgeklügelte Mechanik eingebaut sind, weil sie gut federn. Gesäumt werden die Tafelklaviere von verschiedenen Blasinstrumenten, die aus Bachs Zeit stammen oder kurz danach angefertigt wurden. Sie sollen zeigen: Die Frankfurter Gegend war damals ein Zentrum des Instrumentenbaus.

In Frankfurt reifte Bach, der Jura-Student, zum Profi-Musiker. Seine Zeit dort war für ihn sicher auch eine intellektuelle Erweckung. Er pflegte später den Austausch mit Dichtern wie Lessing, mit Aufklärern und Freigeistern. Die Ausstellung verhilft zu einem Einblick in das Bach’sche Netzwerk, von dem dieser Meister der Selbstvermarktung nicht nur künstlerisch, sondern auch geschäftlich profitierte.

Und was gibt es zu hören in dieser Musikausstellung? Über Tablet und Kopfhörer lässt sich in etliche Bach-Werke hineinlauschen. Dem Originalklang seiner Zeit kommt wahrscheinlich die Flötenuhr am nächsten, die das interessanteste Stück dieser Schau ist. Diese per Stiftwalze „programmierte“ Mini-Orgel war einst in einer Uhr eingebaut. Sie soll zeigen, dass Bach damals auch für mechanische Instrumente schrieb. Wahrscheinlich war das für ihn aber nicht mehr als ein interessantes Experiment. Er selbst begriff seine Kunst als das Gegenteil mechanischer Wiedergabe. „Mich deucht“, sagte er, die Musik müsse romantisch das Herz rühren“.

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