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Theater in der Prignitz : In fast jeder Hinsicht „Vogelfrei“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Prignitzer Frauen fanden sich vor vier Jahren zu einer festen Gruppe zusammen / Vielfältiges Repertoire aus diversen Genres

von
erstellt am 03.Feb.2015 | 11:13 Uhr

Das Wort „vielschichtig“ ist im Zusammenhang mit dem Prignitzer „Theater Vogelfrei“ beinah noch untertrieben. Egal, ob klassisches Theater oder reine Improvisation, musikalische Stücke, Märchen oder jegliche andere Performance – in jedem Metier ist die Gruppe um die Pritzwalkerin Chady Seubert und die Plattenburgerin Daniela Dörfel zu Hause. „Wir sind, wie unser Name bereits sagt, absolut frei: ohne Fördergelder, ohne festen Auftrittsort und ohne genaue Festlegung auf ein bestimmtes Genre“, erzählt Chady Seubert und ergänzt lächelnd: „Nur nicht im mittelalterlichen Sinne vogelfrei“.

Vor etwa vier Jahren war es, da gründeten die beiden mit drei anderen Frauen zusammen das „Theater Vogelfrei“. „Wir kannten uns alle schon viel länger, wollten jedoch eine professionelle Plattform und auch eine Internetpräsenz, deshalb kam es zur Gründung“, schildert Daniela Dörfel die Anfangsgeschichte. Und seit dem ist einiges passiert. In vielen Städten in der West- und Ostprignitz ist die Gruppe seit dem regelmäßig zu Gast. „Wir machen Theater aus dem Koffer. Alles, was wir brauchen, passt in einen Pkw-Kofferraum“, so Dörfel. Dieses reduzierte Bühnenbild ist dabei alles andere als hinderlich. „So können die Zuschauer ihre eigenen Bilder entwickeln, und wir sind immer in direkter Kommunikation mit dem Publikum“, ergänzt Saubert. So besteht auch immer mal wieder die Möglichkeit, in eher unkonventionellen Räumlichkeiten aufzutreten.

So sind die beiden aktuell mit drei Stücken für ein jüngeres Publikum unterwegs. „Mit dem Kinderprogramm waren wir jetzt in Pritzwalk, sind aber auch bald noch in Neuruppin oder Wittenberge“, so Seubert. An immer zwei Tagen hintereinander spielen sie ihre drei selbst kreierten Nummern.

Eine Botschaft fehlt hierbei nur selten. Das Stück „Die Kinderbrücke“ behandelt zum Beispiel das Thema häusliche Gewalt. „Wir zeigen hier, wie es den Kindern geht, wenn sich Erwachsene streiten und es auch zu Gewalt kommt. Eltern vergessen oft, dass Kinder Frieden wollen und sie es sind, die die Brücken bauen müssen“, verdeutlicht Dörfel.

Doch an welchem Ort und womit sie auch auftreten, Zuspruch schlägt ihnen immer entgegen. „Wir merken, dass die Leute derzeit ein Bedürfnis nach Kultur haben. Egal, ob wir mit der Weihnachtsgans Auguste im Kultur- und Festspielhaus in Wittenberge auftreten oder mit dem Krimidinner unterwegs sind“, so Seubert. Zwar sind die Mitglieder des Theaters immer in verschiedenen Konstellationen mit ihren Geschichten unterwegs, doch hat sich das Duo Seubert/Dörfel hierbei beinahe als feste Partnerschaft herauskristallisiert.

Als einzige professionelle Mitglieder, könnte ihr Werdegang jedoch nicht unterschiedlicher sein. So studierte Daniela Dörfel Biologie, hatte allerdings schon immer eine Vorliebe für die Schauspielerei. „Ich wollte eigentlich nie viel auswendig lernen und habe mich deshalb gegen das Theaterstudium entschieden. Leider war es im Fach Biologie auch nicht viel weniger“, erzählt sie lächelnd. „Ich habe dann Tanztheater ohne Text gemacht und irgendwann Chady auf der Bühne erlebt. Seit dem arbeiten wir zusammen und nun singe ich sogar“, so Dörfel. Ganz anders der Lebensweg ihrer Partnerin.

„Ich bin vor über 20 Jahren in der Prignitz gelandet, war schon immer Schauspielerin und kann auch gar nicht anders“, formuliert Seubert ihre Leidenschaft. Gemeinsam mit ihren übrigen Vogelfrei-Kolleginnen sind sie nun immer auf der Suche nach Ideen für neue Projekte. „Dann treffen wir uns immer irgendwo zwischen Wittenberge und Barenthin und proben auch einmal bei den Mitgliedern zu Hause“, erzählen die beiden. Damit das Theater auch in Zukunft vogelfrei und vor allem vielschichtig bleibe.

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