zur Navigation springen

Studio Babelsberg : Hollywood schwärmt von uns

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Carl Woebcken, Vorstandsvorsitzender von Studio Babelsberg, über das Geheimnis der Potsdamer Filmstudios

Mit neun Nominierungen gehört der in Potsdam und Görlitz gedrehte Film „Grand Budapest Hotel“ zu den Favoriten für die diesjährigen Oscars. Der Preis wäre auch für Studio Babelsberg eine Auszeichnung:  Die Potsdamer sind Koproduzent der schrägen Komödie von Wes Anderson. Regisseur Wim Wenders kennt das über 100 Jahre alte Filmstudio gut. Mit seiner Dokumentation „Das Salz der Erde“ über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado ist auch er im Oscar-Rennen.

Dabei lastet auf der Branche ein großer Druck, sagt Carl Woebcken, einer der beiden Chefs von Studio Babelsberg, im Interview mit Marion van der Kraats, dpa.

Was macht das Filmgeschäft so schwer in Deutschland?

In Deutschland hat man vielleicht etwas zu lange im eigenen Saft geschmort. Das internationale Produktionssystem hat sich durch die Globalisierung stark geändert. Deutschland ist immer sehr stark von deutschen Produzenten vertreten, die in Deutschland für Deutschland gedreht haben. Es ging darum, einen möglichst hohen Anteil deutscher Beiträge im Kino zu haben und nicht um die Frage, ob man Kulturexport betreibt. Inzwischen setzt sich ein Großteil der internationalen Produktionen mit unserer schwierigen deutschen Geschichte auseinander. Da ist die Frage, ob wir dies eigentlich komplett dem Ausland überlassen wollen.

Wir haben zum Beispiel beobachtet, dass in China Studenten gerade Filme wie „Der Vorleser“ oder „Operation Walküre“ nehmen, um Englisch oder Deutsch zu lernen.

 Sie fordern seit langem ein zuverlässiges Fördersystem in Deutschland, das beispielsweise mit England konkurrieren kann.

Hätten wir ein Fördersystem wie in England würden auch die Bavaria Studios in München oder die MMC Studios Köln profitieren und in internationale Filmproduktionen investieren.

Es klingt paradox, aber Sie wünschen sich Konkurrenz im eigenen Land. Warum?

Es sollte doch im Sinne aller sein, eine starke nachhaltige Filmindustrie im ganzen Land aufzubauen, die Jobs schafft und filmtechnisches Know-how aufbaut. Im Moment sind wir die einzige Produktionsplattform, wo vier große internationale Produktionen gleichzeitig entstehen können. In England gibt es fünf solcher Standorte, in Ungarn drei. Die sind alle ausgelastet. Da finden Investitionen in Millionenhöhe statt. Bei uns ist es dagegen schwierig, einen Standort am Leben zu halten. Das hat etwas mit dem schlechten Investitionsklima zu tun.

Wie hat es Babelsberg geschafft, im internationalen Geschäft mitzumischen?

Es hat sich in Hollywood rumgesprochen, dass wir genug Fachkräfte vor Ort haben und dass komplett in englischer Sprache produziert werden kann. Die Crew, die aus dem Heimatland mitkommt, kann entsprechend klein sein. Da sind wir im Vorteil gegenüber osteuropäische Ländern. Es gibt Kostenpositionen, die man bei uns einsparen kann, obwohl wir ein Hochlohnland sind. Außerdem haben wir mit unserer Tochter Motion Picture ein Unternehmen, das die gesamte Betreuung der Produktion übernimmt. Es ist in der Lage, große Crews binnen kurzer Zeit zusammenzustellen.

Hinzu kommt unsere Ausstattungskunst. Wir sind sehr stolz auf unseren Dekorations- und Kulissenbau. Bei uns arbeiten Tischler, Schreiner, Stuckateure, Bildhauer, Kunstmaler, Schlosser, die ihr Handwerk perfekt beherrschen. Jeder Regisseur und Produktionsdesigner aus Hollywood, der mit uns arbeitet, sagt, dass diese die besten der Welt seien.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen