Kloster Neuzelle : „Himmlisches Theater“ unter Tage

Die Restauratorin Mechthild Noll-Minor vom Landesamt für Denkmalpflege im Bühnenbild „Garten mit Judaskuss“ aus der Passionsdarstellung.
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Die Restauratorin Mechthild Noll-Minor vom Landesamt für Denkmalpflege im Bühnenbild „Garten mit Judaskuss“ aus der Passionsdarstellung.

Es spielt sich unterirdisch ab und ist nicht so richtig irdisch: Im Kloster Neuzelle können Besucher jetzt ein Theater der anderen Art erleben

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17. März 2015, 11:15 Uhr

Der barocke Klosterhof in Neuzelle (Oder-Spree) sieht auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich aus. Und doch versteckt sich künftig eine Rarität in dem einstigen Zisterzienserkloster. Mehr als 250 Jahre alte übermannshohe Darstellungen zur Leidensgeschichte von Jesus sind dort zu sehen - in einem Museum, das eigens dafür gebaut wurde. Der unterirdische Neubau im Hang wird am Freitag offiziell eröffnet. Er beherbergt ein „Himmlisches Theater“.

„In dem erhaltenen Umfang ist es europaweit einzigartig“, sagt Restauratorin Mechthild Noll-Minor vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Museum. Die bis zu sechs Meter hohen bemalten Leinwände und Holztafeln stammen aus der Zeit um 1750. Es handelt sich um 2 von 15 Szenen der Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab.

Mit einem Heiligen Grab wird in der vorösterlichen Zeit in Kirchen an den Leidensweg Jesu erinnert. Seine Grabstätte in Jerusalem wurde in den Heimatländern der Pilger nachgestaltet, wie die Stiftung Stift Neuzelle berichtete. Es gab Heilige Gräber als begehbaren Nachbau, als Form eines verkleinerten Abbilds, als Truhe, Kasten oder Sarkophag. Zum Kloster Neuzelle gehört ein Kulissentheater: fünf Bühnenbilder aus 240 Einzelteilen, von denen 220 erhalten sind.

„Wir wissen nicht, wo die Bilder entstanden sind, wann und wie oft sie aufgebaut wurden“, sagt Walter Ederer, Kulturmanager der Stiftung. Bekannt sei aber, dass der Bilderzyklus für das Kloster gebaut und eine Szene letztmalig 1863 in der Josephskapelle der Kirche zu sehen war. Danach verschwanden die bemalten Leinwände und Holztafeln, die teils mit Figurengruppen bemalt sind. „Sie waren eingelagert und gerieten in Vergessenheit.“ Bereits zu DDR-Zeiten habe es Versuche gegeben, einzelne Teile zu restaurieren.

1997 wurden die Tafeln geborgen, inventarisiert und dokumentiert. „Es reifte die Idee, die Theaterkulissen auch öffentlich zu zeigen.“ Für rund eine Million Euro entstand der Museumsneubau. Im Vorraum können sich Besucher an Stationen zur Geschichte des Heiligen Grabes, zu Volksfrömmigkeit und den Restaurierungsarbeiten informieren. Die Haupttexte sind dreisprachig.

Vom früheren Kutschstallgebäude geht es leicht abschüssig in einen hohen, abgedunkelten Raum - den Neubau. Dort steht rechts und links je eine Szene: Judaskuss und Kreuztragung. Die Leinwände und Holztafeln sind an stabilen Metallgerüsten befestigt und hintereinander aufgestellt, die Kulissen wirken in die Tiefe. Unterschiedliche Farbigkeit weist auf unterschiedliche Künstler hin. „Die Darstellungen wurden niemals übermalt, es handelt sich um den barocken Bestand“, erklärt Restauratorin Noll-Minor die Besonderheit des Kunstschatzes. Leinwände seien allerdings ausgebessert, Holzrahmen repariert worden.

Ein Drittel des Bestandes ist restauriert, wie Ederer berichtet. Die anderen Bilder seien inventarisiert, von giftigem Holzschutzmittel befreit und notgesichert im Depot. „Der Bestand ist für die nächsten 100 Jahre gesichert. Das ist ein Erfolg.“ Die Stiftung sei interessiert, weitere Szenen zu restaurieren. „Wir wissen jetzt, wie es geht“, sagt er mit Verweis auf die Fachleute vom Landesamt. Perspektivisch gesehen, könnten dann die Szenen abwechselnd ausgestellt werden. Die Restaurierung einer Szene kostet rund 300 000 Euro.

Das Kloster Neuzelle, das bereits ein Museum im Kreuzgang beherbergt, rechnet künftig mit rund 30 000 Besuchern für beide Museen pro Jahr. Das „Himmlische Theater“ sei ein Anreiz für Gäste, auch im Winter vorbeizukommen, meint Ederer. Erfahrungen mit der Ausstellung von Fastentüchern im sächsischen Zittau zeigten, dass es funktioniere.

Für das Publikum ist das neue Museum von diesem Samstag an geöffnet. Gefeiert wird zwei Tage lang, mit Licht- und Toninstallationen, Konzerten und Passionsandachten.

Nach Angaben der Stiftung wurden seit 1993 mehr als 50 Millionen Euro in die Klosteranlage im Südosten Brandenburgs investiert, darunter Landes-, EU-Mittel und Sponsorengelder, so von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Oder-Spree. Die nächsten Vorhaben: Der historische Garten soll wiederentstehen und das Kanzleigebäude sowie die Klostermühle im Ort saniert werden.

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