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Autor und Pflanzenliebhaber : „Gärtnern ist gar nicht spießig“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wladimir Kaminer stöbert auf dem Berliner Staudenmarkt nach Pflanzen für seinen brandenburgischen Garten

svz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 14:44 Uhr

Seit er in der Nähe von Neuruppin seinen Traumgarten gefunden hat, bekennt sich Wladimir Kaminer als Blumenliebhaber. Nun hat der Bestseller-Autor sogar die Schirmherrschaft für den Berliner Staudenmarkt übernommen.

Als Wladimir Kaminer mit seiner Frau das erste Mal den Staudenmarkt besuchte, war er nicht nur von den Pflanzen, sondern vielmehr von den Menschen überrascht. „So viele so ganz unterschiedliche Leute hatte ich nicht erwartet“, gesteht der Schriftsteller. „Ich dachte, das Gärtnern wäre nur etwas für Menschen in gehobenem Alter, die sonst nicht viel zu tun haben.“ Doch das Publikum im Botanischen Garten passte nicht in dieses Klischee. „Gärtnern ist alles andere als spießig, sondern liegt total im Trend“, weiß der Autor von „Russendisko“ heute. Seine ersten Erfahrungen mit den Vorschriften des Bundeskleingartengesetzes und übereifrigen Nachbarn hat er in einer Gartenkolonie in Prenzlauer Berg gesammelt, die amüsantesten Erlebnisse in dem Buch „Mein Leben im Schrebergarten” verewigt.

Seit vier Jahren entspannt der 1967 in Moskau geborene Schriftsteller nun mit seiner Familie in einem großen Garten bei Neuruppin, in dem er der Vegetation freien Lauf lassen kann. Seinem Brandenburger Paradies hat er das Buch „Diesseits von Eden: Neues aus dem Garten“ gewidmet. In Alt Ruppin, einem Ortsteil von Neuruppin, seien derzeit auch die unglaublichsten Steinpilze zu finden, verrät Kaminer, der gerade von einem Dreh für einen Gartenfilm aus dem polnischen Landschaftspark Arkadia zurückgekehrt ist.

Damit sein eigenes kleines Paradies weiter anwächst, besuchte er Anfang September den Berliner Staudenmarkt, für den er jüngst die Schirmherrschaft übernommen hat. Was 1999 als herbstliche Pflanzenbörse mit 50 Ausstellern in Dahlem begann, hat sich inzwischen zu einem der angesehensten Pflanzenmärkte in Deutschland entwickelt. Jedes Jahr strömen im April und im September mehr als 35 000 Besucher auf den Markt mit seinen rund 130 Ständen.

„Der Herbst ist die beste Pflanzzeit für die meisten winterharten Stauden – jetzt wurzeln sie noch vor dem Frost in die Tiefe und entfalten im nächsten Jahr ihre ganze Kraft“, erklärt Clara Luckmann vom Organisationsteam. Viele Anbieter zögen ihre Pflanzen im Freiland statt im beheizten Gewächshaus und böten damit besonders robuste Stauden an. „So überstehen Pfingstrosen, Hibiskus und Funkien auch eisige Winter im Garten.“

Neben den rund 80 Spezialgärtnereien und Baumschulen hatten die Veranstalter auch wieder Neulinge mit ins Boot holen können. Zum Beispiel den Schneeglöckchensammler Ernst Gruber aus Bernau.

Wladimir Kaminer sagt: „Pflanzen sind das einzig Beständige in unserer Welt, die sich stets verändert. Ich finde es toll, wenn Menschen die Verantwortung für ein kleines Stück Erde übernehmen.“

Kaminers Bücher sind im Manhatten Verlag/Random House erschienen. Am 15. Oktober ist er mit seinem Programm „Coole Eltern leben länger“ im Kultur- und Festspielhaus Wittenberge zu sehen.

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