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„Gott gebe das es mihr Wolgehe“ : Flaschenpost von 1892 entdeckt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Post kommt an. Früher oder später bestimmt. So auch die Flaschenpost, die der Kiehnwerderaner Landwirt August Höhne am 5. Mai 1892 an seine Nachfahren unter der damals frisch verlegten Dielung verlegt hat.

Post kommt an. Früher oder später bestimmt. So auch die Flaschenpost, die der Kiehnwerderaner Landwirt August Höhne am 5. Mai 1892 an seine Nachfahren unter der damals frisch verlegten Dielung verlegt hat. Sein Wunsch freilich war etwas eigennützig: „Gott gebe das es mihr Wolgehe“.

Gerd Seene und Dirk März stauten nicht schlecht, als sie beim Abriss eines verfallenen Bauernhäuschens in Kiehnwerder auf eine gut verkorkte blaue Glasflasche stießen. Sie hatten die morschen Dielenbohlen herausgerissen, da kam sie zum Vorschein. Bei näherem Anblick stellte sich heraus, dass die Flasche eigentlich farblos war und lediglich mit Farbe blau gestrichen wurde. Ein vergilbtes Zettelchen fand sich darin, als die Flasche beim Versuch, sie zu entkorken, zerbrach.

Mit der Schrift konnten die beiden Kiehnwerderaner allerdings nichts anfangen. Es handelt sich um einen Mix jener Schriftzeichen, wie sie zur Jahrhundertwende auf dem Lande benutzt wurden. So baten sie Reinhold Scholz, pensionierter Lehrer und leidenschaftlicher Heimatkundler, das Blatt zu entziffern.

Er muss eine romantische Ader gehabt haben, der Oderbruchbauer, der vor 122 Jahre die neue Dielung seines wahrscheinlich älteren Häuschens zum Anlass nahm, um die Flaschenpost zu verstecken. Zugleich muss der Mann auch über einen gewissen Realismus verfügt haben. Denn ein einfacher Zettel hätte in einer Zigarrenschachtel die Zeiten von Krieg und Hochwassern nicht überstanden, die in der Folge das Oderbruchdörfchen heimsuchen sollten. Seinerzeit hat man das Dorf noch ohne h geschrieben.

In seiner Flaschenpost schreibt Höhne: „Andenken An die Diehlung, Bauher August Höhne, Angeferticht vom Tischler Meister Hermann Meissner auß Kinet, Julius Dumkow aus Arnzwalde, Anwesend Waren Meine Mutter, meine Nichte Friedericke Nühse, Ida Höhne. Gott gebe das es mihr Wolgehe.“ Dieser Text ist in einer Schrift verfasst, die Kiehnwerders Altlehrer Reinhold Scholz doch vor einige Probleme stellte.

„In diesem Schreiben wurden verschiedene Schriftzeichen für gleiche Buchstaben verwendet. Es gibt es einige Zeichen, die gar nicht zu dieser Schriftart gehörten“, konstatierte er.

Die Nachrichten von 1892 werden ebenso wie die Überbleibsel der Flasche, die am Hals den Schriftzug „G Barnitzke“ trägt, bald ihren Platz in der Ortschronik von Kiehnwerder und in den Sammlungen der Heimatstauben Haus Birkenweg bekommen. Allein die Flasche, die an den Wriezener Brauer Gustav Barnitzke erinnert, ist Zeugnis einer Epoche wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland, erinnert an die Gründerzeit, in der der Wohlstand wuchs und dazu führte, dass sich auch ein kleiner Landwirt oder Landarbeiter eine Dielung leisten konnte. Üblich war Kiesboden.

Interessant ist an der Flaschenpost auch der Hinweis auf die weitreichenden geschäftlichen Beziehungen der Handwerksfirmen. Denn der Meister aus Arnswalde war immerhin von der pommerschen Grenze ins Oderbruch gekommen.

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