Sanierung Potsdamer Schlösser : Es fehlt noch eine Milliarde Euro

Der Generaldirektor der Stiftung Hartmut Dorgerloh.
Der Generaldirektor der Stiftung Hartmut Dorgerloh.

Generaldirektor der Stiftung Schlösser und Gärten baut auf einen zweiten Zehn-Jahresplan ab 2017

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30. Juli 2015, 17:49 Uhr

In den vergangenen Jahren wurden in und um Potsdams Schlösser viel gebaut. Ulrich Thiessen fragte den Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Hartmut Dorgerloh, nach der bisherigen Bilanz und nach den Sorgenkindern, die noch auf eine Rettung warten.

Herr Dorgerloh, im Jahr 2007 ist der erste Masterplan im Umfang von 155 Millionen Euro aufgelegt worden. Wird die Summe bis zum Ablauf 2017 verbaut sein?
Wir sind richtig gut im Zeit- und Kostenplan. Bis 2017 ist das Geld ausgegeben. In diesem Jahr investieren wir über 30 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm in die Masterplanprojekte. Damit fließt seit Gründung der Stiftung die größte Summe in den Abbau des Investitionsstaus. In den beiden kommenden Jahren sind die Summen ähnlich hoch. Wir gehen von einer Punktlandung aus.

Ein Bauherr, zumal bei älteren Gemäuern, stöhnt in der Regel über unliebsame Überraschungen. Was hat die Stiftung in den vergangenen Jahren da ereilt?
Im Schloss Cecilienhof hätten wir größere statische Probleme erwarten können und waren positiv überrascht, dass das 100 Jahre alte Fachwerk besser hält als erwartet. Unangenehme Überraschungen gab es hingegen am Sockelgeschoss des Neuen Palais in Sanssouci. Dort ließen sich viele Sandsteinplatten des Umgangs schlecht lösen, weil sie in einem sehr harten Zement verlegt waren und beim Herausnehmen zerbrachen. Der größte Unsicherheitsfaktor war allerdings der Zustand der Deckenbalken zwischen Grottensaal und Marmorsaal im Neuen Palais. Dort wussten wir nicht, was uns erwartet. Ich bin sehr froh, dass wir den Grottensaal jetzt eröffnen können, der Marmorsaal folgt nächstes Jahr.

2017 läuft der Masterplan aus. Ab kommendem Jahr wird mit dem Bund, Berlin und Brandenburg über ein weiteres Investitionsprogramm verhandelt. Wie viel Geld erhoffen Sie sich?
Wir haben noch einen Sanierungsbedarf von rund einer Milliarde Euro. Vor zehn Jahren hatten wir einen Gesamtbedarf von 760 Millionen Euro ermittelt. Inzwischen ist eine Schadensprogression an den Häusern festzustellen, an denen wir nichts machen konnten wie etwa an den Römischen Bädern oder am Schloss auf der Pfaueninsel. Hinzu kommt die Baupreisentwicklung. Natürlich wird diese Milliarde auch in einem zweiten Sonderinvestitionsprogramm nicht in Gänze abzuarbeiten sein. Aber um nach weiteren zehn Jahren sagen zu können, dass die preußischen Residenzen strukturell wieder gesund sind, brauchen wir mindestens eine Verdoppelung der Summe des ersten Sonderinvestitionsprogramms. Anschließend können wir uns stärker den Pflegeaufgaben oder weiteren Restaurierungen widmen.

Der Tourist sieht in den Parks und Schlössern eine ziemlich heile Welt. Wo sind die Sorgenkinder, die weitere dreistellige Millionenbeträge erfordern?
Das beginnt gleich am Parkeingang mit dem Komplex rund um die Friedenskirche und geht dahinter mit dem Parkgraben weiter, der seit über 35 Jahren nicht entschlammt wurde. Da muss in Sachen Wasserbau einiges getan werden. Am Orangerie-Schloss sind wir nur mit einem Teil der Hülle fertig. Das Neue Palais bleibt eine wichtige Aufgabe. Da ist erst ein Drittel des Daches saniert. Und so könnte ich auch durch andere Anlagen wie Charlottenburg gehen.

Muss alles unbedingt so aussehen wie zur Entstehungszeit, kann man manches nicht in Würde altern lassen?
Wir verfolgen nicht das Ziel, alles so aussehen zu lassen wie zur Entstehungszeit. Aber wir wollen die noch vorhandene Substanz für die nächste Generation erhalten – große Teile sind ja auch Welterbe. So charmant ein Verfallszustand auch aussehen mag, ab einem gewissen Punkt wird es zum Verlust. Das müssen wir verhindern. Wir haben in den vergangenen 25 Jahren vieles retten können, einiges quasi in letzter Minute wie die Belvederes auf dem Pfingstberg und auf dem Klausberg. Wir haben aber andererseits auch wichtige Denkmale wie die Meierei in Sanssouci oder den Marstall in Babelsberg, die seit Jahren leer stehen und notgesichert sind. Sie sind sozusagen in einer stabilen Seitenlage. Aber irgendwann müssen sie versorgt werden. Diese einzigartige Residenzlandschaft besteht eben nicht nur aus den großen Schlössern, sondern vielen Bauten in den Parks. Sie im Ensemble zu erhalten, bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe.

Der Rechnungshof hat die Stiftung geprüft und kommt zu dem Schluss, dass nicht genügend Geld für die bauliche Instandhaltung vorhanden ist. Wie viel Geld fehlt?
Es ist allen bewusst, dass nach den großen Investitionen auch mehr Geld für die dauerhafte Pflege zur Verfügung stehen muss, sonst wiederholen wir die Fehler der Vergangenheit. Die Kritik des Rechnungshofes ist richtig und hoffentlich auch hilfreich, wenn mit den drei Geldgebern über den Stammhaushalt der Stiftung geredet werden muss.

Wie hoch sind die Summen?
Wir brauchen zusätzlich einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag, um eine nachhaltige Bewahrung der Anlagen und eine Verbesserung der Situation zu erwirken. Aber eben nicht einmalig, sondern jedes Jahr.
 

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