Schlagabtausch vor dem Landgericht : Ein Schloss, ein Dorf, ein Streit

Grau in grau: In das Schloss Kossenblatt wurde in den vergangenen Jahren nicht investiert. Schon Theodor Fontane beschrieb den Bau und das Inventar in seinem Werk „Wanderung durch die Mark Brandenburg“ wenig schmeichelhaft.
Grau in grau: In das Schloss Kossenblatt wurde in den vergangenen Jahren nicht investiert. Schon Theodor Fontane beschrieb den Bau und das Inventar in seinem Werk „Wanderung durch die Mark Brandenburg“ wenig schmeichelhaft.

Eine Bildungseinrichtung für ausländische Ärzte sollte an diesem idyllischen Platz entstehen. Aber auch ein Museum und ein Hospiz geisterten in den Köpfen der Eigentümer herum.

svz.de von
14. Februar 2014, 12:44 Uhr

Vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) kommt es zu einem kleinen Schlagabtausch. Geschäftsführerin Angela Schulenberg legt dem Vorsitzenden Richter einige Fotos vor. „Hier, die Zufahrt ist geschlossen“, sagt Schulenberg selbstbewusst. „Aber das können Sie doch selbst gemacht haben“, geht Rechtsanwalt Ansgar Roeder zum Angriff über. „Wie denn?“, fragt die Klägerin. Mit einem elektronischen Türöffner, in dessen Besitz die GmbH von Frau Schulenberg sei, erwiderte der Anwalt. Sie zuckt mit den Schultern. Von solch einem Gerät wisse sie nichts.

Für das Schloss Kossenblatt gab es einst so viele Pläne. Eine Bildungseinrichtung für ausländische Ärzte sollte an diesem idyllischen Platz entstehen. Aber auch ein Museum und ein Hospiz geisterten in den Köpfen der Eigentümer herum. Inzwischen sind alle Ideen futsch, die Euphorie ist verflogen. Dem Aufbruch folgten Zank und Streit – seitdem die Gemeinde Tauche die historisch nicht unbedeutende Immobilie im Februar 2011 an die „Schloss Kossenblatt GmbH“ verkauft hat. Preis: 240 000 Euro.

Das Geld will die Gesellschaft inzwischen wieder haben und pocht auf eine Rückabwicklung des Kaufvertrags. Der Vorwurf an die Gemeinde lautet: Der Zugang zum Schloss ist durch mehrere Tore versperrt. Bei zwei Visiten habe man vor verschlossenen Türen gestanden, versichert Angela Schulenberg dem Vorsitzenden Richter mit viel Empörung in der Stimme. Und auch zwei Handwerker, die die Heizung warten wollten, mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Verantwortlich für die unerwünschte Sicherung des Schlosses sei ein Nachbar, auf dessen Gelände die Zufahrt zum Schloss verläuft. Angela Schulenberg erklärt vor Gericht, sie habe den Mann angerufen: „Aber der hat nur dumme Bemerkungen gemacht und den Hörer aufgelegt.“ Die Gemeinde Tauche ist sich sicher, alles Menschenmögliche getan zu haben, um den neuen Eigentümern den Zugang zum Schloss offenzuhalten. „Es gab Absprachen mit dem Nachbarn“, erklärt Rechtsanwalt Ansgar Roeder. Dem Mann habe man auch deutlich gemacht, dass ihm Sanktionen drohen, wenn er den Weg versperre. Die Ansagen der Gemeinde wären sehr drastisch gewesen, versichert der Anwalt. „Bis hin zu einer Enteignung!“ Seiher habe es keine Probleme gegeben.

Aber es existieren auch mehrere E-Mails des Nachbarn, die einen ganz anderen Schluss zulassen könnten. Der Vorsitzende Richter zitiert daraus. Demnach schrieb der Nachbar an die Gemeinde, er wolle die Tore in den nächsten Monaten „vorerst“ für Anlieger offen lassen. Die Besitzer des Schlosses wären damit von seinem Willen abhängig gewesen, erklärt der Vorsitzende. Solch eine Willkür sei nicht akzeptabel.

Eine gütliche Einigung kommt gestern vor Gericht nicht zu Stande. Jetzt hat die Gemeinde zwei Wochen Zeit, dem Vorsitzenden Richter glaubhafte Beweise vorzulegen, dass die Zufahrt zum Schloss offen stand. Als Zeuge soll der Nachbar gehört werden. Er ist übrigens inzwischen nicht mehr Eigentümer der Zufahrt. Die Gemeinde hat die Besitzverhältnisse neu geordnet. Was den Vorsitzenden Richter zu einem letzten Vorstoß bewegt: „Haben Sie denn noch Interesse an der Nutzung des Grundbesitzes“, fragt er bei Angela Schulenberg nach. Die Geschäftsführerin schüttelt heftig mit dem Kopf. Für Rechtsanwalt Ansgar Roeder ein eindeutiges Zeichen: „Ihre Pläne haben sich nicht erfüllt, deshalb wollen Sie das Schloss wie auch immer loswerden.“ Aber was passiert, wenn die Gemeinde Tauche das Schloss für den stattlichen Preis von 240 000 Euro zurückkaufen muss? Bürgermeister Gerd Mai hebt die Schultern. Geld gebe es dafür jedenfalls nicht. Am 20. März fällt das Gericht eine Entscheidung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen