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Fast fertig : Ein ganzes Museum erinnert an eine Keramik-Künstlerin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ausstellung zu Hedwig Bollhagen wenige Meter neben dem Ofen- und Keramikmuseum in Oberhavel

svz.de von
erstellt am 22.Sep.2014 | 07:52 Uhr

An die Keramik-Künstlerin Hedwig Bollhagen (1907-2001) erinnert künftig in Brandenburg ein eigenes Museum. Die Stadt Velten übergibt ein saniertes ehemaliges Fabrikgebäude an den Förderverein Ofen- und Keramikmuseum Velten als Museumsbetreiber, wie das Kulturministerium mitteilte. Außerdem erhielt das Gebäude einen modernen Anbau.

In den kommenden Monaten ziehen in die etwa 200 Quadratmeter großen Ausstellungsräume die Exponate ein, die das Leben der Künstlerin illustrieren, sagte Museums-Leiterin Nicole Seydewitz. Etwa 5000 Stücke aus ihrem Nachlass, bislang noch nie in dieser Form gezeigt, sind dann zu sehen. Dazu kommen Fotos und andere Erinnerungsstücke. Die Eröffnung des Museums ist im Frühjahr 2015 geplant, wie Seydewitz sagte. „Wir müssen viele Kisten auspacken.“

Bollhagen schuf Zeit ihres Lebens einfache und formschöne Gegenstände, meist für den täglichen Gebrauch. Ihre bevorzugten Farbkombinationen waren schwarz-grün und blau-weiß. Zu DDR-Zeiten war das Geschirr über den Ladentisch nur sehr schwer erhältlich. Der Nachlass gehört der Hedwig-Bollhagen-Stiftung, eine Treuhandstiftung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Bollhagen lebte und arbeitete im zwei Kilometer von Velten entfernten Marwitz. Heute sind dort die HB-Werkstätten für Keramik, die der Tradition der Künstlerin folgen. Zu DDR-Zeiten wurde ihr Betrieb verstaatlicht. 1992 begann die damals 85-Jährige nach der Privatisierung noch einmal als „Jungunternehmerin“.

Die Erinnerungsstätte an die Künstlerin befindet sich nur wenige Meter vom Ofen- und Keramikmuseum Velten entfernt. Dort werden auf etwa 1600 Quadratmetern Öfen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert gezeigt. Dazu sind mehr als 4000 Kacheln zu bewundern. Das Haus informiert über die Keramik- und Ofenproduktion in der Region. Um 1900 produzierten hier etwa 40 Fabriken Öfen und Kacheln. Der Bedarf vor allem im nahen Berlin war sehr groß: Für etwa 100 000 Öfen pro Jahr wurden zum Anfang des Jahrhunderts Kacheln benötigt. Mit dem Einzug moderner Heizungen begann der Niedergang der Branche.

Die Museen werden sich nicht ins Gehege kommen, sagt Seydewitz, die beide Häuser leitet. Sie sollten Touristen anziehen und sich mit ihren unterschiedlichen Sammlungen inspirieren. Auch im Ofen- und Keramikmuseum gibt es etwa 500 Objekte von „HB“, die aber dort bleiben sollen.

Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums hat die Stadt Velten für das Museum rund 1,4 Millionen Euro erhalten. Etwa 835 000 Euro stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), bereitgestellt vom Land im Rahmen des Kommunalen Kulturinvestitionsprogramms. Der Landkreis steuerte etwa 540 000 Euro bei.

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