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Neuzelle : Ein einzigartiges Museum entsteht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das geplante neue Museum ist nicht sichtbar. Im einstigen Kloster Neuzelle in Ostbrandenburg verbirgt es sich in einem Berg. Es soll eine Ausstellung beherbergen, die für die Region so ungewöhnlich ist wie der Bau

Vom Frühjahr 2015 an sollen Szenen aus einer barocken Passionsdarstellung zu sehen sein, wie sie seit dem 16. Jahrhundert in Süddeutschland in Kirchen vor Ostern aufgestellt wurde. Es handelt sich um bis zu sieben Meter hohe Figuren, Figurengruppen und Kulissen dazu – in Europa einmalig.

Eigentlich sollte das Museum schon dieses Jahr die ersten Besucher anlocken. „Die Eröffnung des unterirdisch angelegten Gebäudes verzögert sich um ein Jahr, da es Probleme mit dem Bau gab“, sagt Walter Ederer, Kulturmanager der Stiftung Stift Neuzelle. „Bei den Bauarbeiten im Berg kam dieser teilweise ins Rutschen.“ Aufwendige Arbeiten waren die Folge. „Wir haben ein Jahr verloren.“ In dem Museum sollen Teile des sogenannten Heiligen Grabes ausgestellt werden. Die Passionsdarstellungen entstanden um 1750 und lagerten im Kloster.


„In ganz Europa unübertroffen“


Zum Heiligen Grab, auch Ostergrab genannt, gehören 240 Einzelstücke, von denen 229 erhalten sind. Es besteht aus 15 Szenen in fünf Bühnenbildern – ein monumentales Barocktheater. Diese katholische Tradition ist im protestantischen Brandenburg eine Besonderheit.

Das Heilige Grab von Neuzelle schuf der böhmische Maler Joseph Felix Seyfried um 1750. „Die Inszenierungen sind sehr komplex – das ist unübertroffen im europäischen Raum“, erklärt die Restauratorin Mechthild Noll-Minor vom Landesamt für Denkmalpflege, das einen Teil der großen Stellflächen und Leinwände restauriert. „Sie wurden nie übermalt und sind authentisch.“

Über eine einführende Ausstellung im Kutschstall gelangt der Besucher in das 300 Quadratmeter große Museum: ein einziger Raum ohne Fenster. Der Kutschstall ist Teil der barocken Klosteranlage unweit der polnischen Grenze. Er wird auch Internatsräume, eine Wohnung für den Pfarrer und Depots beherbergen, wie Ederer erläuterte. Das Gesamtprojekt kostet knapp neun Millionen Euro.

Das Museum bietet Platz, um zwei Szenen der Passionsdarstellung zu zeigen. Die restaurierten Tafeln werden in ihrer jeweils eigenen Theaterkulisse aufgebaut. „Das ist wie ein stummes Theater, das der Besucher betrachten kann“, erklärt Ederer. Gezeigt würden die Szene „Judaskuss“ aus dem Bühnenbild „Garten“ und die Szene „Kreuztragung“ aus dem Bühnenbild „Stadt“. Sie sollen Anfang September im Museum zur Probe aufgebaut werden, wie Noll-Minor ankündigte.

In Brandenburg gibt es rund 400 Museen. In den vergangenen Monaten erhielten einige von ihnen Anbauten oder neue Gebäude. Die Projekte müssten langfristig geplant werden, sagt Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Museumsverbandes Brandenburg. „Häufig sind die Vorhaben an EU-Mittel gebunden und kommen in Fluss, wenn diese zur Verfügung stehen.“ Als Beispiele nannte sie den Neubau für das Kleist-Museum Frankfurt (Oder), die Umwandlung des Agrarmuseums Wandlitz zum Barnim-Panorama und das Museum in Neuruppin.

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