Der Grottensaal : Die Wände voller Korallen

Für sein Neues Palais war dem „Alten Fritz“ nur das Beste gut genug.
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Für sein Neues Palais war dem „Alten Fritz“ nur das Beste gut genug.

Der „Alte Fritz“ wollte mit dem Protzbau ganz Europa beeindrucken, doch an einigen Stellen wurde gepfuscht.

svz.de von
21. Juli 2015, 08:00 Uhr

Der Grottensaal – eine der Hauptattraktionen im Neuen Palais in Potsdam-Sanssouci – öffnet heute nach mehrjähriger und millionenteurer Restaurierung. Der Saal ist vom Boden bis zur Decke mit Muscheln, Schneckenhäusern, Korallen und Glassteinen nahezu übersät und bietet einen atemberaubenden Anblick. Der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), Hartmut Dorgerloh, bezeichnete ihn als eine „ideale Verbindung von Architektur und Natur“. Grottensäle waren seit der Renaissance sehr beliebt bei Schlossherren: Der Potsdamer ist aufgrund der Ausstattung und der Dimension von 600 Quadratmetern aber außergewöhnlich.

Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) ließ das Neue Palais als Prachtschloss und als Symbol seiner Macht nach dem Siebenjährigen Krieg 1766 errichten. Insgesamt 970 Räume mit prächtigen Sälen, Galerien sowie dem barocken Schlosstheater entstanden in Rekordzeit. Dabei wurden Baumängel offensichtlich in Kauf genommen.

So erwies sich die Balkenkonstruktion des Grottensaales – direkt über dem Marmorsaal gelegen – als gefährlicher Schwachpunkt. Das Gesamtkunstwerk von etwa 600 Tonnen drohte nach Angaben der Stiftung auf die darunter liegende Etage herabzustürzen. Vor knapp 250 Jahren hatten Bauleute die tragenden Balken nicht ausreichend trocknen lassen. Da das Mauerwerk direkt auf den Balken lag, fehlte zudem eine ausreichende Belüftung.

Die Sanierung war äußerst schwierig: Die Restauratoren mussten in Präzisionsarbeit Balkenköpfe freilegen und erneuern. Für marode Holzteile gab es eine Art Prothese. Große Probleme gab es laut Dorgerloh auch mit leckenden Regenrinnen, die zu Wasserschäden im Gebäuden führten. Da Friedrich der Große keine Rinnen an den Fassaden wollte, seien diese nach Innen verlegt worden. Das habe zu Feuchtigkeitsproblemen geführt.


Fünf Millionen Euro Gesamtkosten


Insgesamt rund knapp fünf Millionen Euro fließen nach Angaben der Stiftung in die Sanierung des Grotten- und des Marmorsaales sowie der Holzbalkendecke. Die Mittel kommen aus einem Sonderinvestitionsprogramm, mit dem besonders schwer geschädigte Objekte gerettet der Stiftung in Berlin und Brandenburg werden sollen. Für die Umsetzung hat die Stiftung einen Masterplan aufgestellt. Von 2008 bis 2017 stehen 155 Millionen Euro bereit. Die Hälfte stammt vom Bund, den Rest teilen sich die Länder Brandenburg und Berlin.

Fast 300 Millionen Euro sind seit 1990 in Schlösser, historische Gebäude und Gartenanlagen der SPSG geflossen. Dringenden Sanierungsbedarf gibt es aber noch immer. Die rot-rote Landesregierung in Potsdam strebt daher Verhandlungen mit dem Bund und dem Land Berlin über ein weiteres Sonderinvestitionsprogramm an. Das sagte Kulturministerin Sabine Kunst (SPD) vor wenigen Wochen in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage.

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