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Flüchtlinge : Der schwere Weg des Zusammenlebens

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Warum brauchen Flüchtlinge ein Handy, fragt manch einer neidisch, wenn er sie nahe Unterkünften telefonieren sieht.

Warum brauchen Flüchtlinge ein Handy, fragt manch einer neidisch, wenn er sie nahe Unterkünften telefonieren sieht. Es sei oft die einzige Verbindung zur Außenwelt und zu den Familien, erklärt dann der 50-jährige Bio-Landwirt Stefan Palme aus der Uckermark. Man müsse die Flüchtlinge selbst erzählen lassen, dann gebe es mehr Verständnis füreinander, meint der Familienvater, der junge Syrer betreut.

Palme gehört zu den ehrenamtlichen Brandenburgern, die Flüchtlingen helfen. Für die Ausstellung „In Brandenburg willkommen? Karikaturen zu Flucht und Integration“ wurden zwölf dieser Helfer porträtiert. Die Landeszentrale für politische Bildung in Potsdam zeigt seit gestern die Schau mit den persönlichen Berichten und mit Karikaturen, berichtet Ausstellungsmacherin Martina Schellhorn. Aufgegriffen wird darin – mal nur schwarz-weiß, mal farbig und auch satirisch – die aktuelle Flüchtlingsdebatte.

Viel Raum nehmen die aktuellen Dramen ein, die sich derzeit im Mittelmeer abspielen. Auf einer Zeichnung etwa ist eine Strickleiter weit über den Wellen mutwillig durchtrennt. Die absehbar ertrinkenden Menschen können das Ende nicht mehr greifen. Auf einem anderem Blatt signalisiert ein geschlossener Schlagbaum, dass für Flüchtlinge in Europa kein Platz ist. Böse: Ein am Mittelmeer sich sonnendes Paar ruft seinen Hund von einer im Wasser treibenden Leiche mit einem „Pfui“ weg. Auch Stammtischparolen werden auf den Zeichnungen angeprangert: Ausländer haben gefälligst in Deutschland deutsche Lieder zu singen. Ein arabisches Paar sitzt ein wenig ratlos vor einem Radio.


Manche Probleme klingen banal


Viele der Arbeiten wurden schon veröffentlicht, andere entstanden erst in den vergangenen Wochen, sagt Schellhorn. Sie stammen von Barbara Henniger, Gerhard Mester, Burkhard Mohr, NEL, Heiko Sakurai und Klaus Stuttmann.

Brandenburg erwartet nach einer neuen Prognose des Bundesamtes für Migration dieses Jahr knapp 13  900 Asylanträge. Bislang war das Innenministerium von 9  200 Flüchtlingen ausgegangen. Im vergangenen Jahr gab es rund 6300 Antragsteller. Zusammenzufinden ist wichtig.

Nicht nur die unterschiedliche Sprache behindert die Verständigung, musste Kristina Wendt, Försterin und Ortsvorsteherin in Wolletz (Uckermark), erfahren. Aus dem Mund der Helferin klingen die Probleme fast banal, können das Zusammenleben in einem Dorf aber dennoch vergällen. Da geht es etwa um die richtige Mülltrennung, die nicht klappt, oder um gespendete Fahrräder, die angeblich abends nicht ordentlich weggeschlossen würden. „Ich gehe dann hin und kläre es“, sagt sie.

Der 39 Jahre alte syrische Flüchtling Marwan Osso aus Luckenwalde weiß selbst, dass er womöglich die Neiddebatte anheizt, weil er sogar zwei Handys hat. Er braucht sie aber, denn er hilft Landsleuten, die gerade in Deutschland angekommen sind, bei den ersten Schritten. Ein Handy ist für die deutschen Ämter, die ihn bei Problemen anrufen, das andere für seine Schützlinge.

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