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„brandenburgischen Pompeji“ : Der „Alte Fritz“ kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Standbüste von Friedrich II. steht fast etwas verschämt in einer Ecke – ein Seitenhieb der Ausstellungsmacher auf einen Herrscher, der die geringe Größe seines Körpers und seines Staates oft genug durch Ehrgeiz und Härte überspielte

Viele Kämpfe hat die heutige polnische Grenzstadt Kostrzyn – das einstige Küstrin – erlebt. Wegen ihrer strategischen Lage an Oder und Warthe wurde sie immer wieder zum Schauplatz der Geschichte. Im Frühjahr 1945 versank die Altstadt mit dem preußischen Schloss und vielen Bürgerhäusern in Schutt und Asche. Was blieb, war eine Stadt in Kniehöhe – nur mit den Straßenzügen und Grundmauern einiger Gebäude. Doch seit über einem Jahrzehnt macht sich die polnische Kommune um den Erhalt und Wiederaufbau des „brandenburgischen Pompeji“ verdient. Beileibe keine Selbstverständlichkeit, denn die einstigen Preußenkönige trieben die Teilung und Beherrschung Polens voran.

Inzwischen lädt der Kattewall oberhalb des Oderufers wieder zu beschaulichen Spaziergängen. Und im „Berliner Tor“ gleich hinter der Grenzbrücke befindet sich eine Besucherinformation. „An diesem Wochenende kommt aber endlich auch eine ständige Ausstellung hinzu“, freut sich Museumsleiter Ryszard Skalba. Dafür wurden die riesigen Keller der „Bastion Philipp“ im Südosten der Festung seit Jahren instand gesetzt. Hier befand sich schon ab 1929 ein „Kasematten-Museum“, in dem damals freilich vor allem historische Waffen gezeigt wurden.

Die neue Ausstellung setzt auf eine schlaglichtartige Beleuchtung wichtiger Geschichtsabschnitte. Ein riesiges Wandbild von der „Schlacht bei Zorndorf“ 1758 etwa stellt sich dem Besucher förmlich in den Weg. Dadurch gerät man inmitten des blutigen Kampfes zwischen der preußischen und der russischen Armee.

Das Original dieses Bildes malte der Pole Wojciech Kossak 1898 im Auftrag Kaiser Wilhelms II. für das Kasino des Potsdamer Gardecorps. „Für die Ausstellung haben wir mit zahlreichen deutschen Museen und Archiven zusammengearbeitet“, erläutert Skalba.

Auch die historischen Fotos der Altstadt, Reproduktionen von Postkarten und anderen Exponate sind überaus großflächig gestaltet und füllen das Kellergewölbe in voller Höhe. Um die Geschichte im wahrsten Sinne begreifbar zu machen, darf man viele Gegenstände anfassen. „Wir wollten kein typisches Regional- oder Militärmuseum schaffen, denn davon gibt es im Umkreis von 100 Kilometern schon einige“, sagt der Direktor.

Lediglich die Standbüste von Friedrich II. steht fast etwas verschämt in einer Ecke – ein Seitenhieb der Ausstellungsmacher auf einen Herrscher, der die geringe Größe seines Körpers und seines Staates oft genug durch Ehrgeiz und Härte überspielte.

Die mit EU-Förderung gestaltete Ausstellung wurde jetzt im Rahmen eines zweitägigen „Europäischen Picknicks“ eröffnet, das dem 10. Jahrestag von Polens EU-Mitgliedschaft gewidmet ist. Zunächst soll es dienstags bis freitags jeweils um 11 und 14 Uhr Führungen durch die Bastion geben. An den Wochenenden ist dagegen von 10 bis 16 Uhr durchgängig geöffnet.

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