Forschung : Dem Glanz auf der Spur

Der Eberswalder Golfdschatz befindet sich in Moskau. In Brandenburg ist nur eine Nachbildung zu sehen.
Der Eberswalder Golfdschatz befindet sich in Moskau. In Brandenburg ist nur eine Nachbildung zu sehen.

Ein Forschungsprojekt zum Eberswalder Goldschatz soll klären, woher das Gold stammt.

svz.de von
04. Juli 2014, 15:43 Uhr

Der bekannte österreichische Chemiker und Archäologe Ernst Pernicka soll im Rahmen eines neuen Forschungsprojekts zum Eberswalder Goldschatz die Herkunft des Materials klären. Das kündigte Alix Hänsel, die stellvertretende Direktorin des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, beim Frankfurter Archäologentag an. Demnach sollen an dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt neben dem Tübinger Universitäts-Professor Pernicka auch Forscher aus Berliner und Mannheimer Museen sowie russische Experten beteiligt werden. Die Abbauregion des Goldes könne man im Labor anhand sogenannter Blei-Isotope bestimmen, erläuterte Hänsel weiter. Auf diese Weise habe man beispielsweise auch feststellen können, dass das Gold für die Applikationen auf der Himmelsscheibe von Nebra aus dem englischen Cornwall stammt.

Die Leiterin des Eberswalder Museums (Barnim), Ramona Schönfelder, nahm Hänsels Ankündigungen mit Interesse auf. Das seien gute Nachrichten für den Goldschatz und für Eberswalde, sagte sie. Der bedeutendste vorgeschichtliche Goldfund Deutschlands war 1913 bei Bauarbeiten in einem Tongefäß auf dem Gelände eines Messingwerkes bei Eberswalde gefunden worden. Er stammt etwa aus dem 9. Jahrhundert vor der Zeitrechnung. Der Besitzer des Messingwerks hatte den Schatz Kaiser Wilhelm II. zur freien Verfügung überlassen. Dieser übergab die Kostbarkeiten der prähistorischen Abteilung des Völkerkundemuseums, aus der wenig später das Staatliche Museum für Vor- und Frühgeschichte hervorging. Per Flugzeug gelangte der 2,6 Kilogramm schwere Goldschatz am 1. Juni 1945 als Kriegsbeute ins Puschkin-Museum nach Moskau. Das Eberswalder Museum besitzt eine Nachbildung. Das originale Fundgefäß aus Ton ist im Museum für Vor- und Frühgeschichte zu sehen. Der Schatz sei Ausdruck der Macht und des Wohlstandes, über den die Herrscher seinerzeit in Eberswalde verfügten, erläuterte Alix Hänsel. Sie vermutet, dass sich in der Nähe des Fundortes das befestigte Herrschaftszentrum befand. Allerdings wurde das Gelände mehrfach überbaut und umgeformt. Ausgrabungen seien dort nicht vorgesehen.


Beziehungen zu Russland sind wichtig


Ernst Pernicka hatte sich im Jahr 1987 mit einer Arbeit zu den Erzlagerstätten in der Ägäis habilitiert. Seitdem hat er viel zur Entwicklung der sogenannten Archäometallurgie beigetragen. 2006 wurde er zum Grabungsleiter in Troja berufen und damit Nachfolger des 2005 verstorbenen Archäologen Manfred Korfmann. Auch die chemischen Untersuchungen zu der in Frankfurt (Oder) gefundenen bronzenen Widder-Figur, die ins 8. Jahrhundert datiert wird und aus dem antiken Griechenland stammt, hatte Pernicka vorgenommen.

Die nun geplanten Untersuchungen des Goldschatzes müssen an den originalen Schmuckstücken vorgenommen werden. Der Start des Projektes hänge also entscheidend von der Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen ab, sagte die stellvertretende Museumsdirektorin Hänsel. Bislang lehnt Russland eine Rückgabe des Schatzes ab. „Wichtig ist aber, dass er überhaupt noch existiert“, sagte Hänsel weiter.

Auch Rolf Barthel aus Strausberg, Spezialist für mittelalterliche Geschichte Brandenburgs, plädierte in Frankfurt dafür, sich nicht auf die Besitzverhältnisse zu konzentrieren. Vielmehr müsse im Vordergrund der Gedanke stehen, dass der Goldschatz Kulturerbe der Menschheit sei. Wer immer aktuell der Besitzer sei, dieser habe die Verpflichtung, den Schatz für die Menschheit zu bewahren und ihn der Forschung zugänglich zu machen, sagte der Experte.

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