zur Navigation springen

Naturkundemuseum : Das Letzte seiner Art

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Haus ist von außen ein Schatzkästlein und durchschreitet man die Tür, befindet man sich in einer wahren Wunderkammer. Genau genommen befindet man sich zunächst unmittelbar vor einem aufgerichteten Bär.

In den folgenden Räumen sind unzählige Tierpräparate zu bestaunen: Vögel in ihren Nestern, Maulwürfe in ihrem Bau, Hermeline und Auerhähne. Sogar die letzte Wolfsjagd von 1961 in der Gegend von Jüterbog (Teltow-Fläming) ist dokumentiert.

Die eigentliche Attraktion befindet sich im Keller. In Aquarien und Terrarien sind so gut wie alle einheimischen Fische, Krebse und Schildkröten zu sehen. Publikumsliebling ist ein 30-jähriger Wels. Museumschef Detlef Knuth versichert, dass es dem Prachtexemplar gut geht, obwohl der Fisch immer wieder von einem riesigen Karpfen und einem kleinen Hecht angestupst wird.

Knuth verweist darauf, dass sein Haus das letzte seiner Art in Brandenburg ist. In Beeskow (Oder-Spree) wurde eine Sammlung bereits in den 70er-Jahren aufgelöst. Cottbus hat sein Museum geschlossen und die Bestände eingelagert. Auch das Potsdamer Haus stand 1997 schon einmal vor der Schließung. Dann besonnen sich die Stadtväter eines Besseren, sanierten das klassizistische Gebäude und sicherten den Weiterbetrieb – bei empfindlichen Stellenkürzungen.

Knuth erklärt, dass Fische und Muscheln beispielsweise aus der Oder stammen, und seltene Tiere aus Brandenburg präpariert und dann zum Teil in den Ausstellungen der Großschutzgebiete als Leihgaben gezeigt werden. In Eberswalde (Barnim) ist eine Ausstellung des Hauses zum Thema Holz zu sehen.

Die seit 100 Jahren gesammelten Vogeleier lassen zudem wissenschaftliche Untersuchungen zum Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln zu. Dokumentationen belegen das Aussterben von Arten sowie die Verbreitung von Neuankömmlingen, beispielsweise des Waschbärs. Für Knuth steht fest, dass sein Haus kein kommunales Museum ist, auch wenn Potsdam die 950 000 Euro Zuschuss jährlich allein aufbringt. Auch die 20 000 Besucher pro Jahr kommen aus dem ganzen Land, Schulklassen zum Teil aus der Prignitz, um etwas über die heimischen Tiere zu lernen.

Das Naturkundemuseum betreut Bestände aus dem ganzen Land, erläutert der Fraktionschef der Linken in der Stadtverordnetenversammlung, Hans-Jürgen Scharfenberg. Und so beschlossen Potsdamer Stadtverordnete zu Beginn der Woche, dass ihre Verwaltung mit dem Kulturministerium Verhandlungen über eine Landesbeteiligung aufnehmen soll.

Klara Geywitz, finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und selbst Potsdamerin, bekundete ihr Verständnis für das Anliegen der Stadtverordneten. Sie verwies jedoch darauf, dass es einen Kabinettsbeschluss gibt, Beteiligungen abzubauen statt neue einzugehen. Zumal dann auch andere Einrichtungen eine solche Beteiligung einfordern würden, die sich sogar eher in Existenznot befinden als das Naturkundemuseum in Potsdam.

Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) macht keinen Hehl daraus, dass die Potsdamer in seinem Haus auf Granit beißen werden. Das Museum müsste irgendwo angegliedert werden, aber es biete sich keine entsprechende Lösung an. Auch Scharfenberg, selbst Landtagsabgeordneter, macht sich keine Illusionen. Für ihn ist der Potsdamer Beschluss in erster Linie eine moralische Unterstützung des Museums, ein Hinweis auf seine landesweite Bedeutung. Museumschef Detlef Knuth dagegen sieht sich gezwungen, mittelfristig Konsequenzen zu ziehen. Dann können eben nicht mehr die Wolfsfunde wie bislang dokumentiert werden oder das Landesumweltamt bezahlt für solche Leistungen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen