Oldtimer : Dampflok pfeift aus letztem Loch

Beliebtes Fotomotiv: Die Dampflok 03 204  bei einer Parade im polnischen Chabowka 2007. Inzwischen ist der Oldtimer aus dem Verkehr gezogen und wartet auf die kostenintensive Reparatur des maroden Kessels.
Foto:
1 von 2
Beliebtes Fotomotiv: Die Dampflok 03 204 bei einer Parade im polnischen Chabowka 2007. Inzwischen ist der Oldtimer aus dem Verkehr gezogen und wartet auf die kostenintensive Reparatur des maroden Kessels.

Dem Verein fehlt das Geld zur Reparatur des Oldtimers. Eine Einstufung als technisches Denkmal ist nicht ausgeschlossen. Doch würde das reichen?

svz.de von
08. Juli 2014, 11:45 Uhr

Viel ist auf den ersten Blick nicht mehr zu erkennen vom stampfenden und dampfenden Ross, von kraftstrotzenden 2000 PS, die den Koloss bis vor kurzem auf eine Geschwindigkeit von 130 km/h beschleunigen konnten. Jetzt ist die fast 80 Jahre alte Lokomotive im auf Oldtimer spezialisierten DB-Werk in Meiningen in ihre Einzelteile zerlegt. Der wunde Punkt: der aus dem Jahr 1933 stammende, marode und rostige Kessel, der bei der Hauptuntersuchung durchgefallen ist und erneuert werden muss. Dieser Kessel hätte keine fünf Jahre mehr gehalten, sagt Udo Steinwasser, Konstrukteur im Dampflokwerk.

Nicht nur für die Lok, auch für den Lausitzer Dampflok Club (LDC) könnte der nicht bestandene Test das Aus bedeuten. Die Lok aus den Berliner Borsig-Werken war das Paradepferd des Vereins, der sie bei Sonderfahrten vor restaurierte Reichsbahn-Waggons gespannt hat. „Es war die einzige Lok dieser Bauart in Deutschland, die noch mit einem Originalkessel gefahren ist“, sagt LDC-Vorstandsmitglied Hubertus Wischkony. 700 000 Euro muss der Verein für einen neuen Kessel aufbringen, hinzu kommen die Routine-Kosten der Hauptuntersuchungen: 400 000 Euro. Geld, das der Verein über Sponsoren und Fördermittel aufbringen will.

Nicht nur aus Sicht der Lausitzer Dampflokfreunde handelt es sich bei der Schnellzuglok um ein Unikat. „Diese Lok ist einzigartig und mit neuem Kessel ein betriebsfähiges technisches Denkmal“, erklärt Konstrukteur Steinwasser. 15 bis 20 alte Loks kommen pro Jahr in seine Werkstatt und werden dort wieder flottgemacht – aus Deutschland, Österreich, sogar aus Australien. Für die Lausitzer Dampflok hat Steinwasser schon Pläne für einen neuen Kessel entworfen, die auch der TÜV abgesegnet hat. Nun muss er nur noch gebaut – und vor allem bezahlt – werden.

Auf dem Spendenkonto des Vereins befinden sich 100 000 Euro, die auf Sonderfahrten gesammelt werden konnten. Auch bei den Störtebeker-Festspielen auf der Insel Rügen am Wochenende war man dabei, am 2. August geht es nach Hamburg zur Traumschiff-Parade und am 9. August zur Hanse-Sail nach Warnemünde – gezogen werden die Wagen von einer E-Lok. „Pro Fahrt kommen zwischen 600 und 1600 Euro zusammen“, rechnet Wischkony vor.

Für die anstehenden Reparaturen reicht dies nicht, zumal der Verein noch eine weitere Dampflok als sächsische Dauerleihgabe sowie die eigenen Reisezugwagen unterhalten muss. Ihre Hoffnung setzen die Eisenbahner jetzt auf Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), immerhin auch ein Lausitzer. „Wir haben schon mit seinem Vorgänger Matthias Platzeck, mit Verkehrsminister Vogelsänger und auch mit dem Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski gesprochen – ohne Erfolg“, bedauert Jürgen Kretschmann. Kretschmann ist einer von vier Lokführern im Verein mit der Dampflok-Lizenz. Neidisch schaut er nach Thüringen, wo Verkehrsministerium und Verkehrsverbund sich an der Finanzierung beteiligen.

Die Einstufung einer Lok als Denkmal ist laut Christof Krauskopf vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege theoretisch möglich. Zuvor müsse der Denkmalwert der Lok ermittelt werden. Eine Förderung aber ist Krauskopf zufolge fraglich. Es gebe nur einen Fördertopf, der ausschließlich aus Bundesmitteln gespeist wird.

Für Udo Steinwasser ist unstrittig, dass die Lok eines Tages wieder fahren muss. „Eine Dampflok lässt sich der Nachwelt nur erklären, wenn sie unter Dampf steht“, sagt er.

Übrigens ist auch die Prignitz ein Anziehungspunkt für Freunde von Dampfloks. Der Historische Lokschuppen Wittenberge zählt im norddeutschen Raum zu den bedeutendsten Ausflugszielen für Bahn-Fans.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen