Happy Locals : Coole Clubs in der Provinzöde?

Dimitri Hegemann (r.),  Gründer des Berliner Techno-Clubs Tresor,  möchte mit der  Agtenur „Happy Locals“ Jugendlichen helfen, die in ihrer Heimatstadt etwas bewegen wollen.
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Dimitri Hegemann (r.), Gründer des Berliner Techno-Clubs Tresor, möchte mit der Agtenur „Happy Locals“ Jugendlichen helfen, die in ihrer Heimatstadt etwas bewegen wollen.

Eine Berliner Initiative will Provinzstädten zeigen, wie sie gute Freizeitangebote gestalten können. So soll Abwanderung gestoppt werden.

svz.de von
23. Juli 2014, 06:53 Uhr

Die Uckermark ist landschaftlich wunderschön. Doch das allein ist für die Jugendlichen, die dort aufwachsen, oft nicht genug an Nervenkitzel. Zum Beispiel Schwedt an der Oder: Dort können die jungen Leute Kanu im Nationalpark Unteres Odertal fahren. Oder in einem Jugendclub Tischtennis spielen. Dimitri Hegemann guckt aber verwundert, wenn er von solchen Freizeitangeboten hört. Die Kids wollten doch Freiräume, Platz zum Gestalten und rebellisch sein, meint er. „Also auch mal einen saufen oder kiffen.“

Manche werden sich fragen, was einer wie Hegemann, ein erfolgreicher Kulturmanager, in Schwedt will. 1991 eröffnete er in Berlin-Mitte den Techno-Club Tresor. Eine der bedeutendsten Jugendkulturen breitete sich von dort aus. Die Stadt wurde Party- und Kreativmetropole, bis heute zieht dieser Spirit junge Leute aus aller Welt an.

Nun will Hegemann von diesem Geist etwas abgeben und sich um die Jugendlichen in den Provinzstädten kümmern. Ob Schwedt, Crimmitschau oder Gütersloh: Überall fehle es an Angeboten für junge Menschen, sagt er.

Hegemann gründete die „Happy Locals“, eine Consulting Agentur für Jugendliche. Die Idee: Wer in seiner öden Heimatstadt etwas Neues auf die Beine stellen will, aber keine Erfahrung als Manager hat, kann sich an die Happy Locals wenden. Ob Programmkino oder Rockclub: Berliner Coacher mit Erfahrung im Kultur- und Eventbereich zeigen dann, „wie man aus einer Mülltonne ein Unternehmen macht“, erklärt Hegemann.

Pilotprojekt der „Happy Locals“ ist Schwedt. Die Industriestadt verlor seit der Wende fast die Hälfte seiner einst 52 000 Einwohner. Die jungen Leute wanderten ab, weil sie kaum Perspektiven fänden, sagt Michael Wolff, Chef des Schwedter „Exit Live Clubs“. Es gebe fast keine Jugenddiskothek mehr in der Region. Das „Exit“ sei der einzige Jugendkonzertclub in der ganzen Uckermark – einer der größten Landkreise in Deutschland.

Mit Hilfe von Hegemann und seinen Leuten wurde in der Oder-Stadt das „Schwedt.Labor“ gegründet, ein Kreativzentrum für junge Leute. Viele alte Gebäude stehen in der Stadt leer, daraus ließe sich doch etwas machen, war die Idee. Einem verlassenen Industriegebäude, einer Ruine, einem alten Supermarkt sollte neues Leben eingehaucht werden. Das Ziel: Ein Wandel in „Schwedt City“.


Widerstand aus der Stadtverwaltung


Geworden ist aus den Plänen bislang nicht viel. Zwar hätten sich etliche Jugendliche gefunden, die mitmachen wollten, sagt Wolff. Doch sei man oft am Widerstand der Stadtverwaltung gescheitert. „Dort haben wir eine Wiese, dort ein leerstehendes Gebäude nicht bekommen“, sagt Wolff.

Immerhin wurde ein Musikfestival auf die Beine gestellt. „Poty“ (Passion Of The Young) stieg am 12. Juli in Schwedt. 1000 Besucher wären ein Erfolg, hatte Wolff im Vorfeld gesagt. Es wurden nur 784. Die Idee sei aber eigentlich etwas Nachhaltiges, eine richtige Kulturszene gewesen.

Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) weist die Kritik, dass die Stadt zu wenig für ihre Jugend tue, zurück. 400 000 Euro stünden jährlich im Haushalt zur Verfügung. Es gebe in Schwedt Sportvereine, Kinder- und Jugendtheater und Orte „zum Abhängen“, sagt Polzehl, der selbst zwei Kinder hat. Allerdings sei es auch „kein Geheimnis“, dass Orte wie Schwedt nicht die Individualität bieten könnten wie Berlin.

Dimitri Hegemann sieht das anders. Kulturelle Angebote hätten nicht nur mit der Größe einer Stadt zu tun, meint er. Berlins Spirit sei in kaputten Häusern und Kellern entstanden. Dies wolle man nun zum „Exportschlager“ machen. Neulich ging die Reise noch weiter als nach Schwedt: Eine Delegation der „Happy Locals“ war zu Gast im US-amerikanischen Detroit.

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