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KZ-Gedenkstätte : Bremer sanieren Sachsenhausen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gemeinsam mit anderen Ruheständlern krempelt Pädagoge Hans-Joachim Gries am einstigen Ort des Nazi-Terrors die Arme hoch.

Früher ist er mit seinen Schülern gekommen – nun hilft er mit Ex-Kollegen bei der Sanierung der Gedenkstätte Sachsenhausen. Seit Montag arbeiten der pensionierte Berufsschullehrer Hans-Joachim Gries aus Bremen und zwölf weitere Pädagogen im Besucherzentrum und der Wäscherei des ehemaligen Konzentrationslagers in Oranienburg. Noch bis heute üben sie ihr ursprünglich erlerntes Handwerk als Maler, Tischler, Maurer, Betonbauer und Metallbauer aus.

Das Interesse ist groß: Ursprünglich wollten 17 Pensionäre mit nach Brandenburg kommen, einigen machte jedoch die Gesundheit einen Strich durch die Planung. „Ich gehe davon aus, dass das Interesse bestehen bleibt“, so Gries. „Wir haben bislang geschafft, was wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben“, berichtete der 67-Jährige gestern. „Nächstes Jahr machen wir weiter.“

Gries hat das Projekt initiiert. Als Lehrer ist er 18 Jahre lang mit seinen Berufsschülern nach Oranienburg gekommen. Unter dem Motto „Lernen und Arbeiten“ sollten sie mehr über die Stätte des Nazi-Terrors erfahren und sich zugleich zum Erhalt der Gedenkstätte beitragen. „Jetzt setzen wir das Projekt mit Rentnern fort“, sagte Gries.

Untergebracht sind die Helfer in einer Jugendherberge. Sie arbeiten an Fenstern und erledigen Maler- und Schlosserarbeiten. Anlass für die Besuche mit Schülern seien 1993 zahlreiche rechtsextremistische Ausschreitungen gewesen. „Ich habe damals Politik unterrichtet und über die Situation gesprochen, doch das reichte mir nicht“, sagte Gries. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entstand das Projekt „Lernen und Arbeiten“.

1994 fuhren die ersten 12 Auszubildenden nach Oranienburg. Neben der körperlichen Arbeit wurde die Geschichte anhand der Ausstellungen vermittelt.

„Die Besuche gehören zu unseren ständigen Projekten“, berichtete Stiftungssprecher Horst Seferens. Längst beteiligen sich auch Brandenburger Berufsschüler aus Hennigsdorf daran. „Das hat auch das Kennenlernen von Ost und West befördert“, so Gries.

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200 000 Menschen inhaftiert. Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen um oder wurden Opfer von systematischen Vernichtungsaktionen der SS. Auf den Todesmärschen nach der Evakuierung des Lagers Ende April 1945 starben noch einmal Tausende von Häftlingen.

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