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17. Protzen Open Air : Bis die Mark wackelt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vom 13. bis 15. Juni findet die Veranstaltung statt. Von dem kleinen, aber feinen Metal-Festival profitiert das ganze Dorf.

„Es läuft“, sagt Mario Grimmer ganz entspannt. In gut drei Wochen steigt das 17. Protzen Open Air. Das Programm steht felsenfest und Tickets wurden bereits bis nach Holland, Dänemark und Tschechien verkauft. Das Metalfestival hat in der Szene den Status des Geheimtipps längst überwunden.

„Protzen hat sich einen Namen gemacht“, sagt Festival-Organisator Grimmer. Wer im Internet bei einer bekannten Suchmaschine nur den Namen des Dorfes eingibt, bekommt zuerst den Verweis auf das Festival und Hinweise auf etliche andere Seiten ausgespuckt, die sich mit dem bevorstehenden oder den vergangenen Konzertwochenenden befassen.

Viele andere Veranstaltungen dieser Art in Brandenburg, bei der auch diese extreme Musik gespielt wird, mussten in den zurückliegenden Jahren ihre Zelte abbrechen. „Es gibt bei den Festivals keinen Mittelstand mehr – entweder man macht es richtig groß oder bleibt kleiner“, meint der Metalfan.

Die Goliaths sind in diesem Fall das Wacken Open Air, With Full Force oder Rock am Ring mit mehreren zehntausend Besuchern. Protzen gibt sich mit der David-Rolle durchaus zufrieden. „Wir haben seit zwei Jahren unsere Tickets auf 1000 Stück limitiert. Und das soll auch so bleiben“, sagt Grimmer.

Dafür gibt es zwei Gründe: Das Festival lässt sich gut organisieren und bleibt auch finanziell in einem überschaubaren Rahmen. Und: „Ich habe keinen Bock darauf, dass irgendetwas passiert, wenn so viele kommen. Und so etwas macht man dann nicht mehr nebenbei“, sagt Grimmer, der im Hauptberuf Bäcker ist.

Das Konzept geht offenbar auf. Tickets wurden im Vorverkauf in diesem Jahr deutschlandweit und über die Grenzen hinaus verschickt. Natürlich zieht nicht nur der Name Protzen Open Air. Wer mehrere hundert Kilometer für ein Festival-Wochenende fährt, will auch etwas geboten bekommen. Was das Band-Aufgebot betrifft, steht das Open Air im 400-Seelen-Dorf den ganz Großen kaum in etwas nach. Napalm Death, Pungent Stench und Vader sind die drei bekanntesten von 18 Gruppen, die die Herzen von Metal-Fans höher schlagen lassen und das Trommelfell manchmal bis hin zum Tinnitus beanspruchen werden. Napalm Death aus England gibt es seit mehr als 30 Jahren. Das Grindcore-Urgestein ist Vorbild für viele andere Gruppen. Auf ihrem Gebiet sind Napalm Death quasi der Roy Black oder der Udo Jürgens, denen Helene Fischer und Co. nicht das Wasser reichen können.

„Napalm Death hierher zu holen, war schon immer mein Traum “, sagt Grimmer. Dass die Musiker in Protzen die Nase rümpfen, glaubt der 36-Jährige nicht: „Die Jungs wissen noch, wo sie herkommen. Sie sind ihrer Linie treu geblieben.“

Natürlich haben auch Napalm Death Forderungen an den Veranstalter. Bei ihnen dreht sich das insbesondere ums Essen. „Für Barney brauchen wir beispielsweise Sojamilch“, so Grimmer. Denn der Sänger ist seit Jahren Veganer, er verzichtet also auf jegliche tierischen Produkte. Grimmer rechnet er mit einer super Party, wenn die Band auf die Bühne steigt. Denn in Protzen werden selbst die Großen wieder weich, da auf der kleinen Bühne und beim direkten Kontakt mit Fans am Bierwagen oft Erinnerungen an die ersten Konzerte in den Anfangstagen hochkommen.

Das fast familiäre Festival spült auch ohne teure Mega-Stars Geld in die Region. „Für das Wochenende habe ich alle Zimmer, die man in Protzen und Manker bekommen kann, für die Bands reserviert“, so Grimmer. Die Getränke, die verkauft werden, kommen aus Rheinsberg, die Dixi-Toiletten von einem regionalen Anbieter und und und… Mario Grimmer will, dass das Geld im Dorf und in der Umgebung bleibt – so wie in anderen bekannten Festivalorten, in denen Händler an drei Tagen teilweise ihre Halbjahresumsätze einfahren. Auch der Sportverein öffnet zum Festival seine Duschen für Gäste gegen einen Obolus. Nicht zuletzt schwärmen die Fans in der konzertfreien Zeit auch aus zum Baden, Shoppen und Fußballgucken. Nur Bier müssen die Gäste selbst nicht nachkaufen. Denn das wird beim Festival zum Spottpreis angeboten.

Wer dennoch „fremdkauft“ und danach seine Flaschen oder Dosen liegen lässt, tut aber zumindest den Kindern aus dem Dorf etwas Gutes. Denn sie dürfen am Sonntag, zum Abschluss des Festivals, schubkarrenweise Pfandflaschen vom Festivalgelände schaffen, um sich ihr Taschengeld aufzubessern.

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