Rüdersdorf : Besuch in der Kathedrale des Kalks

Schachtofenbatterie wird die Anlage auch liebevoll genannt. Sie ist mit ihren 18 Rüdersdorfer Öfen ein einzigartiges Beispiel für den Übergang vom jahrhundertealten Handwerk des Kalkbrennens zur industriellen Großproduktion.
Schachtofenbatterie wird die Anlage auch liebevoll genannt. Sie ist mit ihren 18 Rüdersdorfer Öfen ein einzigartiges Beispiel für den Übergang vom jahrhundertealten Handwerk des Kalkbrennens zur industriellen Großproduktion.

Im Rüdersdorfer Museumspark kann sich der Gast auf eine Zeitreise durch 750 Jahre Bergbau begeben

svz.de von
28. Juli 2014, 14:14 Uhr

Brandenburger Tor, Schloss Sanssouci in Potsdam, das Berliner Olympiastadion und viele weitere bedeutende Bauwerke in Berlin und Brandenburg haben eines gemeinsam: Sie wurden mit Kalkstein aus Rüdersdorf erbaut. 750 Jahre wird dieser hier schon gebrochen und gebrannt. Bis heute ist die Rüdersdorfer Kalksteinlagerstätte die größte ihrer Art in Mitteleuropa.

Sehen, fühlen, ausprobieren, erfahren – jahrhundertealte Tagebaugeschichte kann im Rüdersdorfer Museumspark zu Fuß, im Landrover oder per Fahrrad erforscht werden. Rund ums Jahr gibt es auf dem 17 Hektar großen Areal viel zu entdecken. Immer mehr profiliert die Kultur-GmbH den Park auch als attraktiven Veranstaltungsort für Konzerte, Opern- und Musical-Aufführungen, Großveranstaltungen, Hochzeiten oder private Feiern. Da fliegen regelmäßig zu Walpurgis und Halloween die Hexen ein und aus, und besonders traditionsreich ist das jährliche Bergfest im Juni.

Die mit viel Sachverstand restaurierten Öfen – von Rumford- bis Rüdersdorfer Ofen –, Magazingebäude, Steigerhaus erinnern an den Fortschritt, der mit dem Kalkabbau einherging. Innerhalb von 200 Jahren entwickelte sich in Rüdersdorf eines der größten Bergbaugebiete mit Zementherstellungsbetrieben in Deutschland. Erst seit 1990 geht die Abbauplanung natur- und ressourcenschonend vor und gibt Rüdersdorf schrittweise alte, schon im 19. Jahrhundert angelegte Erholungsgebiete wieder zurück.

Die Kalksteinvorkommen waren im 13. Jahrhundert, zur Zeit der Zisterzienser, entdeckt worden. Das Gestein aus dem Berg zu brechen und vom Abraum freizulegen war eine körperlich harte Arbeit. Die Steinbrecher nutzten nur einfachste Hilfsmittel, um den Kalkstein zu lösen: Brecheisen, Eisenkeil und Hammer. Pferde- und Ochsengespanne transportierten den Kalkstein zur Weiterverarbeitung. Um den Transport des Kalksteins zu vereinfachen, wurde um 1800 in Rüdersdorf ein Kanalsystem gelegt, das die Kalksteinbrüche mit den natürlichen Wasserstraßen verband. Der Steinbruch wurde somit schiffbar gemacht und der Transport des Kalksteins erleichtert. Eindrucksvolle Portale betonen die Ingenieurleistungen von Bühlow, Heinitz und Reden.

So trifft man auf Schritt und Tritt auf dem gesamten Areal auf bekannte Namen von Ingenieuren, Wissenschaftlern und Naturforschern auf den zurückliegenden Jahrhunderten.

Bergbauminister Friedrich Anton Freiherr von Heinitz zum Beispiel leitete die innovativen Pläne und grundlegende technische Neuerungen ein.

Rund zwei Kilometer Wanderwege führen durch den Museumspark, der direkt an der 66-Seen-Route rund um Berlin liegt. Man kann sich im Park auch ein Rad ausleihen oder zu Fuß beim Streichelzoo vorbeischauen, im Torellhaus die Geologie erforschen oder für einen Imbiss ins Magazingebäude einkehren. Derzeit wartet Geschäftsführer Jörg Lehmann auf Fördermittel, um neue Informationstafeln und kleine Pavillons aufzustellen und noch mehr E-Bikes anzuschaffen.

Der Museumspark in der Heinitzstraße 11 ist über die B 1, Abfahrt Tasdorf-Rüdersdorf, zu erreichen oder mit der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn, Linie 88 von Berlin-Friedrichshagen aus

Geöffnet ist der Park von April bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr, von November bis März von 10.30 bis 16 Uhr, Eintritt 5 Euro/Kinder 3 Euro. Angeboten werden geologische und historische Führungen (ab 10/5 Euro) sowie Landrovertouren zum aktiven Tagebau. Anmeldungen sind möglich unter 033638 799797 oder kasse@museumspark-kulturhaus.de.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen