Zu viel Religion? : Beamte contra Sternsinger

Verletzt so ein Auftritt die Religionsfreiheit?
Verletzt so ein Auftritt die Religionsfreiheit?

Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ spricht von sich selbst als weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Weihnachtslieder singen und Spenden sammeln - verletzt das die Religionsfreiheit?

svz.de von
05. März 2014, 08:19 Uhr

Sie singen Weihnachtslieder, schreiben mit Kreide einen Segenswunsch an die Wand und sammeln Spenden für die Dritte Welt. Doch Mitarbeiter im Potsdamer Bildungsministerium fühlen sich vom jährlichen Auftritt der Sternsinger auf dem Neujahrsempfang von Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD) in ihrer Religionsfreiheit verletzt.

Mitarbeiter des Hauses hätten den Personalrat gebeten, „ihr Unverständnis für die Präsentation dieser religiös geprägten Teile im Zusammenhang mit einer dienstlichen Veranstaltung zum Ausdruck zu bringen“, heißt es in einem Beschwerdebrief an Münch. Zum Recht auf Religionsfreiheit gehöre auch das Recht, ein bekenntnisfreies Leben zu führen. Die Kritik stieß auf Unverständnis der Mitarbeiter in der Potsdamer Landespolitik. „Die Sternsinger waren nicht nur bei der Ministerin, sondern auch beim Ministerpräsidenten“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Mike Bischoff. Die Kritik der Ministeriumsmitarbeiter an der Spendenaktion „offenbare das Niveau, das hier einige an den Tag legen.“ Auch die kirchenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Susanne Melior, nannte es „richtig“, dass die Sternsinger im Ministerium auftraten. Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Brandenburger CDU, Michael Schierack, betonte, in seiner Jugend selbst ein Sternsinger gewesen zu sein. Kritik am Auftritt im Bildungsministerium könne er nur „schwer nachvollziehen“, sagte Schierack. „Ein Bildungsministerium ohne Werte fände ich jedenfalls schwierig.“ Sowohl Münch als auch Schierack gehören der katholischen Propsteigemeinde Cottbus an.

„Mir ist kein Sternsinger bekannt, der jemals jemanden zu einem religiösen Bekenntnis genötigt hat“, sagt Stefan Förner, Pressesprecher des katholischen Erzbistums Berlin. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ sei die weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Alljährlich informieren sie im Bundeskanzleramt, im Bundespräsidialamt und zahlreichen Ministerien über Projekte, die sie unterstützen. „Wenn die Kinder gleichzeitig den Segen für die jeweiligen Häuser erbitten, ist das unschädlich für die Religionsfreiheit.“

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDJK) in Berlin, Brandenburg und Vorpommern, Kristin Plate: „Es gibt viele Menschen in Brandenburg, die aus ihrer religiösen Überzeugung heraus sich für andere engagieren, die Anerkennung im Ministerium ist verdient, für die Sternsinger aber auch für andere.“ Der BDKJ sei „Martina Münch sehr dankbar für den Einsatz für die Kinder- und Jugendverbandsarbeit und die damit einhergehende Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements“.

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