Von Wustrau in die Türkei : Ausstellung zieht in den Orient

Die Ausstellung „Türken, Mohren und Tataren“ im Preußenmuseum in Wustrau geht demnächst auf große Reise.
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Die Ausstellung „Türken, Mohren und Tataren“ im Preußenmuseum in Wustrau geht demnächst auf große Reise.

Es gibt viele, wenig bekannte Facetten der Geschichte des Zusammenlebens zwischen Preußen und Muslimen.

svz.de von
09. Juli 2014, 16:10 Uhr

Die Ausstellung über Muslime im einstigen Brandenburg-Preußen des Museums Wustrau (Ostprignitz-Ruppin) geht ab Oktober auf große Reise. Die Schau soll in der Türkei und der autonomen Republik Tatarstan im östlichen Teil Russlands gezeigt werden. „Dort ist das Interesse sehr groß“, sagte der Leiter des Brandenburg-Preußen Museums, Stephan Theilig.

Unter dem Titel „Türcken, Mohren und Tartaren“ – angepasst an die überlieferte Schreibweise – sind bis dahin in Wustrau mehr als 135 Exponate zu sehen. Museen und private Leihgeber stellten sie zur Verfügung. Im Istanbuler Topkapi-Palast, der Residenz der ehemaligen osmanischen Herrscher, und in der Eremitage des Kazaner Kremls, in der Hauptstadt von Tatarstan, werden sie dann präsentiert.

„Wichtige historische Ereignisse, die in der heutigen Öffentlichkeit wenig bekannt sind, geben interessante Denkanstöße für heutige Debatten um Integration und Partizipation“, hatte der Generalkonsul der Türkei in Berlin, Ahmet Basar Sen, im Vorwort zur Ausstellung geschrieben.

Auch Wissenschaftler und Vertreter von Museen in Tatarstan, der Ukraine und der Türkei waren extra nach Wustrau gekommen. Es werde belegt, dass Europa bis an den Ural reichte und dort seit mehr als 1000 Jahren Muslime leben, schrieb Marat Gibatdinov, Mitglied der Akademie der Wissenschaften Tatarstans, ins Gästebuch. „Diese Regionen waren einst fest mit Mitteleuropa verbunden.“

„Die Schau geht der Frage nach, welche Einflüsse muslimische Menschen in allen Bereichen des Lebens nahmen“, sagte Kurator Theilig. Aus Angst sei Neugier, aus Ablehnung erst Toleranz, dann Begeisterung geworden. Die Darstellung endet mit dem Ende des Ersten Weltkrieges.

Mitte des 13. Jahrhunderts mussten beim ersten Mongolen- und Tatarensturm in der späteren preußischen Provinz Schlesien die Verteidiger noch eine Niederlage verkraften. „Im Laufe der Jahrhunderte kamen Muslime als Kriegsgefangene, Kaufleute, Gelehrte oder Handwerker nach Preußen“, sagte Theilig.Preußenkönig Friedrich II. warb gezielt um muslimische tatarische Familien. Sie sollten in West- und Ostpreußen eine neue Heimat finden.

Zu sehen ist auch ein Bild von Königin Luise (1776-1810). Es zeigt sie in der damals beliebten Orientmode. Wenig bekannt ist hingegen, dass es im 18. Jahrhundert in der Preußen-Armee Janitscharenkapellen gab. „Die musikalischen Einflüsse sind bis heute spürbar“ sagte Theilig. Schellenbäume und Schlaginstrumente, wie sie bei Militärmarschmusik erklingen, seien Musikinstrumente der Janitscharen.

Nachgearbeitet wurde die Uniform eines Bosniaken – allgemeiner Begriff für slawischsprachige Muslime. Auch sie dienten als Soldaten regulär in der preußischen Armee.

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