zur Navigation springen

Stadt will negatives Image abstreifen : Aus Dornröschenschlaf erwacht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das alles soll sich nun ändern. Mühlberg will raus aus den – unverschuldeten – Negativschlagzeilen und sich in den kommenden Jahren ganz neu als Stadt mit großer Historie profilieren und Gäste anlocken.

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2014 | 14:00 Uhr

Elbehochwasser 2002, Tornado 2010, Elbehochwasser 2013. Zweimal musste das Städtchen Mühlberg in den vergangenen Jahren wegen Überflutungsgefahr geräumt werden, einmal zog ein für diese Breitengrade ungewöhnlich heftiger Sturm eine Schneise der Verwüstung durch das historische Häuser-Ensemble. Und in den Zeiten dazwischen schimpften die Denkmalpfleger, dass die Stadt im äußersten Südwesten Brandenburgs zu verschlafen sei und nicht mit ihren Pfunden wuchere.

Das alles soll sich nun ändern. Mühlberg will raus aus den – unverschuldeten – Negativschlagzeilen und sich in den kommenden Jahren ganz neu als Stadt mit großer Historie profilieren und Gäste anlocken. Der Anfang ist längst gemacht. Viele Altstadthäuser wurden saniert. Auf dem Elbdeich zwischen Dresden und Torgau rollt ein dichter Strom von Radtouristen, die die neu entstandenen Pensionen gern nutzen.

Den größten Sprung aber erhofft sich Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos) von der Eröffnung des Reformationsmuseums im kommenden Frühjahr. Für rund zwei Millionen Euro wird das bisherige Stadtmuseum umgebaut und auf das Thema Reformation und die Schlacht bei Mühlberg ausgerichtet. 1547 hatte hier Kaiser Karl V. die protestantischen Truppen unter Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen besiegt und so entscheidende Weichen für die spätere Geschichte gestellt.
2017 im Jubiläumsjahr der Reformation wird Mühlberg eine zentrale Rolle in den brandenburgischen Feierlichkeiten spielen. Schon jetzt kommen viele Gäste aus der Lutherstadt Wittenberg und Torgau auf den Spuren der Reformation in den Ort, berichtet die Bürgermeisterin. Sie finden dort mit Kloster Marienstern ein Kleinod spätgotischer Bauweise.

Das ehemalige Haus der Zisterzienserinnen wurde nach der Reformation ein weltliches Gut, zu DDR-Zeiten eine LPG und inzwischen ist dort ein Ökumenisches Haus der Begegnung und der Stille entstanden. In der Klosterkirche, dem modern ergänztem Kreuzgang und dem ehemaligen Äbtissinnenhaus finden Seminare und Tagungen statt. „Es spricht sich langsam herum“, schätzt Pater Alois vom Claretiner-Orden ein, der das Haus mit einer Schar ehrenamtlicher Helfer leitet.

„Vielleicht haben wir dieses Mal Glück“, sagt Bürgermeisterin Brendel mit Blick auf ein jahrelanges Sorgenkind. Im Ortsteil Martinskirchen gibt es Interessenten für das ehemalige Rokoko-Schloss der Grafen von Brühl. Der bereits sanierte Festsaal gilt als Schmuckstück sächsischer Schlossbaukunst. Nun hofft man in der Region, dass der Rest des Ensembles wieder aufpoliert und nutzbar gemacht wird.

Im Renaissanceschloss zu Mühlberg, direkt am Deich gelegen, sieht es nicht so aus. Die Kommune verkaufte das einstige Jagdschloss der sächsischen Kurfürsten nach der Wende an einen Investor, der daran scheiterte, ein Hotel zu errichten. Als 2010 der Tornado auch das Schlossdach beschädigte, sprang die Stadt ein, die Schäden zu beseitigen. Ob das Geld je zurückgezahlt wird, ist offen.

„Wir haben viel Lehrgeld bezahlt“, sagt Hannelore Brendel. So hatte man sich von den Denkmalschützern überzeugen lassen, das historische Pflaster zu erneuern. Heute, wo überall behindertengerechte Wege gefordert werden, gibt es Lösungen, altes Pflaster und glatte Pisten für gebrechliche Menschen und Radfahrer zu verbinden. Aber die Straßen noch einmal neu pflastern kann sich Mühlberg nicht leisten, auch wenn Touristen vom Elberadweg beim Abstecher in die Stadt schimpfen.

4000 Einwohner zählt Mühlberg heute samt Ortsteilen, Tendenz weiter abnehmend. Eine Reihe von Häusern in der Altstadt steht leer. Nur noch eine von früher fünf Schulen ist in Betrieb. Trotzdem ist Bürgermeisterin Brendel überzeugt, dass die Stadt immer lebens- und liebenswerter sein wird und das auch mehr und mehr Gäste das so erleben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen