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kongress in Tempelhof : Aufbruch im Flugzeughangar

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die evangelische Kirche berät über ihre Zukunft / Auch Prignitzer sind dabei

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 07:53 Uhr

Vor dem alten Berliner Flughafen Tempelhof spielen Alphornbläser und ein Posaunenchor. Jugendliche mit bunten Pappschildern weisen den Weg zum Hangar 2. Ein steter Strom von Menschen folgt ihnen: Trotz strömenden Regens pilgern rund 1000 evangelische Kirchenmitglieder aus Berlin, Brandenburg und Ostsachsen in die Halle, in der einst Flugzeugmotoren getauscht und Reifen gewechselt wurden. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat zu einem Perspektivkongress geladen: Unter dem Motto „Salz der Erde – Reform ist möglich“ wollen sich die Christen Gedanken über die Zukunft der rund eine Million Mitglieder zählenden Landeskirche machen.

Die Zahlen sind dramatisch. In zehn Jahren hat die Kirche fast 20 Prozent ihrer Gemeindemitglieder verloren. Die Gemeinden sind überaltert. Dazu kommen Austrittswellen, etwa wegen des geänderten Verfahrens des Kirchensteuereinzugs bei Kapitalerträgen. Und im Herbst stehen wichtige Personalentscheidungen an, wenn ein Nachfolger für den im Frühjahr nicht verlängerten Konsistorialpräsidenten Ulrich Seelemann gefunden werden muss und die zehnjährige Amtszeit von Pröpstin Friederike von Kirchbach, der Stellvertreterin des Bischofs in der Kirchenleitung, ausläuft. Wie also soll es mit der Landeskirche weitergehen?

„Ich hoffe auf Impulse, wie wir als Kirche in der Fläche erhalten bleiben können“, sagt Andreas von Freymann aus Dölln in der Prignitz. „Wie wir das Desinteresse in Glaubensfragen überwinden können.“ Und der Prignitzer Superintendent Thomas Günther nennt es eine besondere Herausforderung, als Kirche in den ländlichen Regionen gesellschaftsrelevant zu sein. „Es ist vor allem die Kreativität vor Ort, die zu mutigen Veränderungen führt“, sagt Bischof Markus Dröge in einem Impulsreferat. Doch der Theologe verzichtet auf Vorgaben von oben. Die Kirche setzt auf Kommunikation: Während des immerhin 300 000 Euro teuren Kongresses beraten die Christen in kleinen Gruppen über die Zukunft der Volkskirche, die modernen Medien und die Kirche, den Beruf des Pfarrers oder die Kirchenfinanzen.

Bischof Dröge dagegen sieht sich eher als Mutmacher. „Es gibt ein depressives Wort in unserer Kirche: noch“, sagt Dröge. Immer wieder höre er Sätze wie:„Wir haben noch so viele Mitglieder, noch so viel Geld, noch so viel Kraft.“ Viel positiver sei es, einen Buchstaben auszutauschen und das Wort „doch“ zu benutzen: „Wir haben doch so viele Mitglieder, doch so viel Geld und doch so viel Kraft.“

Martina Herms, die sich im Kirchenkreis Prignitz um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kümmert, ist davon begeistert. „Das ist eine Anregung, die mir gefällt“, sagt die Frau aus Wittenberge. „Dass man die Dinge vielleicht stärker positiv sehen sollte.“

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