PReußen : Auf den Spuren starker Frauen

Die Gemälde von Königin Friederike Luise von Preußen (l-r), Wilhelmine Ritz (später Gräfin Lichtenau), Friedrich Wilhelm II. von Preußen und Julie Amalie von Voß (später Gräfin Ingenheim) in der Ausstellung 'Frauensache Wie Brandenburg Preußen wurde“.  Fotos: Jörg Carstensen
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Die Gemälde von Königin Friederike Luise von Preußen (l-r), Wilhelmine Ritz (später Gräfin Lichtenau), Friedrich Wilhelm II. von Preußen und Julie Amalie von Voß (später Gräfin Ingenheim) in der Ausstellung "Frauensache Wie Brandenburg Preußen wurde“. Fotos: Jörg Carstensen

In mehr als 300 Exponaten erzählt die ausstellung die Frauengeschichte der Hohenzollern.

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23. August 2015, 08:00 Uhr

Eine vergoldete Silberkanne und ein Taufbecken aus der Dresdener Sophienkirche tragen den roten Adler des Landes Brandenburg. Gestiftet wurden sie Anfang des 17. Jahrhunderts von Sophie, der Kurfürstin von Sachsen. Mit dem roten Adler wollte sie zum Ausdruck bringen, dass sie im Herzen noch immer Brandenburgerin geblieben ist – weswegen die beiden Objekte in diesen Tagen im alten Theaterbau des Berliner Schloss Charlottenburg zu sehen sind. Dort, wo einst das Museum für Ur- und Frühgeschichte seine Exponate zeigte, öffnete gestern eine Ausstellung mit dem Titel „Frauensache – Wie Brandenburg Preußen wurde“.

In mehr als 300 Exponaten erzählt sie die Frauengeschichte der Hohenzollern: Es geht um Prinzessinnen, die in ganz Europa verheiratet wurden, und Fürstinnen, die am Hof in Potsdam und Berlin die Brücken in die Heimat darstellten. Es geht um frühneuzeitliche Netzwerke und Kontaktpflege, um die Machterweiterung der Hohenzollern durch eine geschickte Heiratspolitik. „Die Frauen stellten die Brücke zwischen den europäischen Dynastien dar“, sagt Kurator Alfred Hagemann.

Zu den Exponaten gehören deswegen Portraits und Gastgeschenke ebenso wie restaurierte Teile des „Beilagerbetts“ aus dem Charlottenburger Schloss. Wenn im Charlottenburger Schloss, einem der wenigen preußischen Schlösser mit einer eigenen Kapelle, eine Hochzeit gefeiert wurde, wurde dort die Brautnacht vollzogen. Zum Beispiel 1752, als Prinz Heinrich von Preußen Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel heiratete. Nach der kirchlichen Trauung gab es zunächst ein festliches Dinner mit einem abschließenden Fackeltanz, dann wurden Braut und Bräutigam vom König und der Königin ins Schlafgemach geführt, entkleidet und zu Bett gebracht. Was dann geschah, kann sich jeder Besucher der Ausstellung selbst ausmalen.

Oder ein 1590 von Heinrich Rappost gefertigtes Backgammon-Spiel: Auf den Spielsteinen finden sich Wachsreliefs, die die Fürsten Brandenburgs, Sachsens, Dänemarks und Pommerns zeigen. Anfertigen lassen hat dieses Spiel Johann Georg von Brandenburg – als Neujahrsgeschenk für seinen Schwiegersohn, Christian I. von Sachsen. Ein eindrückliches Beispiel dafür, wie sehr sich die damaligen Herrscher der Bedeutung familiärer Netzwerke bewusst waren.

Die Ausstellung sei die größte Schau der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten seit der „Friederisiko“-Schau in Potsdam 2012, betont der Direktor der Stiftung, Hartmut Dorgerloh. Man habe dafür ein Budget „von mehr als einer Million und weniger als zwei Millionen Euro“ einkalkuliert, abhängig von den Besucherzahlen. Man sei aber optimistisch, dass das Thema bei den Besuchern auf großes Interesse stoße.

So sieht es auch die Brandenburger Wissenschaftsministerin Prof. Sabine Kunst, die gemeinsam mit der Schirmherrin Sophie Prinzessin von Preußen, gestern Abend die Ausstellung eröffnete. „Das aktuelle Ausstellungsthema ist ein hervorragendes Signal dafür, dem Wirken von Frauen in der historischen Forschung mehr Aufmerksamkeit zu widmen“, sagt Kunst. Zudem sei es zu begrüßen, dass ein Begleitprogramm zur Ausstellung die Rolle der Frauen in der Gesellschaft von heute in den Mittelpunkt rücke.

So sind im Schloss Charlottenburg etwa die Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kramp-Karrenbauer, die Berliner Integrationssenatorin Dilek Kolat und die Schauspielerin Iris Berben Gast einer Gesprächsreihe, bei der darüber diskutiert werden soll, wie Frauen, die heute in der Öffentlichkeit stehen, ihre gesellschaftliche Rolle wahrnehmen. Dass dabei dann auch die Reformationsbotschafterin der EKD, Margot Käßmann, nicht fehlen darf, versteht sich fast von selbst.


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