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Mühlentag : Als es noch klapperte

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Insgesamt sind in Berlin und Brandenburg der Mühlenvereinigung zufolge noch 300 Mühlen erhalten - etwa zwei Drittel sind Windmühlen. Am Mühlentag wollen sich 75 Mühlen beteiligen.

Das Klappern dröhnt in den Ohren und es riecht nach einer längst vergangenen Zeit: In der Cottbuser Wassermühle an der Spree stehen haufenweise alte Maschinen - einst mahlten sie mit der Wasserkraft des Mühlenrads Roggen und Weizen. Heute müssen die Holzteile an dem Mühlenstein mit der Hand bewegt werden, wenn es noch einmal klappern soll. Zum bundesweiten Mühlentag am Pfingstmontag soll das inzwischen restaurierte Denkmal wieder öffnen. Die um 1800 erbaute Spreewehrmühle zeugt von der Tradition der Wassermühlen in Brandenburg.

Ralf Müller vom Spreewehrmühlenverein blickt stolz auf das große Holzrad mit sechs Metern Durchmesser - die letzten Schaufeln sollen bis Pfingsten eingesetzt sein. Es sei das größte Holzwasserrad in Ostdeutschland, das das Wasser von unten aufnehme. Das bestätigt auch die Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg. Von alten Wassermühlen gebe es heute noch in etwa 100 in Brandenburg, teilweise seien sie aber kaputt.

Bis 1959 war die Cottbuser Mühle noch in Betrieb, wie Müller sagt. „Als Kind habe ich noch mit meinem Großvater hier mahlen lassen.“ Um 1800 sei das Fachwerkhaus zunächst als Gräupchenmühle gebaut worden, später wurde über zwei Etagen Roggen und Weizen gemahlen. An den vielen gut erhaltenen Maschinen ist der technische Fortschritt bis hin zum elektrischen Mühlenbetrieb nachvollziehbar. Überall hängen Schilder in alter Schrift an den Geräten: Walzenstuhl oder Schrotgang mit Rüttelzeug steht zum Beispiel darauf.

Wassermühlen waren in Brandenburg laut dem Mühlenexperten Günter Bayerl von der BTU Cottbus wegen des geringen Gefälles weniger häufig angesiedelt als in höher gelegenen Regionen Deutschlands. Dort aber, wo es Wasserkraft gab, wurden sie genutzt - so etwa im Raum Eberswalde oder mit Hilfe eines Grabens in Peitz.

Mit dem Bevölkerungswachstum und der Ausdehnung des Gewerbes habe es etwa allein in der Niederlausitz Ende des 18. Jahrhunderts mehr als 50 Wassermühlen gegeben. Die Wasserkraft wurde laut Bayerl dazu verwendet, Getreide zu mahlen - oder in Gewerbemühlen für die Herstellung von Papier, Glas oder Eisen. „Dort, wo menschliche Kraft eben an ihre Grenzen kam“, sagt Bayerl.

Insgesamt sind in Berlin und Brandenburg der Mühlenvereinigung zufolge noch 300 Mühlen erhalten - etwa zwei Drittel sind Windmühlen. Am Mühlentag wollen sich 75 Mühlen beteiligen.

Die Cottbuser Wassermühle, die der Stadt gehört, will der 2007 gegründete Spreewehrmühlenverein künftig an einem Wochenende im Monat öffnen - oder bei gesonderten Anfragen. Dann wollen die älteren Herren das Spreewehr öffnen, damit sich das Rad wie einst wieder drehen kann. „Glück zu!“ wird es dann sicher heißen. „Das ist der typische alte Müllergruß“, sagt Müller.

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