Stadtschloss in Potsdam : Adler, Hitler und kein Ende

Wer die Pavillons ohne Vorkenntnisse betrachtet, dürfte vor einem Rätsel stehen.
Wer die Pavillons ohne Vorkenntnisse betrachtet, dürfte vor einem Rätsel stehen.

Gelbe Pavillons à la Schloss Sanssouci – „Kunst am Bau“ im Innenhof des Landtags stößt auf Kritik.

svz.de von
10. Juli 2014, 08:56 Uhr

Erst der Streit um den weißen Adler, dann ein Proteststurm wegen eines Hitler-Porträts, jetzt gibt es Ärger um die Kunst im Innenhof des Landtags. Ohne Erklärung unverständlich, in seiner Aussage plump und außerdem farblich misslungen, so lautet die Kritik. Lob gibt es hingegen für einen Schriftzug an der Fassade.

Zwei illusionistische Aluminium-Nachbauten des Mittelteils von Schloss Sanssouci – das ist der am Montag feierlich eingeweihte Siegerentwurf zur Kunst am Bau im Innenhof des Landtags in Potsdam. „Zugabe“ heißt das Werk – geschaffen vom Kölner Künstler Florian Dombois. Wenn man ein Knobelsdorff-Schloss wiederaufbauen kann, warum dann nicht gleich noch eins? Diese Überlegung hat den Künstler nach seinen eigenen Worten zum Entwurf und dessen Titel geführt – ein ironischer Kommentar auf die Kulissenhaftigkeit des Landtagsneubaus. Resultat ist nun ein nicht unproblematischer Stilmix aus Rokoko, Barock und Klassizismus im Hof. Parlamentsvizepräsidentin Gerrit Große (Linke) lobte die insgesamt 335 000 Euro teuren Pavillons, weil sie irritieren und provozieren, „eine augenzwinkernde Illusion in der Illusion“. Leonie Baumann, Vorsitzende des Preisgerichts und Rektorin der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, hofft, dass sich die Betrachter fragen, was hinter der Illusion steckt.

Aber hört man sich um, so sind die Vorbehalte bei Landtagsmitarbeitern und Besuchern groß. „Die Ironie erklärt sich nicht selbst, das ist ein Mangel“, heißt es etwa. Und wer das Werk erläutert bekomme, empfinde es als plakativ, als Schulmeisterei. „Nur Leute, die tatsächlich glauben, vor einem Hohenzollernschloss zu stehen, bringt dieses Kunstwerk vielleicht weiter.“ Der großen Mehrheit in Brandenburg sei jedoch klar, „dass das Haus nicht behauptet, Schloss zu sein“.

„Das Werk ist umstritten. Es gibt Kritik“, weiß auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Kralinsky. Er höre vor allem, dass sich Besucher an den Farben stören. Das Sanssouci-Gelb beißt sich in der Tat mit dem Landtags-Rosa. Kralinsky verteidigt die Pavillons eher halbherzig: „Sie werden oft fotografiert, und es wird viel über sie geredet. Dann können sie ja nicht so schlecht sein.“

Klagen gibt es außerdem darüber, dass sich nun zwei von zwei Bau-Kunstwerken einem Thema widmen, nämlich jener Kulissenhaftigkeit des Landtagsschlosses. Anders als für die Pavillons gibt es jedoch für den dezenten Schriftzug der Potsdamer Künstlerin Annette Paul „Ceci n’est pas un château“ (Dies ist kein Schloss) viel Lob. „Diese Ironie versteht jeder sofort“, sagt ein Landtagsmitarbeiter, der viele Gespräche mit Besuchern über den Landtagsneubau und die zugehörige Kunst geführt hat.

Der Satz auf der Außenfassade hin zur Stadt spielt auf ein berühmtes Gemälde von René Magritte an, der 1929 eine Pfeife gemalt hatte – und darunter den Schriftzug „Ceci n’est pas un pipe“. Die geläufige Interpretation des Magritte-Bilds: Der Künstler wollte herausarbeiten, dass die realistischste Abbildung eines Objekts nicht mit dem Objekt selbst gleichgesetzt werden dürfe.

Die jetzt vorgestellten Arbeiten sind Ergebnis des 2011 vom Finanzministerium gestarteten Wettbewerbs „Kunst am Bau“. In Deutschland ist es üblich, dass bei staatlichen Vorhaben ein Prozent der Bausumme in solche Projekte fließt. Sie sollen einen kulturellen Mehrwert für den Ort und die Architektur schaffen. In einer ersten Phase gingen 100 Vorschläge für die Landtagsgestaltung ein. Daraus wurden im März 2012 elf Arbeiten ausgewählt, die laut Landtagsverwaltung im Dialog zwischen den Künstlern und dem Preisgericht weiterentwickelt wurden. Der Jury gehörten neben Kunstexperten auch Vertreter der Verwaltung und der Landtagsfraktionen an.

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