Hörtartikel : Finanzielle Sorgen bei Brandenburgs Theatern

Manuel Soubeyrand, Intendant der Neuen Bühne Senftenberg: Das Theater rechnet mit bis zu 100 000 Euro Verlust im Monat.
Manuel Soubeyrand, Intendant der Neuen Bühne Senftenberg: Das Theater rechnet mit bis zu 100 000 Euro Verlust im Monat.

Theater und Veranstaltungshäuser in Brandenburg sind dicht. Wie gehen die Einrichtungen mit der Situation um?

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21. März 2020, 05:00 Uhr

In Brandenburg sorgen sich geschlossene Theater und Veranstaltungshäuser in der Corona-Krise darum, wie es mit ihnen weiter geht. Wie auch viele andere Einrichtungen im Land hat etwa die Neue Bühne Senftenberg den Spielbetrieb aufgrund der Ausbreitung des Virus vorübergehend eingestellt. Derweil „spielen die Schauspieler zu Hause und stellen die Filme später auf unserem Instagram-Kanal online“, berichtete Sprecherin Christiane Freitag.

 

Hohe Verluste im Monat

Derzeit ist der Spielstopp in dem Theater im Landkreis Oberspreewald-Lausitz bis zum 31. März geplant. Hinter verschlossenen Türen und vor leeren Publikumssälen werde aber dennoch gespielt. Die Proben für das Stück „Am Boden“ laufen – die Premiere ist für den 17. April geplant. Wie bedrohlich die Schließung für die Existenz des Theaters in Senftenberg ist, könne man noch nicht abschließend beurteilen. „Es kommt drauf an, wie lange die Schließung andauert“, sagte Freitag. Im Monat habe das Theater einen Verlust von 80 000 bis 100 000 Euro. Am Hans Otto Theater in Potsdam sind neben dem Spielbetrieb auch die Proben am Mittwoch eingestellt worden. Grund sei die Fürsorgepflicht der Theaterleitung, teilte das Haus mit.

Der Spielbetrieb ist zunächst bis zum 19. April unterbrochen. Ticketpreise werden als Gutscheine erstattet, wenn die Karten innerhalb von vier Wochen per Post an das Theater geschickt werden. „Wir warten alle, wie sich die Situation in einigen Wochen darstellen wird“, sagte Sprecher Björn Achenbach.

Wunsch nach Planungssicherheit

Die Stimmung unter den Schauspielern sei unterschiedlich. „Es gibt einige, die lieber weiter spielen wollen als zu Hause zu sitzen. Andere ängstigen sich.“ Online-Spielpläne oder Streaming-Dienste von Aufführungen seien noch nicht im Gespräch. Derzeit gehe es um ganz existenzielle Fragen. Wenn der Zeitraum für die Schließung ausgedehnt werde, könne das erhebliche finanzielle Einbußen zur Folge haben. Von der Politik wünsche man sich Planungssicherheit. Die Stadt Potsdam hatte am Dienstag nach einem Treffen der Kulturträger bekanntgegeben, dass alle Zuwendungen für das zweite Quartal weitergezahlt werden, auch wenn kein Spielbetrieb stattfinde.

Mit Blick auf die Rückgabe von bereits gekauften Tickets sagte die Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Noosha Aubel: „Überlegen Sie gut, ob Sie nicht möglicherweise darauf verzichten können und wenn Ihnen das möglich ist, haben Sie damit auch einen kleinen Beitrag getan, um die Einrichtung zu stabilisieren.“

Viel mit Absagen zu tun

Der Geschäftsführer vom Waschhaus in Potsdam, Mathias Paselk, kündigte an: „Wenn die Schließung verlängert wird und Hilfen ausbleiben, bedeutet das definitiv die Insolvenz.“ Das Veranstaltungshaus in der Schiffbauergasse habe neben den Zuwendungen mehr als 70 Prozent Eigenerwirtschaftungsquote. Paselk hofft darauf, dass die Kurzarbeit schnell von der Arbeitsagentur bewilligt werde, damit er seine Angestellten behalten könne. Die Mitarbeiter hätten gerade viel mit Absagen und Verschiebungen geplanter Veranstaltungen zu tun. Vorhandene Räume werden als Ateliers und Bühnen für Bandproben zur Verfügung gestellt. Für die Zeit der Schließung überlege man, Lesungen online anzubieten, Veranstaltungen als Podcast oder Videobotschaften bereitzustellen oder „virtuelle Partys“ zu organisieren, sagte Paselk.

Nicht existenbedrohend

Am Staatstheater Cottbus schaue man von Woche zu Woche und stelle sich auf einen Spielbetrieb nach dem 19. April ein. Das Haus könne keinen zusätzlichen Service anbieten. Technische Lösungen wie Live-Streams von Theatervorführungen seien mit einem erheblichen technischen Aufwand verbunden, sagte Sprecherin Gabriela Schulz. Das Kinder-und Jugendtheater Piccolo in Cottbus hat alle Vorstellungen abgesagt, auch die Proben fallen aus. Trotzdem sei die Zwangspause nicht existenzbedrohend, da das Theater von Land und Kommune bezuschusst werde, sagte ein Sprecher. Für die freien Mitarbeiter, die regelmäßig im Theater arbeiten, sollen Regelungen gefunden werden. Das Theater hat vor allem für Kinder ein umfassendes theater- und tanzpädagogisches Angebot.

Die Vizepräsidentin des Deutschen Kulturrats, Ulrike Liedtke, hält eine Absage aller Kulturveranstaltungen aus Vorsorge wegen des Coronavirus für sinnvoll. Sie verwies auf Kulturaktionen zum Beispiel im Internet. „Das finde ich herzerfrischend, dass man nicht aufgibt und sein Konzert in den vier Wänden solo mit Internetübertragung spielt.“

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