Brandenburg : Landesrabbiner will Schutz und Aufklärung

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Die Polizei bewertet die Lage neu und stimmt sich mit den jüdischen Gemeinden ab.

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10. Oktober 2019, 20:00 Uhr

Der Brandenburger Landesrabbiner Nachum Presman hält nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale einen größeren Schutz jüdischer Einrichtungen für notwendig. „Es muss mehr geschehen. Er sei traurig über die tödlichen Schüsse. „Das ist eine große, große Schande für Deutschland, dass solche Sachen noch passieren.“

Nötig sei mehr Vermittlung von Wissen in Schulen über den Holocaust, sagte Presman. „Das ist die einzige Möglichkeit, gegen solche Sachen zu kämpfen.“ Presman ist seit 23 Jahren in Potsdam.

Polizei verstärkte Präsenz

Ein schwerbewaffneter mutmaßlicher Rechtsextremist hatte am Mittwoch versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Nachdem der Versuch scheiterte, soll er vor der Synagoge und in einem Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen haben. Die Polizei in Brandenburg verstärkte danach ihre Präsenz vor jüdischen Einrichtungen.

Sie stimmt sich für die Verstärkung der Präsenz eng mit den jüdischen Gemeinden ab. Man sei mit ihnen in Kontakt, um die Sicherheitsbedürfnisse zu klären, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg. Es gehe um Gebetshäuser, Büros, Friedhöfe, Gedenksteine und Gedenktafeln. „Diese Orte unterziehen wir nochmal einer Bewertung.“

Auswirkungen auf die Koalitionsverhandlungen

Der Sprecher betonte: „Das haben wir sehr intensiv auf dem Schirm.“ Als Beispiel für eine verstärkte Präsenz nannte er eine Fußstreife während einer Veranstaltung, bei der der Rhythmus des Einsatzes intensiviert oder die durch eine feste Streife ersetzt werde.

Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke rief dazu auf, „Haltung zu zeigen, politisch aufzuklären und zu bilden“. Denn: „Der Hass auf Andersdenkende, Andersgläubige oder Andersaussehende ist in unserer Gesellschaft tief verwurzelt“, erklärte sie.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) appellierte ebenfalls an die Bürger: „Wir sind aufgefordert, gegen Antisemitismus klare Kante zu zeigen – immer und überall, und alles zu tun, dass in Brandenburg jüdisches Leben ungestört und ohne Angst stattfinden kann“, sagte der Politiker. „Dass jüdische Einrichtungen in Brandenburg besonders geschützt werden, das ist gestern unverzüglich passiert.“

Die Tat in Halle werde Auswirkungen auf die Koalitionsverhandlungen von SPD, CDU und Grünen im Land haben, sagte Woidke. „Wir werden diesen Punkt nicht außer acht lassen, sondern wir werden alles dafür tun, dass jüdisches Leben, das zu Deutschland gehört, das zu Brandenburg gehört, hier ungehindert stattfinden kann.“ Seite 4

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