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Brandenburg

18. August 2017 | 10:59 Uhr

Laufpark : 540 Kilometer pure Natur

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Auf 70 ausgeschilderten Strecken können Jogger die Region zwischen Rheinsberg, Fürstenberg, Gransee und Zehdenick erkunden

Mit sechs Einzelstrecken und 55 Kilometern ging der Laufpark Stechlin 2004 ans Netz. Heute ist er mit 540 Laufkilometern und rund 70 Einzelstrecken schon zehn Mal so groß und umfasst inzwischen das ganze Gebiet zwischen Gransee, Fürstenberg, Rheinsberg und Zehdenick.

Wir treffen uns mit Wolfgang Schwericke, dem Vater des Laufparks am Naturparkhaus in Menz, um mit ihm ein wenig zu joggen. Es ist 15 Uhr und mit 26 Grad im Schatten ziemlich warm. Schwericke, der sonst später läuft, schlägt daher vor, durch die Wälder am Roofensee zu laufen. Die Buchenwälder sind schattig und kühl. Vom Roofensee weht eine sanfte kühle Brise. Der schmale Weg ist auch optisch reizvoll. Er führt so dicht am Ufer entlang, dass ein falscher Schritt ein unfreiwilliges Bad bedeuten kann.

Schwericke nimmt ganz gern mal ein freiwilliges. „Das ist ja das Schöne. Man kann hier auch überall anhalten, baden, irgendetwas entdecken.“ Allein an der knapp zehn Kilometer langen Strecke, die wir gemeinsam erkunden, liegen mehrere Moore und ein Naturerlebnispfad. Die Natur im Stechlinseegebiet gehört zu den ursprünglichsten der Region.

Dort kam Schwericke, Fachbereichsleiter im Amt Gransee, zur Jahrtausendwende die Idee für den Laufpark. Am großen Stechlinsee bereitete er sich auf den Berlin-Marathon vor. „Ich bin die ganze Zeit am Ufer gelaufen, es war traumhaft. Man kann überall ans Wasser. Ich dachte, daran muss man auch andere teilhaben lassen.“

Schwericke, 57 Jahre alt und seit 1982 aktiver Läufer, schrieb ein Konzept. 2004 gingen die ersten sechs Strecken mit 55 Kilometern ans Netz. Inzwischen ist das Streckennetz auf 540 Kilometer angewachsen und umfasst die gesamte Region zwischen Rheinsberg, Lindow, Gransee, Zehdenick und Löwenberg. Gebaut werden musste dafür nicht. „Wir nutzen nur Wege, die es schon gibt“, sagt Schwericke.

Sie sind farblich gekennzeichnet und nummeriert, damit sich die Läufer jederzeit orientieren können. „Wir haben ein System mit 17 Waben. Jede Wabe hat einen Umkreis von 25 bis 35 Kilometern. Das sind die Streckenlängen fürs Marathontraining“, erläutert Schwericke. Wem das zu viel ist, der kann Runden innerhalb der Wabe laufen, die rund zehn Kilometer lang sind. Die kürzeste Runde misst gut fünf Kilometer. Wer einmal um den Laufpark joggt, hat es auf 145 Kilometer gebracht.

„Man kann alles miteinander kombinieren, sich die Strecken individuell legen“, sagt Schwericke. Auf der Internetseite lässt sich eine Strecke vorher planen und aufs Smartphone herunterladen. „Dann führt das Gerät den Läufer durchs Revier.“

Und wer sich trotzdem verläuft? Während unseres Laufs am Roofensee verlässt Schwericke immer wieder die offiziellen Laufpark-Routen, um auf reizvolle Moore und andere Naturschönheiten hinzuweisen. „Man kann vom Weg abkommen, ohne sich Sorgen zu machen. Unser Wegenetz ist so dicht gespannt, dass man früher oder später wieder auf eine ausgeschilderte Route stößt.“

Landschaftlich habe der Laufpark alles zu bieten, was die Region hergibt: Felder, Wiesen, Buchen- und Kiefernwälder. „Unsere Wege steuern jeden See in der Region an“, erklärt Schwericke. Die Wege sind in der Regel naturbelassen, nur selten asphaltiert. Crossläufer kommen in der bisweilen hügeligen Landschaft ebenfalls auf ihre Kosten. „Die Halbmarathonstrecke beim Stechlinseelauf kommt auf 648 Höhenmeter“, so Schwericke.

Einsteigen könnten Läufer überall. An Prämiumstartorten wie Menz, Fürstenberg, Gransee oder Lindow könnten Läufer auch ihre Autos parken. Zudem gebe es dort Duschen, Unterkünfte, gastronomische Einrichtungen und große Laufpark-Übersichtskarten. „Alle unsere Wege führen durch Ortschaften. Wer also sein Getränk vergessen hat, hat im Schnitt alle fünf Kilometer die Möglichkeit, sich zu versorgen.“

Wolfgang Schwericke sagt, der Laufpark sei in seiner Ausdehnung und Kompaktheit einmalig in Deutschland. Der Ultralangläufer legt hier an drei bis vier Werktagen pro Woche jeweils zehn bis zwölf Kilometer zurück. „An den Wochenenden werden es auch mal 30, 40 oder 50 Kilometer.“ Bei Wettkämpfen rennt Schwericke jenseits von gut und böse. Sein Einzelstreckenrekord liegt bei 163 Kilometern. In diesem Jahr peilt er einen Lauf über 245 Kilometer an.

In Schuss gehalten wird der Laufpark Stechlin von Mitgliedern des gleichnamigen Vereins. Immer wieder organisiert er Veranstaltungen wie den Stechlinsee-, den Wutzsee- oder den Wasserstadtlauf.

Tilman Trebs

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von
erstellt am 13.Mai.2016 | 14:00 Uhr

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