Brandenburg : 26 Bahnhöfe stehen zum Verkauf

Der Wittenberger Bahnhof  steht auf einer Liste nicht mehr benötigter Immobilien der Deutschen Bahn.
Der Wittenberger Bahnhof steht auf einer Liste nicht mehr benötigter Immobilien der Deutschen Bahn.

Die Deutsche Bahn trennt sich aus wirtschaftlichen Gründen von zwei Dritteln der Empfangsgebäude in Brandenburg

svz.de von
19. März 2016, 05:00 Uhr

Die Deutsche Bahn (DB) stößt zwei Drittel ihrer Bahnhofsgebäude in Brandenburg ab. Nach Informationen der Grünen im Landtag plant der Konzern 26 seiner im Land verbliebenen 41 Bahnhöfe zu verkaufen. Die Bahn begründet dies damit, die Immobilien nicht wirtschaftlich betreiben zu können.

Für lediglich 15 Bahnhofs-immobilien will die DB in Brandenburg noch Verantwortung übernehmen, darunter Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder). Empfangsgebäude in Prenzlau, Wittenberge, Templin und Guben will der Konzern veräußern, weil sie nicht wirtschaftlich zu betreiben sind, wie ein Bahnsprecher gestern sagte.

„Zum Betreiben der Verkehrsstationen sind die Empfangsgebäude nicht notwendig“, heißt es seitens der Bahn. Begründet wird der Verzicht auf konventionelle Bahnhofsgebäude damit, dass die Stationen mit modernen Reisenden-Informationsanlagen und Wetterschutzeinrichtungen ausgestattet seien.

Die Grünen im Brandenburger Landtag befürchten nun einen Verfall der Häuser. Heutzutage, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Michael Jungclaus, würden Bahnhöfe meist nur noch aus Bahnsteig und Wetterschutz bestehen. „Doch es muss verhindert werden, dass die alten Bahnhofsgebäude weiter verfallen“, fordert der Politiker. Die DB Station & Service AG als Betreiber der Immobilien müsse beim Verkauf darauf achten, dass tragfähige Nachnutzungskonzepte im öffentlichen Interesse gefunden werden – Fahrradverleihstationen, Restaurants oder Bibliotheken.

Der Berliner Fahrgastverband IGEB unterstützt daher die Forderung der Grünen, Städten und Kommunen bei einer Veräußerung ein Vorkaufsrecht einzuräumen. „Bahnhöfe waren einst die Visitenkarte einer Stadt. Wenn Bahnhöfe wie Templin als Anlaufpunkt für viele Touristen veräußert werden, muss gewährleistet sein, dass dort weiter ein Angebot vorgehalten wird“, sagt IGEB-Sprecher Jens Wieseke. Der Landtag hatte sich erst kürzlich auf Antrag der Grünen in einem Beschluss mehrheitlich für die Revitalisierung und Nachnutzung alter Bahnhofsgebäude ausgesprochen und die Landesregierung aufgefordert, Kaufinteressenten Möglichkeiten zur Finanzierung solcher Projekte aufzuzeigen. „Die Bahn sollte Projekten, die einen öffentlichen Zugang zu den alten Bahnhofsgebäuden gewähren, Vorrang und Kommunen ein Vorkaufsrecht einräumen“, erklärt Jungclaus und kritisiert die DB dafür, nur rentable Gebäude mit einem guten Serviceumfeld zu behalten. „Das ist Rosinenpickerei“, sagt der Politiker. Die Bahn solle sich nicht nur der Wirtschaftlichkeit, sondern auch dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen.

Andreas Wendt

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