zur Navigation springen

Wie weiter mit den Wisenten : 230 Tiere in Grenznähe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Erster polnisch-deutscher Workshop nach dem Abschuss von Lebus – experten raten zu mehr Gelassenheit in Brandenburg

svz.de von
erstellt am 02.Dez.2017 | 05:00 Uhr

Im September herrschte beiderseits der Oder Aufregung, nachdem in Lebus (Märkisch-Oderland) ein Wisent abgeschossen wurde, das aus Polen gekommen war. Gestern hatte der Landkreis Gorzów deutsche Kommunalpolitiker und Experten zu einem Workshop eingeladen. In den Wojewodschaften Westpommern und Lebuser Land, die an Brandenburg grenzen, leben derzeit rund 230 bis 240 Wisente in freier Wildbahn. Das war eine der wichtigsten Informationen, die die Brandenburger Teilnehmer von dem Workshop „Wilde Tiere kennen keine Grenzen“ mitnahmen.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass ähnlich wie im September wieder mal ein Tier durch die Oder schwimmt, ist also nicht gering“, erklärte Maciej Tracz, der an einem Auswilderungsprojekt beteiligt ist.

„Wir haben es erlebt, dass die Tiere von dort in unsere Region gekommen sind und dass es am Anfang Akzeptanzprobleme gab“, berichteten Vertreter aus der Wojewodschaft Lebuser Land. Doch außer bei einigen Verkehrsunfällen sei es bisher zu keinen Zusammenstößen mit Menschen gekommen.

Auch zu den von Landwirten gefürchteten Vermischungen mit Rindern sei es nicht gekommen. „Zwar suchten die Wisente zwei, drei Tage lang die Gemeinschaft von Rinderherden, aber zu Paarungen kam es nicht“, berichtete Tracz.

„Interessant für uns ist auch, dass ein ähnliches Projekt mit Luchsen in Polen gestartet werden soll“, sagte der Beigeordnete Rainer Schinkel aus dem Landratsamt Märkisch-Oderland.

Die Gorzower Landrätin Malgorzata Domagala erklärte, es liege im beiderseitigen Interesse, sich über den Umgang mit den Tieren zu informieren. Als Beispiel für grenzüberschreitende Probleme nannte sie auch die Vogelgrippe.

Für Schmunzeln sorgte unter polnischen Experten ein Teil der Empfehlungen zum Umgang mit Wisenten, die das Brandenburger Umweltministerium an die Landkreise verschickte. Darin heißt es: „Es sollte versucht werden, die Tiere einzuzäunen oder in eine bestehende umzäunte Weide zu treiben, um den Genehmigungsbehörden ausreichend Zeit zu geben, über das weitere Verfahren zu entscheiden.“

Dazu sagte der polnische Experte Maciej Pracz, es sei nicht ungefährlich, sich den Tieren zu nähern. Besser wäre es, diese zu betäuben und mit Sensoren zu kennzeichnen, um ihren Lebensweg nachvollziehen zu können. „Wenn ihr daran interessiert seid, dass sich Wisente in Deutschland ausbreiten, braucht es Liebe und weniger Gewalt“, gab Tracz den Brandenburgern auf den Heimweg mit.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen