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Unwetter in MV : Video: „Herwart“ stärker als „Xavier“ - mehrere Tote

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Schwerer Unfall auf A20, zahlreiche Schäden, Bahnverkehr beeinträchtigt

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2017 | 09:29 Uhr

Sturmtief „Herwart“ hat in Mecklenburg-Vorpommern vor allem am Sonntag den Verkehr auf Straßen, Schienen und auf dem Wasser ausgebremst. Hunderte Bäume wurden entwurzelt, viele blockierten Straßen und Wege. In Wolgast beschädigten umgefallene Bäume den Zaun eines Wolfsgeheges.

An der Nordsee wurde ein 63-jähriger Camper von der Sturmflut überrascht und ertrank. Mehrere Menschen verletzten sich bei Sturm-Unfällen. In Polen und Tschechien waren mindestens drei Todesopfer zu beklagen.

Polizei und Feuerwehr in Mecklenburg-Vorpommern mussten in der Nacht und am Sonntag zu hunderten Einsätzen ausrücken. Die Bahn hatte den Verkehr wegen Sturmschäden auf den Strecken Rostock-Hamburg, Stralsund-Berlin, Rostock-Sassnitz, Wismar-Tessin sowie zwischen Lübeck und Stettin vorübergehend eingestellt. Auch die S-Bahn in Rostock fuhr zeitweilig nicht. In Westmecklenburg waren bis zu 9000 Kunden des Schweriner Energieversorgers Wemag zum Teil stundenlang ohne Strom, wie das Unternehmen mitteilte. Windböen von mehr als 100 Kilometern pro Stunde und örtliche Orkanböen verursachten Störungen am Netz durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume. 

Auf dem Campingplatz Klein Strömkendorf beschädigten Bäume und herabfallende Äste Campingwagen. Insgesamt meldete die Rettungsleitstelle Rostock mehr als 300 Einsätze, die Schweriner rund 250. In Neubrandenburg und Stralsund waren es etwa halb so viele. Landesweit kam es zu Unfällen, bei denen Autos gegen Bäume auf der Fahrbahn fuhren. Die Helfer rückten auch wegen teilweise abgedeckter Dächer und umgefallener Gerüste aus. Zwei Wohnhäuser wurden von Bäumen beschädigt.

In Wolgast musste der Zaun des Wolfsgeheges erneuert werden.
In Wolgast musste der Zaun des Wolfsgeheges erneuert werden.

Auch im Familientierpark Wolgast riss der Sturm mehrere Bäume auf dem Gelände um. Sie fielen direkt auf den Zaun vom Wolfsgehege. Eile war geboten denn der Zaun war auf mehreren Metern offen. Zwei Kameraden sicherten die Einsatzkräfte ab, die anderen zersägten die riesigen Bäume. Alles ging gut. Mitarbeiter vom Tierpark unterstützten die Arbeiten und setzten gleichzeitig einen neuen Zaun.

Eine Bootsfahrt auf dem Peenestrom zwischen Wolgast und Zecherin endete mit zwei Toten.

In Rostock knickten auf Grund des Sturms dutzende Bäume um und stürzten auf Straßen und Autos. In der Ziolkowskistraße in der Südstadt musste die Feuerwehr ausrücken, um einen durchgebrochenen und auf zwei Autos gestürzten Baum zu beseitigen. Es kam aber in allen Stadtteilen zu zahlreichen Einsätzen von Polizei und Feuerwehr. So musste die Stadtautobahn auf Höhe Evershagen kurzzeitig gesperrt werden, da ein großer Baum auf der Fahrbahn die Weiterfahrt versperrte. Die Kameraden rückten mit Kettensägen an und zerteilten die Bäume.

Besonders hart getroffen hat es ein Toyota-Autohaus im Dierkower Brückenweg. Dort riss der Sturm ein riesiges Pavillon aus der Verankerung und wehte es über den Betriebshof. Dabei wurden sieben Autos zum Teil erheblich beschädigt. Zudem knickten hier mehrere Laternen ab und stürzten auf Autos, eine Tanne brach entzwei. Viele Feuerwehren sind - Stand 6.15 Uhr - pausenlos im Einsatz. Personenschäden wurden glücklicherweise noch nicht gemeldet.

Bahnverkehr

Auf den meisten Linien konnte der Zugbetrieb wieder aufgenommen werden. Auf folgenden Linien bzw. Streckenabschnitten gibt es noch folgende Einschränkungen:


RE 1
Verkehrt: Rostock - Schwerin
Ausfall: Schwerin - Hamburg
Busnotverkehr zwischen Schwerin und Hamburg (es sind 3 Ersatzbusse zwischen Schwerin und Hamburg im Einsatz (ohne Unterwegshalte)
(Prognose: Aufnahme Zugverkehr Montag 15 Uhr)

RE 3
Verkehrt: Stralsund - Berlin Hbf und Berlin Hbf - Lutherstadt Wittenberg / Falkenberg ab Betriebsbeginn
Es kommt noch zu Verspätungen und einzelnen Zugausfällen

RE 5
Verkehrt: Rostock - Oranienburg und Stralsund - Oranienburg sowie Berlin Gesundbrunnen - Wünsdorf-Waldstadt. Es kommt noch zu Verspätungen.
(ab Oranienburg weiter baubedingt mit S-Bahn nach Berlin)

Quelle: Deutsche Bahn Verkehrsmeldungen MV (Stand 30.10. -  6.00 Uhr)

Für Fragen und Hinweise stehen Ihnen darüber hinaus der Kundendialog DB Regio Mecklenburg-Vorpommern unter 0385 750-2405 montags bis freitags von 6.00 Uhr bis 20.00 Uhr zur Verfügung

Im Bereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg kam es zu Sachschäden an Fahrzeugen und Häusern. Im gesamten Bereich kam es zu Meldungen über umgestürzte Bäume, die teilweise oder vollständig die Straßen blockierten. Zu Sachschäden kam es unter anderem in Zinnowitz, wo ein Baum auf mehrere Autos stürzte und vier davon beschädigte. Der Sachschaden beläuft sich auf ca. 5000,-Euro. In Heringsdorf stürzte ein Baum auf drei PKW, der Schaden wird auf ca.  20.000,-Euro geschätzt.  Im Greifswalder Birnenweg stürzte ein Baum auf ein Wohnhaus und beschädigte dieses. Zur Schadenshöhe können gegenwärtig noch keine Angaben gemacht werden. Bei Richtenberg kollidierte ein PKW mit einem Ast auf der Fahrbahn, es entstand Sachschaden von ca. 150,-Euro. Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren und der Berufsfeuerwehren befanden sich im Einsatz, um die Straßen schnellstmöglich wieder frei zu machen. Die Aufräumarbeiten dauern gegenwärtig noch an.

Foto: Susan Ebel
 

In Bad Stuer stürzten gleich vier Bäume auf ein Ferienhaus. Die Feuerwehr kam zum Einsatz.

Hagelschauer löst schweren Verkehrsunfall auf A20 aus

Herbststurm "Herwart" kommt nicht nur mit starken Winden daher, sondern bringt auch kräftigen Hagel mit. Auf der Autobahn 20 an der Anschlussstelle Bad Doberan ist es am Sonntagvormittag wegen eines starken Hagelschauers zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen. Wie die Autobahnpolizei mitteilte, gerieten gegen 10 Uhr unabhängig voneinander zwei Autos ins Schlingern, drehten sich und prallten gegen die Leitplanke. Weitere, dahinter fahrende Autos, konnten noch rechtzeitig bremsen und krachten nicht in die Unfallstelle.

<p>Unfall auf der A20</p>

Unfall auf der A20

Foto: Stefan Tretropp
 

Mehrere Feuerwehren, Rettungswagen und ein Notarzt kamen zum Einsatz. Insgesamt erlitten zwei Autoinsassen leichte Verletzungen und kamen in Krankenhäuser. Die Autobahn 20 bei Bad Doberan musste kurzzeitig in Richtung Rostock voll gesperrt werden. Der Asphalt an der Unfallstelle war mit Hagelkörnern übersät.

Foto: Stefan Tretropp
 

In Brandenburg war die Nacht ruhig, die ersten Sturmschäden meldete der Lagedienst des Innenministeriums am frühen Morgen. Unter anderem gebe es entlang der Autobahnen 11 und 12 umgestürzte Bäume. In Hannover stürzte ein Baum auf drei Autos, wie ein Polizeisprecher am Morgen mitteilte.

„Herwart" braust über Deutschland hinweg

In Berlin wurde die Feuerwehr am Sonntagmorgen binnen drei Stunden zu 100 Einsätzen gerufen. Sie rief den Ausnahmezustand aus und mobilisierte alle Freiwilligen Feuerwehren der Hauptstadt. Die Deutsche Bahn stoppte großflächig ihre Züge. In sieben Bundesländern rollten bis auf Ausnahmen keine Züge mehr, teilte eine Bahnsprecherin am Sonntag mit.

Die Bahn erklärte, wegen „Herwart" führen derzeit keine Züge mehr in Nord- und Mitteldeutschland. Betroffen seien praktisch alle Strecken in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Züge aus anderen Regionen in diese Gebiete endeten vorzeitig. In Hamburg fuhr die S-Bahn noch eingeschränkt.

Die Leitstellen in Schleswig-Holstein berichteten in der Nacht zum Sonntag von umgekippten Bäumen, eingestürzten Baugerüsten und weggeflogenen Trampolinen. Im nordfriesischen Oldenswort fiel eine historische Mühle dem Sturm zum Opfer.

Am Hamburger Hafen trat die Elbe übers Ufer. Nahe der Elbphilharmonie drohte eine Tiefgarage vollzulaufen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Offenbar hätten die Flutschutztore die Garage nicht gut funktioniert. Die Elbchaussee entlang des Hamburger Hafens wurde einem Polizeisprecher zufolge überspült. Sie wurde teilweise gesperrt. Auch der Hamburger Fischmarkt wurde gesperrt.

Der Pegelhöchststand in Hamburg von 2,5 Metern über dem mittleren Hochwasser sollte um etwa 10.00 Uhr erreicht werden. Die Hamburger Feuerwehr rückte bis zum Morgen 170 Mal aus. Bei den Einsätzen handele es sich im Wesentlichen um Bäume und Äste auf Straßen, aber auch auf Autos und Häusern.

In Berlin deckte der Sturm am Morgen ein komplettes Hausdach ab. «Teile liegen auf der Straße», sagte ein Feuerwehrsprecher. An zwei Orten in Berlin stürzten zudem Baugerüste um - ein Fußgänger wurde dabei schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Zwei S-Bahnen rammten umgestürzte Bäume. Verletzte habe es in beiden Fällen nicht gegeben.

Seine volle Kraft sollte «Herwart» nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Deutschland im Laufe des Sonntagvormittags entfalten.  An der Nordsee und im höheren Bergland müsse gar mit Orkanböen gerechnet werden, warnten die Meteorologen am Samstag. So werden an der Nordsee Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometern in der Stunde erwartet. Auch für viele Teile der Ostseeküste gabe es eine Sturmwarnung. Im Westen und Südwesten hingegen ist die Sturmgefahr nach DWD-Angaben geringer. Ungemütlich kann es trotzdem werden: Landesweit wird mit schauerartigem und teilweise gewittrigem Regen gerechnet.

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