Konzept bewilligt : Landesweite Ehrenamtskarte ab 2020

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Mehr als jeder Dritte in Mecklenburg-Vorpommern ist in irgendeiner Form ehrenamtlich aktiv. Mit einer landesweit gültigen Ehrenamtskarte sollen nun die Leistungen besonders engagierter Menschen gewürdigt werden.

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22. Januar 2019, 06:11 Uhr

Von 2020 an soll es in Mecklenburg-Vorpommern eine landesweit gültige Ehrenamtskarte geben, die Rabatte beim Einkaufen und Nachlässe etwa bei Eintrittspreisen ermöglicht. Die Karte solle nach dem Vorbild vieler anderer Bundesländer dazu dienen, herausragendes Engagement in Vereinen, Verbänden oder örtlichen Initiativen zu würdigen, sagte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) am Dienstag in Schwerin.

Kooperation mit Unternehmen aus Kultur und Handel

Nun gelte es, möglichst viele Unternehmen und Institutionen als Partner zu gewinnen. Infrage kämen Einrichtungen des Handels und der Gastronomie, Museen, Theater oder auch Schwimmbäder. „Erfahrungen aus Bayern zeigen, dass sich die Teilnahme rentiert. Unternehmen bekommen Werbung und binden Kunden. Kultureinrichtungen verzeichnen mehr Besucher, weil Inhaber der Ehrenamtskarte oft Partner und Kinder mitbringen“, sagte der Geschäftsführer der Ehrenamtsstiftung, Jan Holze.

Am Dienstagvormittag hatte die Landesregierung dem Konzept für die landesweite Ehrenamtskarte zugestimmt. Ein Jahr lang war über die Ausgestaltung debattiert worden, unter anderem bei Ehrenamtsmessen und Bürgerforen. Die Vorlage geht nun zur Beratung und Beschlussfassung an den Landtag.

Wir sind das Bundesland in Ostdeutschland mit dem höchsten Anteil an Ehrenamtlern. Deshalb rechnen wir mit einer großen Anzahl von Anträgen. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD)
 

Nach Dreses Angaben sind im Nordosten rund 600.000 Menschen ab 14 Jahren in Sport- und Kulturvereinen, in sozialen und Umwelt-Organisationen, in Freiwilligen Feuerwehren, im Katastrophenschutz oder in regionalen Initiativen aktiv. Das entspricht mehr als 40 Prozent der Bevölkerung.

Voraussetzung für Ehrenamtskarte: mindestens 250 Stunden/Jahr ehrenamtlicher Tätigkeit

Ein Limit für die personengebundenen und jeweils für drei Jahre gültigen Karten wird es laut Drese nicht geben. Doch müssten einige grundlegende Kriterien erfüllt werden. Dem Entwurf zufolge soll die Vergabe an ein Mindestpensum von 250 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit im Jahr gebunden sein, etwa fünf Stunden je Woche. Die Karte sollen zudem nur Menschen erhalten, die zuvor wenigstens schon drei Jahre ehrenamtlich aktiv waren. Bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren reiche ein Jahr. Auch Personen, die als Trainer oder Betreuer schon Aufwandsentschädigungen erhalten, oder Kommunalpolitiker sollen Träger der Ehrenamtskarte sein können.

Drese betonte, dass die Vergabe möglichst unbürokratisch erfolgen und mit einer schlanke Verwaltung verbunden seien solle. „Die Akteure vor Ort können sehr gut einschätzen, wer anhand der erarbeiteten Kriterien eine Ehrenamtskarte verdient hat“, zeigte sie sich sicher.

Antragsstellung über Online-Formular

Die Antragstellung solle möglichst über ein Online-Formular erfolgen, die Beurteilung und Genehmigung über die Ehrenamtsstiftung und die Mitmachzentralen in den Kreisen. Für die Einführung der Ehrenamtskarte wolle das Land von 2020 bis 2023 knapp 2,9 Millionen Euro bereitstellen.

Die oppositionelle Linksfraktion begrüßte die Pläne. „Was lange währt, wird endlich gut. Es ist in der Tat gut, dass sich nun endlich auch Mecklenburg-Vorpommern konkret auf den Weg macht, Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler besser zu unterstützen“, sagte die Linken-Abgeordnete Jeannine Rösler.

Kritik an Finanzierung und Umsetzbarkeit

Doch habe die geplante Finanzierung aus dem befristeten Strategiefonds mit Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit wenig zu tun, monierte sie.

Kritischer reagierte die AfD. Das Konzept der Landesregierung sei unklar formuliert und bedeute zusätzlichen bürokratischen Aufwand. „Sollen jetzt etwa Arbeitsnachweise für ehrenamtliche Tätigkeiten geführt werden“, fragte der AfD-Abgeordnete Thomas de Jesus Fernandes. Drese hatte zuvor aber erklärt, dass die Prüfung der Ehrenamtstätigkeit „nicht mit der Stoppuhr in der Hand“ erfolge.

Auf kommunaler Ebene existiert die Ehrenamtskarte im Nordosten bereits, in Rostock, Schwerin, Parchim und Vorpommern-Greifswald.

Doch ist Mecklenburg-Vorpommern eines von nur noch vier Bundesländern, in denen es keine landesweit gültige Karte gibt.

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