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Ratgeber

24. Oktober 2017 | 00:55 Uhr

Wo der Wäschetrockner eine Leine ist

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2011 | 07:42 Uhr

Diese Masche ist einfach nicht auszurotten: Mit Gewinnversprechen werden vor allem ältere Menschen auf Kaffeefahrten gelockt, um ihnen dann zumeist minderwertige und überteuerte Produkte anzudrehen. Obwohl sie eigentlich nichts kaufen wollten, kehren sie mit Betten, Decken oder Kochtöpfen, Badezusätzen, Gesundheitsprodukten oder einer Reisebuchung zurück. "Einladungen zu einer solchen Gewinnübergabe, Sommer- oder Ausflugsfahrt gehören unkommentiert in den Papierkorb", sagt Joachim Geburtig von der Neuen Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. "Zu reagieren - und sei es nur um abzusagen, sei schon zu viel. Dadurch bestätigt der Einzelne, dass die Adresse existiert und richtig ist." Auch von Drohungen, dass bei Nichtteilnahme auf jeden Fall Stornokosten zu zahlen sind, müsse sich niemand einschüchtern lassen. "Die Veranstalter wollen nur Ängste schüren."

Ohne Geld und Bankkarte in den Bus steigen

Auch versprochene Gewinne von 2500 Euro, 10 000 Euro oder mehr sollten den Verbraucher nicht blind machen. "Niemand hat etwas zu verschenken, und auch die Kosten für Fahrt, Essen und Geschenke müssen gedeckt werden", erklärt Joachim Geburtig. Einzige Einnahmequelle sind - neben den meist mickrigen Teilnehmerbeiträgen - die beworbenen und verkauften Produkte. Und so zahlt der vermeintliche Gewinner am Ende regelmäßig drauf.

Gerade ältere alleinlebende Menschen sehen die Ausflugsfahrten für kleines Geld dennoch als willkommene Abwechslung und wollen nicht darauf verzichten. "Wer mitfahren möchte, sollte wenigstens kein Bargeld und keine Bankkarte mitnehmen", rät der Verbraucherschützer. Denn "Nein" zu sagen, ist gegenüber den besonders geschulten, zum Teil auch aggressiv auftretenden Verkäufern oft schwer. Und wer will auf das Schnäppchen schon verzichten, wenn es 60 Prozent Rabatt gibt? Und wenn die Pillen oder Wässerchen in der Datenbank für Apotheken doppelt so teuer sind, kann man doch nichts falsch machen. "Doch", sagt Joachim Geburtig. "In die Datenbank kann jeder seine Produkte mit Preis eintragen, auch wenn sie in keiner einzigen Apotheke verkauft werden." Bei Kaffeefahrten fehlt einfach die Möglichkeit, Preise zu vergleichen.

Trotzdem kehren viele Teilnehmer mit unterschriebenen Verträgen von solchen Ausflügen zurück. Zu Hause stellen sie fest, dass das Schnäppchen gar keines ist, die Ware nichts taugt oder schlicht das Geld fehlt um zu bezahlen. "Dann sollte man den Kaufvertrag schnellstens widerrufen - am besten per Einschreiben mit Rückschein", sagt Joachim Geburtig. "Das ist binnen zwei Wochen ohne Angabe von Gründen möglich." Um dieses Verbraucherrecht problemlos nutzen zu können, sollte man vor der Unterschrift schauen, ob das Datum im Vertrag korrekt angegeben und die Adresse des Unternehmens vermerkt ist. Wichtigstes Indiz für einen unseriösen Veranstalter ist es, wenn die angebliche Firma nur eine Postfach-Adresse hat. Das deutsche Widerrufsrecht gilt übrigens auch für Kaffeefahrten in das Ausland, wenn dafür in Deutschland geworben wurde und die Tour von einem deutschen Unternehmen durchgeführt wurde. Wer sich unsicher ist oder sich betrogen fühlt, kann sich an die Verbraucherzentrale wenden. Am sichersten ist es aber, auf einem "Ausflug mit Möglichkeit zur Teilnahme an einer Werbeveranstaltung" gar nicht erst etwas zu kaufen.

"Einen Briefkasten kann man schlecht verklagen"

Und was wird aus den versprochenen Gewinnen? Die lösen sich in der Regel in Luft auf oder werden ganz, ganz winzig. Da kann ein Bargeldgewinn von 150 Euro zu einer Auszahlung von 1 Euro führen, ein Wäschetrockner kann eine Wäscheleine sein und ein "Leckeres reichhaltiges Mittagsessen, das man einfach mitnehmen muss" entpuppt sich als eine Tüte Pulversuppe. In anderen Fällen wird der "Gewinn" beim Kauf eines Produktes oder bei Buchung einer Reise verrechnet oder der Bargeldpreis wird unter allen Teilnehmern aufgeteilt. Dass Verbraucher zugesagte Gewinne - selbst wenn das Versprechen verklausuliert war - einklagen können, hilft nicht unbedingt weiter. "Einen Briefkasten kann man schlecht verklagen", sagt der Verbraucherschützer. Und viel mehr ist von dem angeblichen Unternehmen, das die Einladungen verschickt hat, in der Regel nicht bekannt.


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