Gegen extremes Winterwetter hat Technik keine Chance : Winterwetter bringt Flugpläne ins Rutschen

<strong>Der Rekord-Eisregen am Frankfurter Flughafen</strong> brachte die Reisepläne tausender Passagiere  durcheinander. Auf die zahlreichen Flugausfälle folgte gestern ein langer Rückstau, der auch in die Flugpläne anderer Städte Lücken riss.<foto>Arne Dedert/dpa</foto>
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Der Rekord-Eisregen am Frankfurter Flughafen brachte die Reisepläne tausender Passagiere durcheinander. Auf die zahlreichen Flugausfälle folgte gestern ein langer Rückstau, der auch in die Flugpläne anderer Städte Lücken riss.Arne Dedert/dpa

Gestern gab es wieder zahlreiche Verspätungen und Flugausfälle. Viereinhalb Millionen Liter Enteisungsmittel stehen in Frankfurt bereit. Doch gegen das extreme Winterwetter hat auch schwere Technik keine Chance.

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22. Januar 2013, 09:44 Uhr

Das Winterwetter hat die Flugpläne in vielen deutschen Städten ins Rutschen gebracht: Auch gestern gab es wieder zahlreiche Verspätungen und Flugausfälle. Hauptgrund ist der Rekord-Eisregen am Frankfurter Flughafen vom Sonntag, dessen Folgen sich bundesweit bis gestern auswirkten. Allein in Frankfurt seien bislang rund 200 Flüge gestrichen worden, sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport gestern. Grund sei vor allem ein Rückstau, weil am Sonntag viele Maschinen am Boden geblieben waren. Auf dem Flughafen München fielen gestern insgesamt gut 120 Flüge aus. Verspätungen und Flugausfälle gab es auch auf den Flughäfen Berlin-Tegel, Hamburg und Leipzig-Halle. Betroffen waren hier vor allem Flüge von und nach Frankfurt bzw. München.

Da investiert der Frankfurter Flughafen viel Geld in den Ausbau des Winterdienstes und dann legen schon ein paar Zentimeter Eis Deutschlands größten Airport lahm. Wie kann das sein? Am Sonntagnachmittag mussten alle Starts und Landungen abgesagt werden. Die Folgen brachten den Flugplan an dem europäischen Drehkreuz auch gestern noch durcheinander, was sich auf zahlreiche weitere Städte auswirkte.

"Eisregen ist neben dichtem Schneefall das schwierigste für Flugzeuge und Flughäfen", sagt der Hamburger Flugzeug-Experte Cord Schellenberg. Eis verändert die Aerodynamik des Fliegers, die Klappen an den Tragflächen drohen einzufrieren. Schnee ist ein Klacks dagegen, weil der Strahl der Enteisungsmaschinen den Schnee vom Flugzeug pustet, während das Eis nicht nur fies haftet, sondern auch unter die Hülle kriecht.

"Durchschnittlich 15 Minuten" dauert die Enteisung eines Fliegers, wirbt die Firma "N*ICE" für ihre Dienstleistung. Für das Enteisen, das sogenannte "De-Icing", wird ein Gemisch aus Glykol und heißem Wasser - je nach Witterung in unterschiedlichen Verdünnungsstufen - auf die Maschinen gesprüht. Danach wird eine "Anti-Icing"-Schutzschicht aufgetragen, die das erneute Vereisen bis zum Start verhindern soll.

Am Sonntag waren die Grenzen dieser Technik erreicht. "So viel Eis haben wir noch nicht auf den Flugzeugen gesehen. Das war extrem", stöhnte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Drei bis vier Zentimeter Eis umhüllte die Flieger - zu viel für eine Enteisung. Technisch wäre es durchaus möglich gewesen, auch diesen Panzer zu knacken, erklärte Fraport-Sprecher Christopher Holschier gestern. "Das Problem ist nur: Es dauert zu lange." Schnee, der locker auf dem Flügel liegt, ist in einer viertel bis halben Stunde weg. "Bei einem Eispanzer kann es bis zu einer Stunde dauern." Und selbst dann wäre nichts gewonnen: "Wenn es weiter regnet, wird beim Start das Enteisungsmittel vom Flügel gespült und neues Eis setzt sich fest."

Dabei hatte der Frankfurter Flughafen in dieser Saison den Winterdienst erneut aufgerüstet. 1160 Mitarbeiter sollen Passagiere und Airlines vor Chaos bewahren, 170 mehr als im vergangenen Winter und doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Auch der Fuhrpark wurde erweitert: Mehr als 300 Fahrzeuge stehen bereit, rund ein Fünftel mehr als im vergangenen Winter. Zur Flotte gehören 58 Enteisungsfahrzeuge, das größte wiegt 32 Tonnen und fasst 8000 Liter. Viereinhalb Millionen Liter Enteisungsmittel wurden angeschafft. Im Chaos-Winter 2010/11 hatte Frankfurt nur drei Millionen Liter vorrätig gehabt. Vor zwei Jahren waren wegen des strengen Winters in Frankfurt rund 5000 Flüge ausgefallen, tausende Passagiere strandeten. Eine solche Situation wollte der Chef des Flughafenbetreibers Fraport, Stefan Schulte, in diesem Jahr eigentlich vermeiden.

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