zur Navigation springen
Ratgeber

25. September 2017 | 02:42 Uhr

Ratgeber : Wie krank ist meine Kasse?

vom

Der Fall City BKK zeigt: Auch Krankenkassen können pleite gehen. Doch wie erkennen Krankenversicherte, wie gut oder schlecht es ihrer Kasse finanziell geht - und was muss man bei einem Kassenwechsel beachten?

svz.de von
erstellt am 28.Jul.2011 | 08:13 Uhr

Der Fall City BKK zeigt: Auch Krankenkassen können pleite gehen. Das Bundesversicherungsamt warnt aufgrund dünner Finanzpolster vor weiteren Kasseninsolvenzen. Doch wie erkennen Krankenversicherte, wie gut oder schlecht es ihrer Kasse finanziell geht - und was muss man bei einem Kassenwechsel beachten?

Woran erkennt man, ob eine Kasse Geldsorgen hat?

Versicherte haben kaum Möglichkeiten zu erkennen, ob ihre Krankenkasse in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Sie können natürlich amtliche Statistiken oder auch die Geschäftsberichte einsehen. "Aber das ist immer der retrospektive Blick", sagt Ann Marini vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen in Berlin. Versicherte können auch direkt bei der Kasse nachfragen - haben aber wenig Chancen, etwas zu erfahren.

Ein Warnsignal ist allerdings der Zusatzbeitrag. "Natürlich wird eine Krankenkasse, die in Schwierigkeiten gerät, einen Zusatzbeitrag erheben", sagt Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Eine Krankenkasse, die bisher noch keinen Zusatzbeitrag hat, wird nicht überraschend schließen, sondern zunächst einen Beitrag erheben. Sollte ein Versicherter merken, dass seine Krankenkasse in finanziellen Schwierigkeiten ist, sollte er wechseln, rät der Experte. Zwar ist der Gedanke weit verbreitet, dass eine Krankenkasse einen nicht nimmt, wenn man alt oder krank ist. "Grundsätzlich ist es aber so, dass jede Kasse jeden nehmen muss."

Was muss man bei einer Kündigung beachten?

Für die Kündigung gelten bestimmte Fristen. "Man kann eine Krankenkasse nur verlassen, wenn man 18 Monate in der alten Krankenkasse drin war", erklärt Verbraucherschützer Schuldzinski. Ein Sonderkündigungsrecht besteht, wenn die Krankenkasse Zusatzbeiträge einführt oder erhöht. Dann kann der Versicherte sofort kündigen.

Die Krankenkasse muss dem Mitglied spätestens innerhalb von zwei Wochen nach Eingang der Kündigung eine Bestätigung ausstellen, sagt Michaela Gottfried vom Verband der Ersatzkassen. Die Bescheinigung wird der neu gewählten Krankenkasse vorgelegt, und diese stellt dann eine Mitgliedsbescheinigung aus, die wiederum dem Arbeitgeber beziehungsweise der zur Meldung verpflichteten Stelle vorzulegen ist.

Worauf sollte man bei einem Kassenwechsel achten?

Die Leistungen der gesetzlichen Kassen sind nahezu gleich, sagt Schuldzinski. Unterschiede gebe es zum Beispiel im Filialnetz. Einige Kassen hätten viele Niederlassungen, andere seien im Internet besser aufgestellt und haben weniger Geschäftsstellen.

Chronisch Kranke sollten zudem darauf achten, dass auch die neue Kasse bestimmte Programme anbietet - etwa für Diabetiker oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Außerdem sollten Versicherte bei einem Wechsel auf Wahltarife, zum Beispiel den Beitragsrückerstattungstarif, achten. "Das ist nicht immer ganz ungefährlich. Damit bindet man sich drei Jahre an die Krankenkasse", so der Experte. Besonders aufpassen sollte man beim Wahltarif "Krankengeld". Mit ihm können Versicherte den Anspruch auf Krankengeld aufbessern - verlieren damit aber ihr Sonderkündigungsrecht.

Was bedeutet eine Pleite für den Versicherungsschutz?

Der Versicherungsschutz bleibt zunächst bestehen, sagt Marini. Ein Pflichtversicherter hat zwei Wochen und ein freiwillig Versicherter drei Monate nach der Schließung Zeit, sich eine neue Kasse zu suchen - sonst entscheidet etwa der Arbeitgeber, der Rentenversicherungsträger oder die Bundesagentur für Arbeit.

Kann man einfach zu einer privaten Kasse wechseln?

Der gesetzlichen Krankenkasse können nur freiwillig Versicherte den Rücken kehren, deren Einkommen über so genannten Versicherungspflichtgrenze liegt. Sie beträgt für 2011 jährlich 49 500 Euro und monatlich 4125 Euro. Für Verbraucherschützer Schuldzinski steht fest: Wenn man jung und gesund ist, kann die private Krankenkasse eine Alternative sein. Wenn man aber älter und krank ist, drohen einem der Ausschluss bestimmter Leistungen oder höhere Tarife.

Hinzu kommt: Privatversicherte können erst wieder in die gesetzliche Kasse wechseln, wenn sie ein Jahr unter der Bemessungsgrenze lagen. Und wer über 55 Jahre alt ist, kann gar nicht mehr zurückkehren. Im Alter steigen noch dazu die Beiträge. Außerdem gibt es keine Familienversicherung. Das bedeutet: Jedes Familienmitglied muss einzeln versichert werden, und das kostet zusätzlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen