Lesertelefon Extra: Steuern : Wer Fristen versäumt, verschenkt Geld

Steuerzahler können sich Geld vom Finanzamt zurückholen, wenn sie bestimmte Fristen beachten.
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Steuerzahler können sich Geld vom Finanzamt zurückholen, wenn sie bestimmte Fristen beachten.

Warum es sich zum Jahresende noch lohnt, sich mit der Steuer zu beschäftigen: Experten gaben gestern Auskunft während unseres Telefonforums

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12. November 2014, 12:00 Uhr

Wer sollte jetzt noch seine Steuererklärung einreichen?
In jedem Fall sollte derjenige noch eine Steuererklärung abgeben, der dazu gesetzlich verpflichtet ist. Anderenfalls muss er mit einem Verspätungszuschlag, einer Schätzung oder Zwangsgeld rechnen. Zu empfehlen ist, auch noch rückwirkend einen Antrag auf Verlängerung zu stellen. Wichtig: In vielen Fällen gibt es trotz Abgabepflicht zur Steuererklärung Geld zurück. Eine freiwillige Steuererklärung lohnt sich stets, wenn im Laufe des Jahres höhere Aufwendungen angefallen sind, als bereits pauschal berücksichtigt werden. Dies betrifft z.B. Spenden und andere Sonderausgaben, Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen, Krankheitskosten oder auch Beiträge in die Altersvorsorge für Rürup- und Riesterverträge.

Wie lange ist dies für weiter zurückliegende Jahre möglich?
Wer für die zurückliegenden Jahre noch keine Steuererklärung abgegeben hat, aber nach dem Gesetz dazu verpflichtet ist, muss die Steuererklärung mindestens bis zu sieben Jahre rückwirkend einreichen. Auch hier ist eines wichtig: Wer kurz vor Jahresende die Steuererklärung für 2007 einreicht und eine Erstattung erwartet, sollte zusätzlich zur Steuererklärung einen formlosen Antrag auf Steuerfestsetzung an das Finanzamt richten. Nur dann läuft die Verjährung nicht ab, wenn das Finanzamt bis zum Jahresende noch keinen Bescheid schickt. Wer eine freiwillige Steuererklärung einreicht, hat nur vier Jahre Zeit. Hier reicht eine Abgabe bis Silvester. Allerdings zählt nicht die Einreichung bei der Post, sondern der tatsächliche Eingang der Steuererklärung. Das betrifft auch elektronische Steuererklärungen mit Elster, bei denen zusätzlich ein komprimierter und unterschriebener Ausdruck der Steuererklärung abzugeben ist. Lediglich wer seine Steuererklärung mit elektronischer Signatur einreicht, kann den Termin mit dem „Knopfdruck“ zum Absenden einhalten.

Welche weiteren Fristen verjähren zum Jahresende?
Jeweils zum Jahresende laufen einige Fristen auf. Wer sie versäumt, verschenkt bares Geld. Es betrifft beispielsweise Riesterverträge. Hier muss die Zulage innerhalb von zwei Jahren beantragt werden. Viele haben allerdings einen Dauerzulagenantrag über den Anbieter gestellt und brauchen sich darum nicht mehr zu kümmern. Wenn sich allerdings die Verhältnisse geändert haben, beispielsweise Kinder hinzugekommen sind, ist eine Mitteilung dennoch erforderlich. Wenn Beamte riestern, müssen sie innerhalb von zwei Jahren ihrem Dienstherren eine Einwilligung erteilen, dass die Daten zur Förderung an die zentrale Riesterstelle elektronisch übermittelt werden sollen. Die Wohnungsbauprämie kann zwei Jahre rückwirkend beantragt werden, d.h. bis zum Jahresende noch für 2012. Bei der Arbeitnehmersparzulage für vermögenswirksame Leistungen sind hingegen vier Jahre Zeit, d.h. rückwirkend noch für das Jahr 2010.

Was müssen Sparer beachten?
Anleger, die bei einer Bank Verluste haben, welche sie mit Gewinnen bei einer anderen Bank verrechnen könnten, müssen sich den Termin 15. Dezember vormerken. Bis spätestens zu diesem Zeitpunkt ist ein Antrag bei der Bank zur Feststellung des Verlustes zu stellen. Die Verrechnung erfolgt dann mit der Steuererklärung beim Finanzamt. Liegen die Verluste und Gewinne bei einer Bank, erfolgt die Verrechnung intern.
Wer Erträge bei verschiedenen Banken, Bausparkassen oder anderen Kreditinstituten erzielt, sollte seine Freistellungsaufträge regelmäßig prüfen. Auch hier lohnt sich das Jahresende. Pro Person sind es 801 Euro steuerfrei, bei Ehegatten 1602 Euro.

Wer sollte seine Steuerklassen für das nächste Jahr überprüfen?
Ehegatten und gesetzliche Lebenspartner können ihre Steuerklassenkombination in der Regel frei wählen. Sind beide berufstätig, kann durch eine günstige Steuerklassenkombination die Lohnsteuer verringert werden. Letztlich wird durch die Einkommensteuererklärung die Steuerbelastung aber immer ausgeglichen, unabhängig davon, welche Steuerklassenkombination gewählt wurde. Wichtig ist die Steuerklasse, wenn ein Ehegatte im kommenden Jahr mit Lohnersatzleistungen wie dem Arbeitslosengeld rechnet. Das Arbeitslosengeld wird auf Grundlage der Steuerklasse berechnet, die zum Jahresbeginn eingetragen war, in dem die Arbeitslosigkeit begann. Bei der Steuerklasse V ist das Arbeitslosengeld erheblich niedriger als bei der Steuerklasse IV. Mit der Steuerklasse III fällt Arbeitslosengeld am höchsten aus. Deshalb kann jetzt noch die Steuerklasse mit Wirkung zum 1. Januar 2015 in diesen Fällen gewechselt werden. Es ist jedoch zu beachten, dass der Partner dann in eine ungünstigere Steuerklasse wechselt. Sollte er arbeitslos werden, können die Leistungen für ihn geringer ausfallen. In diesen Fällen kann die Steuerklasse IV mit Faktor gewählt werden, die für beide Partner günstiger ist als die normale Steuerklasse IV.

Wer sollte die Steuerklasse IV mit Faktor wählen?
Die Steuerklasse IV mit Faktor ist eine Steuerklassenkombination für Eheleute und gesetzliche Lebenspartner. Die Lohnsteuerbelastung fällt niedriger aus als bei der Steuerklasse IV ohne Faktor, jedoch höher als bei der Steuerklasse III. Das Faktorverfahren ist eine Alternative zur Steuerklassenkombination III/V. Wenn die Löhne der Partner sehr weit auseinander liegen, ergibt sich bei den Steuerklassen III/V häufig eine erhebliche Steuernachzahlung. Mit dem Faktorverfahren erfolgt die Steuerbelastung recht genau. Zu beachten ist, dass derzeit der Faktor jedes Jahr erneut beantragt werden muss. Es empfiehlt sich, mit dem Antrag auch weitere Aufwendungen für einen Steuerfreibetrag zu beantragen. Diese werden in den Faktor mit eingerechnet. Sie mindern aber ebenfalls die Lohnsteuer.

Können auch noch Freibeträge für 2014 berücksichtigt werden?
Ein Steuerfreibetrag bei den „Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen“ (ELStAM) kann für das laufende Jahr noch bis zum 30. November beim Finanzamt eingetragen werden. Mit diesem Freibetrag fällt dann zumindest die Lohnsteuer für Dezember geringer aus. Wer die Voraussetzung für einen Freibetrag auch im nächsten Jahr weiter erfüllt, sollte nicht vergessen, den Ermäßigungsantrag für das Jahr 2015 gleich mit zu stellen. Ein Steuerfreibetrag für 2014 wird im kommenden Jahr nicht automatisch übernommen. Eine Ausnahme bilden nur Kinderfreibeträge und Freibeträge wegen Körperbehinderung.

Für welche Aufwendungen können Freibeträge eingetragen werden?
Zu einem Steuerfreibetrag für Arbeitnehmer zählen zunächst berufliche Kosten, beispielsweise der Weg zur Arbeit, eines häuslichen Arbeitszimmers oder Verpflegungsmehraufwendungen bei Auswärtstätigkeiten. Bei Werbungskosten wird jedoch in einem zusätzlichen Freibetrag nur der Wert berücksichtigt, der 1000 Euro übersteigt, weil der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1000 Euro bereits in der Lohnsteuertabelle eingearbeitet ist. Außerdem können für einen Freibetrag Handwerkerleistungen im Haushalt oder andere haushaltsnahe Dienstleistungen eingetragen werden, ebenso Verluste aus einer Vermietung, Spenden, Unterhaltsleistungen oder außergewöhnliche Belastungen. Nicht berücksichtigt werden jedoch zusätzliche Versicherungen, beispielsweise bei Riester- oder Rürup-Verträgen. Diese können erst in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden.

Wie kann ich die Hürde des Eigenanteils für Zahnarztrechnungen und Krankheitskosten überspringen?
Für außergewöhnliche Belastungen wie Krankheitskosten gilt eine sogenannte zumutbare Eigenbelastung. Diese wird vom Finanzamt automatisch abgezogen und richtet sich nach dem Familienstand, der Anzahl der Kinder und der Höhe der Einkünfte. Deshalb ist es wichtig, Krankheitskosten soweit wie möglich in einem Jahr zu bündeln. Wer dieses Jahr bereits höhere Kosten hatte, überschreitet möglicherweise die zumutbare Eigenbelastung. Weitere Kosten beispielsweise für eine Brille wirken sich dann steuermindernd aus, wenn die Rechnung noch in diesem Jahr bezahlt wird.


 

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