Serie Finanz-Wissen : Wenn Finanzpläne schiefgehen

Wenn sich Ziele, Einstellung und Erwartung geändert haben, müssen auch die Finanzen neu ausgerichtet werden.
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Wenn sich Ziele, Einstellung und Erwartung geändert haben, müssen auch die Finanzen neu ausgerichtet werden.

Teil 15: Was tun, wenn Einnahmen, Zinsen, Versicherungsleistungen oder Depots sich anders entwickeln als gedacht?

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08. Mai 2017, 12:00 Uhr

Finanzanlagen sind gut, solange alles so läuft wie geplant. Wenn das Konto überzogen, die Anlagezinsen sinken, die erwartete Ablaufleistung der Versicherung jedes Jahr weiter fällt oder das Depot in die falsche Richtung läuft, dann werden Bank- und Versicherungskunden schnell unruhig und fragen sich: „Was soll ich tun?“

Einfach – aber nicht zielführend

Gerne wird der Banker oder Versicherungsvermittler beschuldigt, falsch beraten zu haben. Doch nur in vergleichsweise wenigen Fällen ist das so einfach zu begründen. Meine Erfahrungen zeigen, dass viele Kunden in der Vergangenheit sehr unsystematisch und unkritisch mit ihren Finanzen umgegangen sind. Fehlende finanzielle Ziele, finanzielle Selbstüberschätzung und mangelndes Grundwissen vieler Kunden in Sachen Finanzen begünstigen neben den falschen Anreizsystemen bei Banken und Versicherungen Fehlentscheidungen.

Die Welt ist im Wandel

Vor 50 Jahren schien die Welt noch in Ordnung. Die Lebensläufe waren geradlinig, die staatlichen Sicherungssysteme solide und das Angebot an Finanzprodukten überschaubar. Es gab klare politische Feindbilder. Jedes Land konnte seine Wirtschaftspolitik frei gestalten.

Heute sind wir vernetzt, globalisiert und voneinander abhängiger als es uns lieb ist. Die Biografien sind unstetig, der Job nicht sicher. Alles scheint sich schneller zu bewegen und komplizierter zu werden. Das führt auch dazu, dass vor Jahren getroffene, damals richtige Finanzentscheidungen sich heute als falsch herausstellen. Nicht weil das Produkt oder die Beratung schlecht waren, sondern in vielen Fällen deshalb, weil Sie, Ihr Leben und die Umwelt sich verändert haben. Finanzentscheidungen entfalten ihre Wirkung in vielen Fällen erst langfristig.

Was tun?

Die Vergangenheit kann man nicht ändern. Deshalb ist es sinnvoll, sich ausschließlich mit der Zukunft zu beschäftigen und alle getätigten Finanzentscheidungen zukunftsorientiert kritisch zu hinterfragen.

1. eigene Einschätzung
Fragen Sie sich zuerst, ob die Geldanlage oder Versicherung noch zu Ihren heutigen Zielen passen. Wenn sich Ihre Ziele, Einstellung und Erwartung aber auch Ihre Risikobereitschaft geändert haben, müssen Sie Ihre Finanzen neu ausrichten. Eine unsichere Zukunft braucht flexible Finanzlösungen.

2. Versicherung
War die Produktlösung richtig, aber der Anbieter nicht der beste, muss sorgfältig geprüft werden, was zu tun ist. Oft ist es (gerade bei kapitalbildenden Versicherungen) sinnvoller, ein vergleichsweise renditeschwaches Produkt zu behalten, als es durch ein neues Produkt mit neuen und hohen Abschlusskosten zu ersetzen.

3. Wertpapiere
Haben Sie beispielsweise vor Jahren einen Fonds für 5000 Euro erworben, der heute nur noch 4000 Euro wert ist, beantworten Sie sich die Frage, was Sie machen würden, wenn Sie statt des Fonds heute 4000 Euro zur Verfügung hätten? Wenn Sie den Fonds heute nicht noch einmal kaufen würden, dann verkaufen Sie ihn. Wenn Sie jedoch zu der Erkenntnis gelangen, dass Sie in den Fonds heute – zu den niedrigen Kursen – investieren würden, dann behalten Sie ihn und denken gegebenenfalls über einen Nachkauf nach.

Beachten Sie, dass jede Umschichtung bei den meisten Banken zu neuen Abschlusskosten führen kann, die die Rendite des neuen Fonds schmälert. Hier ist ein guter und unabhängiger Rat echtes Geld wert.

4. Berater sind keine Hellseher
Die Beratung kann nur dann kundengerecht erfolgen, wenn dem Berater alle wichtigen und relevanten Daten von Ihnen bekannt sind. Seien Sie offen und ehrlich! Auch ich muss für mein Geld arbeiten, obwohl es mir umgekehrt lieber wäre. Das heißt, dass kein Berater verlässliche Rendite- und Kursprognosen liefern kann. Könnte er es, würde er nicht Ihnen gegenüber, sondern auf seiner Insel, in seiner Villa sitzen. Der größte Teil der Rendite wird nicht durch den einzelnen Fonds, sondern durch eine gute Strategie bei geringen Kosten erzielt.

5. Weniger ist manchmal mehr
Fragen Sie sich kritisch, ob Sie all das, was Sie an Finanzverträgen abgeschlossen haben, auch benötigen und ob die wenigen wirklich wichtigen Sachen in Ordnung sind. Eine Strategie- oder Finanzplanung kann da Wunder bewirken.

Haben Sie niemanden abzusichern, brauchen Sie keinen Todesfallschutz!

Liquiditätssicherung und Kredittilgung gehen vor Geldanlage!

Ein flexibler Sparvertrag kann sinnvoller als eine private Rentenversicherung sein!

Steuerspareffekte dürfen nur ein Bonbon – jedoch kein Grund für eine Finanzentscheidung sein!

Mein Rat

Vertrauen Sie denen, die mit Ihnen zusammen die Wahrheit suchen!

Misstrauen Sie denen, die sie – ohne Sie zu kennen – gefunden haben wollen!

(Finanzielle) Bildung, Ehrgeiz und Ausdauer erzielen die höchsten Renditen!

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