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Lesertelefon Extra: Organspenden : Wenn der Tod neues Leben spendet

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Schalten Ärzte lebenserhaltende Maschinen ab, um Organe zu entnehmen? Solche Ängste hemmen die Spendenbereitschaft. Wir klären auf. Lesen Sie hier einen neuen Teil unserer beliebten Serie "Leser-Telefon Extra".

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2012 | 09:54 Uhr

Ich bin 72, da wäre ich doch sicher für eine Organspende zu alt, oder?

Nein, denn entscheidend ist immer das biologische, nicht das kalendarische Alter. Im letzten Jahr war der älteste Organspender über 90 Jahre alt, als nach seinem Hirntod funktionstüchtige Organe entnommen wurden. Auch die Niere eines älteren Menschen kann zum Beispiel einem Dialysepatienten oder einer Dialysepatientin wieder ein fast normales Leben schenken. Ob gespendete Organe oder Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann ohnehin erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch überprüft werden.

Ich hatte Epilepsie. Könnte ich trotzdem als Organspender infrage kommen?

Ja, denn ob Organe entnommen werden können, entscheidet sich erst im Falle eines Hirntodes. Sie sollten Ihre Erkrankung und wann sie auftrat auf dem Organspendeausweis vermerken. Wer eine akute Krebserkrankung oder eine HIV-Infektion hat, kann keine Organe spenden.

Muss man sich irgendwo registrieren lassen, wenn man einen Organspendeausweis hat?

Nein, es erfolgt keine Registrierung. Es genügt, wenn man einen Ausweis ausfüllt und diesen stets bei sich trägt. Man sollte aber immer die Familie über die Entscheidung informieren

Welche Erfolgsaussichten haben Organübertragungen?

Sehr gute. Zum Beispiel sind 85 Prozent der transplantierten Nieren nach einem Jahr noch funktionstüchtig, nach fünf Jahren sind es noch 70 Prozent. Bei den anderen Organen liegen die Erfolgsraten nur geringfügig darunter. Augenhornhäute sind fast immer gut transplantierbar: 95 Prozent haben ihre volle Funktionstüchtigkeit noch nach einem Jahr, 80 Prozent noch nach fünf Jahren.

Können Menschen unter 18 Jahren einen eigenen Organspendeausweis ausfüllen?

Ja, laut Transplantationsgesetz können Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem 16. Lebensjahr und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Eltern ist nicht notwendig.

Woher bekommt man einen Spendeausweis?

Man kann ihn bei unserem Infotelefon Organspende unter 0800/90 40 400 oder bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung anfordern. Auch viele Krankenkassen, Krankenversicherungen, Apotheken, Krankenhäuser, Einwohnermeldeämter und Arztpraxen stellen Spendeausweise zur Verfügung. Aus dem Internet kann der Ausweis über www.organspende-info.de oder www.fuers-leben.de heruntergeladen werden.

Muss man den Organspendeausweis immer bei sich tragen?

Das wäre gut, am besten bei der Karte für die Krankenversicherung. Falls das nicht geht, sollte man auf jeden Fall eine Person des Vertrauens über die Entscheidung zur Organspende informieren und ihr sagen, wo der Ausweis zu finden ist.

Wie wird gesichert, dass der Mensch tot ist, wenn Organe entnommen werden?

Zur Feststellung des Todes gelten die Richtlinien der Bundesärztekammer. Das heißt, zwei Ärzte, die nichts mit der Transplantation zu tun haben, müssen unabhängig voneinander den Hirntod zweifelsfrei feststellen. Sonst wird nicht transplantiert.

Wie sehen die Toten nach der Organentnahme aus? Kann man sie noch einmal sehen?

Ja, Angehörige können danach in jeder gewünschten Weise Abschied nehmen. Sie können dabei erkennen, dass die Operationswunde wie bei einem lebenden Patienten verschlossen worden ist. Der Leichnam wird in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben

Welche Organe und Gewebe kann man überhaupt spenden? Kann man auch etwas ausschließen?

Nach dem Hirntod können folgende Organe und Gewebe entnommen und übertragen werden: Niere, Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen. Sie können in Ihrem Spendeausweis festlegen, welche Organe oder Gewebe Sie spenden würden und welche nicht.

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