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Regierung stellt Ernährungsbericht vor : Weniger Kinder mit Übergewicht

vom

Die Deutschen essen immer mehr Gemüse, verschmähen dafür aber öfter frisches Obst. Übergewicht bei Kindern ist leicht zurückgegangen, viele Senioren dagegen kämpfen mit den Kilos - das zeigt der Ernährungsbericht 2012.

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erstellt am 14.Dez.2012 | 08:07 Uhr

Die Deutschen essen immer mehr Gemüse, verschmähen dafür aber öfter frisches Obst. Übergewicht bei Kindern ist leicht zurückgegangen, viele Senioren dagegen kämpfen mit den Kilos - das sind die Ergebnisse des Ernährungsbericht 2012 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Studie wurde gestern in Berlin vorgestellt. Der Bericht wird alle vier Jahre im Auftrag der Bundesregierung erstellt.

Bei Kindern im Vorschulalter in fast allen Bundesländern sei demnach das Übergewicht um bis zu drei Prozent und die noch schlimmere Fettleibigkeit (Adipositas) um bis zu 1,8 Prozent zurückgegangen.

Etwa 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen in Deutschland sind zu dick. Vor allem Senioren haben dem Bericht zufolge Probleme mit Übergewicht: So hätten 74 Prozent der Männer und 63 Prozent der Frauen zwischen 70 und 74 Jahren zu viel Gewicht, was auch auf Bewegungsmangel zurückzuführen sei.

In einer anderen, internationalen Studie mit dem Titel "Global Burden of Disease Study 2010", die am Donnerstag in London veröffentlicht worden war, hieß es, dass in den vergangenen zehn Jahren Fettleibigkeit zum großen Problem geworden sei. Lag diese 1990 noch auf Platz 10 der größten Gesundheitsrisiken, ist sie nun auf Platz 6 in der Welt. Mehr als 3 Millionen Todesfälle seien 2010 auf einen zu hohen Body-Maß-Index zurückzuführen gewesen. Daten aus 187 Ländern wurden ausgewertet.

Nach Angaben des deutschen Ernährungsberichts isst jeder Mann im Durchschnitt pro Woche etwa ein Kilogramm Fleisch und Wurst, empfohlen werden 300 bis 600 Gramm.

Allerdings werden nach Angaben des Berichts auch mehr Fisch und Gemüse verspeist: So seien im vergangenen Jahr pro Kopf etwa 25 Kilogramm Gemüse wie Tomaten, Kohl, Rüben, Gurken und Hülsenfrüchte verzehrt worden. Zwischen den Jahren 2000 und 2011 sei der Konsum von Gemüse jährlich pro Kopf um durchschnittlich 1,1 Kilogramm gestiegen. Im Jahr 2010 hat jeder Deutsche nach Auskunft des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz etwa 16 Kilogramm Fisch verzehrt. Dem steht allerdings ein Rückgang beim Obstverbrauch von 800 Gramm pro Kopf und Jahr gegenüber.

Extrem zuckerhaltige und kalorienreiche Produkte wie Bubble Tea sollten für Kinder und Jugendliche schwerer zugänglich sein. Dafür setzt sich der Potsdamer Mediziner Hans-Georg Joost ein. Denkbar sei dies über höhere Steuern, sagte der Chef des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung. Er nannte als Vorbild für seine Idee die Sondersteuer für Alkopops: Um dem Konsum der süßen, alkoholhaltigen Mixgetränke entgegenzuwirken, kostet eine handelsübliche Flasche seit 2004 rund einen Euro mehr.

Das Bundesverbraucherministerium lehnt Strafsteuern für "vermeintlich ungesunde Lebensmittel" ab. Man werde den Menschen nicht vorschreiben, was sie essen sollten, hieß es. Es sei nicht belegt, dass Strafsteuern auf bestimmte Lebensmittel der Gesundheit nützten.

Mediziner Joost argumentiert dagegen: "Wir haben Lebensmittel geschaffen, die wenig sättigen, aber sehr viel Energie liefern." Verantwortlich sei die Kombination von Fett, Zucker und Geschmacksverstärkern wie Salz und wenig Ballaststoffen. Typische Beispiele: die Currywurst oder Salz-Honig-Erdnüsse. Aber auch der "coffee to go" könne sich als Kalorienbombe entpuppen. "Manche der Getränke aus dem Kaffee-Shop haben bis zu 500 Kalorien."

Unterdessen macht die Europäische Union beim Thema Essen und Gesundheit weiter Druck auf die Hersteller: Lebensmittel dürfen seit gestern nur noch eingeschränkt mit Gesundheitsbotschaften beworben werden. Eine EU-Richtlinie verbietet es Nahrungsmittel-Konzernen, solche Botschaften auf die Verpackungen zu drucken, wenn die Behauptungen nicht wissenschaftlich belegt und von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit genehmigt sind. Nach Angaben der Lebensmittelorganisation Foodwatch darf beispielsweise nicht mehr behauptet werden, dass probiotischer Joghurt die Abwehrkräfte so stärken, dass sie vor Erkältung schützen.

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